Sind die niederländischen Nikolausfeiern, die Schwarze als willige Helfer der Weißen präsentieren rassistisch, wie die UNO jetzt feststellt? Heftige Debatte in den Niederlanden, der protestantischen Nation, die zusammen mit England und Frankreich den Menschenhandel zu einem Exempel früher globaler Wirtschaft entwickelten. Man schätzt, dass zwischen 1500 und 1850 zehn bis zwölf Millionen Afrikaner in die Neue Welt geschafft wurden, wobei auf einen überlebenden Sklaven bis zu drei Menschen kamen, die die Tortur der Gefangennahme und der Überfahrt nicht überlebten. Die Niederland hat bis heute immer noch nicht die Kraft, sich für die Versklavung von 500.000 Afrikanern zu entschuldigen, aber immerhin drückt sie erstmals ihr Bedauern aus: “Dies ist ein Schandfleck unserer Geschichte”, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher bei einer Gedenkfeier in Amsterdam. König Willem-Alexander und Königin Máxima gaben mit ihrer Anwesenheit der Veranstaltung historisches Gewicht.

Niederländer protestieren gegen Rassismus-Kritik der UNO an ihrem Nikolausfest

23. Oktober 2013, 15:45
  • Die "Schwarzen Peter" sorgen für Wirbel in den Niederlanden.

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    foto: ap/margriet faber

    Die “Schwarzen Peter” sorgen für Wirbel in den Niederlanden.


Expertengruppe fordert Abschaffung wegen schwarz angemalten Helfern: “Rückkehr zur Sklaverei”

Amsterdam – Mit wütenden Protesten reagieren die Niederländer auf Vorwürfe der Vereinten Nationen gegen ihr Nikolausfest. Eine Expertengruppe der UNO hatte das Fest als rassistisch eingestuft und die Abschaffung gefordert. Der niederländische “Sinterklaas” wird traditionell von einer Schar schwarzer Helfer, den “Zwarte Pieten” (Schwarze Peter), begleitet.

Innerhalb eines Tages unterstützten bis Mittwochnachmittag fast eine Million Niederländer eine “Pietition” im sozialen Netwerk Facebook für die Tradition. Es sei nur ein Kinderfest, argumentierten zehntausende Niederländer am Mittwoch auf Twitter, Facebook und in anderen Medien.

Die Rassismus-Arbeitsgruppe der UN untersucht zur Zeit, ob “Sinterklaas” ein rassistische Figur ist. “Die Arbeitsgruppe kann nicht verstehen, warum Niederländer nicht einsehen, dass dies eine Rückkehr zur Sklaverei ist und dass dieses Fest im 21. Jahrhundert aufhören muss”, sagte die Vorsitzende der Kommission, Professor Verene Shepherd, am Dienstagabend im Fernsehen. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los.

Der “Sinterklaas” kommt nach der Legende immer Mitte November in die Niederlande, um den Kindern Geschenke zu bringen. Begleitet wird der weiße Bischof von zahlreichen in bunte Phantasie-Kostüme gekleideten schwarz angemalten Helfern. Vor allem schwarze Niederländer aus den früheren Kolonien Surinam und den Antillen klagen seit Jahren über diesen Brauch. Schwarze würden als lustige, aber dumme Knechte dargestellt. (APA, 23.10.2013)

http://derstandard.at/1381369590651/Niederlaender-protestieren-gegen-Rassismus-Kritik-der-UNO-an-ihrem-Nikolausfest

Niederlande entschuldigen sich für 500.000 Sklaven

Auch die Niederlande beteiligte sich über Jahrhunderte hinweg am transatlantischen Sklavenhandel. Erst 1863 wurden die Sklaven befreit. 150 Jahre danach äußert die Regierung ihr “tiefes Bedauern”.Von Florian Stark

Die Niederlande und ihre Sklaverei1/7
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Sklaverei war kein Ausweis von Rückständigkeit, sondern Modernität: Auf Sklavenmärkten wie diesem wurden im 17. Jahrhundert die Arbeitskräfte für die Plantagen der Neuen Welt gehandelt.<br />

Foto: picture-alliance / akg-imagesSklaverei war kein Ausweis von Rückständigkeit, sondern von Modernität: Auf Sklavenmärkten wie diesem wurden im 17. Jahrhundert die Arbeitskräfte für die Plantagen der Neuen Welt gehandelt.

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Der Menschenhandel gehört zu den größten Schattenseiten der Moderne. Ausgerechnet die Nationen, die ihn vorantrieben – England, die Niederlande, Frankreich – entwickelten die transkontinentale Sklaverei zu einem Exempel früher globaler Wirtschaft. Man schätzt, dass zwischen 1500 und 1850 zehn bis zwölf Millionen Afrikaner in die Neue Welt geschafft wurden, wobei auf einen überlebenden Sklaven bis zu drei Menschen kamen, die die Tortur der Gefangennahme und der Überfahrt nicht überlebten.

Bis zum Jahr 1863 beteiligten sich auch die Niederlande an diesem lukrativen Geschäft. Erst am 1. Juli jenes Jahres schaffte das Königreich die Sklaverei als eines der letzten europäischen Länder offiziell ab, ein halbes Jahr nachdem die US-Nordstaaten dies für das Gebiet der sklavenhaltenden Südstaaten getan hatten. 150 Jahre später begehen die Niederlande diesen Schlussstrich mit einem Gedenkjahr.

Historiker haben errechnet, dass die Niederlande zwischen 1600 und 1863 rund 500.000 Afrikaner in ihre Kolonien in Lateinamerika und der Karibik transportiert haben. Die im Vergleich zum englischen oder spanischen und portugiesischen Sklavenhandel eher niedrige Zahl erklärt sich allerdings nicht mit Anwandlungen von Humanität. Im Gegenteil: Wie Engländer und Franzosen entwickelten die Niederländer die auf Sklaven angewiesene Plantagenerzeugung von Zucker und anderen Luxusgütern zu einer intensiven Wirtschaftsform, die bereits viele Züge der Industrialisierung und des Kapitalismus vorweg nahm.

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Auf diese Weise wurden die gefangenen Sklaven über den Atlantik transportiert. Man schätzt, dass auf einen Überlebenden drei Tote kamen, die die Torturen nicht überlebten<br />

Foto: picture-alliance / maxpppAuf diese Weise wurden die gefangenen Sklaven über den Atlantik transportiert. Man schätzt, dass auf einen Überlebenden drei Tote kamen, die die Torturen nicht überlebten

Seuchen löschten ganze Völker aus

Dass die Republik der Niederlande weniger in der Neuen Welt engagiert war, hing einfach damit zusammen, dass das Herzstück ihres Kolonialreiches in Südostasien lag, auf den Gewürzinseln des indonesischen Archipels. Die Schätze, die niederländische Flotten von dort nach Amsterdam beförderten, begründeten das Goldene Zeitalter der Niederlande. Die Macht der Generalstaaten war damals so groß, dass sich die nachrückenden Engländer zunächst mit Positionen in Indien und Amerika zufrieden geben mussten.

Bereits 1501 hatten die Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon ihren Siedlern in der Neuen Welt die Erlaubnis erteilt, Arbeitskräfte zu importieren. Bereits kurz nach der Ankunft der Europäer waren durch die von ihnen eingeschleppten Seuchen ganze Völkerschaften ausgelöscht worden. Vor allem die Inseln der Karibik hatten dramatische Bevölkerungsverluste hinzunehmen.

Ersatz fanden die Kolonialmächte vor allem in Westafrika, dessen “Goldküste” nicht nur Edelmetall, sondern auch Menschen lieferte. Schon die Portugiesen entwickelten einen Dreieckshandel, bei dem Schiffe mit Gütern wie Waffen, Alkohol oder Zucker in Europa starteten, in Afrika Sklaven dafür aufnahmen und von dort nach Amerika verschifften. Dort luden sie die Schätze der Neuen Welt und brachten sie nach Europa.

Seit dem 16. Jahrhundert verdrängten niederländische Handelsgesellschaften die Portugiesen aus ihren Positionen in Westafrika und übernahmen auch ihre Kontakte mit den einheimischen Sklavenjägern. Denn aktiv beteiligten sich die Europäer nicht an der Beschaffung der Sklaven. Das wäre unter den klimatischen Bedingungen auch nicht möglich gewesen. Diese Drecksarbeit überließen sie vor allem muslimischen Fürsten, die ein regelrechtes Sklavenhandels-Netz über den schwarzen Kontinent legten.

In Anwesenheit von König und Königin

Auch wenn die wachsende Nachfrage der Europäer und ihre lukrativen Tauschobjekte den Dreieckshandel beförderten, haben Historiker in jüngster Zeit den Anteil von Afrikanern am Sklavenhandel in den Fokus gerückt. Dabei handelte es sich vor allem um Herrscher, die Jagd und Transport nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten, in die türkischen, iranischen und mongolischen Großreiche des Orients und weiter nach Indien und Südostasien besorgten.

Am 1. Juli 1863 erhielten 33.000 Menschen in Suriname und 12.000 auf den Niederländischen Antillen ihre Freiheit. Gleichwohl mussten sie noch zehn weitere Jahre als Lohnarbeiter auf den Plantagen arbeiten. 150 Jahre später hat die niederländische Regierung zum ersten Mal ihr “tiefes Bedauern und Reue” über den Menschenhandel bezeugt. “Dies ist ein Schandfleck unserer Geschichte”, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher bei einer Gedenkfeier in Amsterdam. König Willem-Alexander und Königin Máxima gaben mit ihrer Anwesenheit der Veranstaltung historisches Gewicht, die mit 21 Salutschüssen eingeleitet worden war.

Dennoch war die Reaktion schwarzer Niederländer verhalten, hatten sie doch eine offizielle Entschuldigung erwartet. Das wäre eine wichtige Geste gewesen, sagte der Vorsitzende des nationalenInstituts für Sklavereigeschichte, Eddy Campbell. “Aber das können wir nicht erzwingen.” Die niederländische Regierung lehnt ein Schuldeingeständnis aus Sorge vor Schadenersatzforderungen ab.

http://www.welt.de/geschichte/article117637605/Niederlande-entschuldigen-sich-fuer-500-000-Sklaven.html

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