Als die Rechtsradikalen in Deutschland regierten und Deutsche in die Flucht trieben und als Deutsche froh waren, in anderen Ländern Schutz zu finden. Unmittelbar nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten und Adolf Hitler Reichskanzler geworden war, begannen Repressalien gegen politische Gegner des Systems und die Juden. Insgesamt kamen in den Jahren zwischen 1933 und 1939 ca. 50 000 Flüchtlinge aus Deutschland in die Niederlande, von denen über die Hälfte dort auch blieben und nicht in ein anderes Land weiterwanderten. Nicht nur über 220 000 Juden, sondern auch Emigranten aus den Bereichen Politik und Kultur verließen zwischen 1933 und 1938 ihre Heimat und versuchten, sich in anderen Ländern ein neues Leben aufzubauen. Aus der Pfalz sind in dieser Zeit schätzungsweise 4.000 jüdische Bürger ins Ausland geflüchtet. Mit den Worten »Es war nie Auswanderung, immer nur Flucht« charakterisierte die aus dem Elsaß stammende, 1940 aus dem südfranzösischen Konzentrationslager Gurs entkommene und nach den USA emigrierte Schriftstellerin Adrienne Thomas (1897-1980) nicht nur ihre eigene Odyssee, sondern die Situation Tausender von Emigranten, die Eurorpa und dem faschistischen Hitler-Deutschland zwischen 1933 und 1945 den Rücken kehrten und sich damit vor dem Holocaust retten konnten.

DEUTSCHE IN DEN NIEDERLANDEN 1918-1945


III. Die Beobachtung des Nationalsozialismus

Boykott jüdischer Geschäfte 1933
NS-Boykott gegen jüdische Geschäfte Berlin 1933, Quelle: BArch (102-14468)/cc-by-sa

Das Aufkommen der Nationalsozialisten und ihre „Machtergreifung“ im Januar 1933 prägten die 30er Jahre. Auf die immer weiter gehenden Einschränkungen der Meinungsfreiheit und der freien Berufswahl sowie der persönlichen Sicherheit reagierten viele Menschen mit der Flucht aus Deutschland. Nicht nur über 220 000 Juden, sondern auch Emigranten aus den Bereichen Politik und Kultur verließen zwischen 1933 und 1938 ihre Heimat und versuchten, sich in anderen Ländern ein neues Leben aufzubauen.

Für viele derjenigen, die nicht aus Deutschland vertrieben wurden, waren die 30er Jahre eine Zeit positiver Entwicklungen. Der Arbeitsmarkt erholte sich (auch durch den massiven Beginn der Rüstungswirtschaft) und sowohl die Wiedereingliederung des Saarlandes in das Deutsche Reich 1935 als auch der „Anschluss“ Österreichs 1938 schienen ein neues Selbstbewusstsein Deutschlands zu versinnbildlichen.

Für die Niederlande und die hier lebenden Deutschen waren beide Entwicklungen wichtig. Zum einen wurden die Niederlande zum ersten Mal in ihrer Geschichte zu einem Asylland. Tausende von deutschen Flüchtlingen kamen, um von den Niederlanden aus weiterzuwandern oder sich auch dort niederzulassen. Doch auch für die schon länger im Land lebenden Deutschen spielte die Etablierung des nationalsozialistischen Staates und das in den 30er Jahren wachsende Selbstbewusstsein Deutschlands eine wichtige Rolle.

Die deutschen Flüchtlinge

Unmittelbar nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten und Adolf Hitler Reichskanzler geworden war, begannen Repressalien gegen politische Gegner des Systems und die Juden. Der Boykott jüdischer Geschäfte im April 1933 führte zu einer ersten großen Welle von Flüchtlingen, die sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlten. In den folgenden Jahren pendelte sich die Zahl der Flüchtlinge auf einem niedrigeren Niveau ein, um nach den Pogromen im November 1938 noch einmal sprunghaft anzusteigen. Insgesamt kamen in den Jahren zwischen 1933 und 1939 ca. 50 000 Flüchtlinge aus Deutschland in die Niederlande, von denen über die Hälfte dort auch blieben und nicht in ein anderes Land weiterwanderten.

Die Niederlande waren auf den plötzlichen Zustrom von Flüchtlingen, der nach den Boykotten im April 1933 einsetzte, nicht vorbereitet. Die Regierung musste sich in ihrer Politik gegenüber den Flüchtlingen erst neu orientieren. Bis zum Frühjahr 1934 dauerte die erste Phase des Abwartens. Da der Visazwang schon 1926 aufgehoben worden war, konnten die Flüchtlinge ungehindert einreisen, doch mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Regulierung des Zugangs der Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt im April 1934 begann die niederländische Regierung, sich immer abweisender gegenüber den Flüchtlingen zu verhalten.

Ausschlaggebend dafür war vor allem die angespannte Situation auf dem niederländischen Arbeitsmarkt, die durch die Flüchtlinge nicht noch verschärft werden sollte. Auch die Angst, den wirtschaftlich wichtigen Partner Deutschland nicht zu verärgern, trug in der Folgezeit zu einer immer restriktiveren Politik den Flüchtlingen gegenüber bei. Im Mai 1938 erklärt Justizminister Goseling die Flüchtlinge in einem Rundbrief sogar zu „unerwünschten Elementen“, deren Einreise nicht mehr zugelassen werden sollte. Die Grenzen der Niederlande wurden daraufhin geschlossen, auch ein öffentlicher Sturm der Entrüstung änderte nichts an der Haltung der Regierung. Erst die Geschehnisse des 9. November 1938 bewogen die Regierung, 2000 zusätzliche Flüchtlinge in den Niederlanden aufzunehmen. Durch die Intervention verschiedener Organisationen und einen massiven öffentlichen Druck gelang es zudem, diese Zahl auf insgesamt 7000 Personen aufzustocken. Doch die Politik der Regierung blieb auch in Zukunft auf eine strikte Abschottung der Grenzen ausgerichtet. Eine Folge der sich verschärfenden Regierungspolitik war der Anstieg der illegal in den Niederlanden lebenden deutschen Flüchtlinge. Wer keine offizielle Einreiseerlaubnis erhielt, versuchte, die grüne Grenze zu überqueren und in der Illegalität zu leben. Ende der 30er Jahre sah sich die Regierung genötigt, Auffanglager für diese illegalen Flüchtlinge einzurichten. Doch auch für die legal in den Niederlanden lebenden Flüchtlinge wurden Lager gebaut. Die Städte im Westen konnten die große Zahl an Neuankömmlingen nicht mehr auffangen, und darum sollten Flüchtlingslager auf dem Land die Städte entlasten. Unterhalten wurden die meisten dieser Lager zunächst von Hilfsorganisationen für jüdische Flüchtlinge, bevor Ende der 30er Jahre das „Zentrale Auffanglager Westerbork“ gegründet wurde, das später als Durchgangslager und Abfahrtsstation der Deportationszüge in die Vernichtungslager im Osten traurige Bekanntheit erlangen sollte.

Die Reaktionen innerhalb der Bevölkerung auf die Ankunft so vieler Flüchtlinge waren ambivalent. Auf der einen Seite erfolgten als Reaktion auf die Geschehnisse in Deutschland Solidaritätsbekundungen und die Einrichtung diverser Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge. Auf der anderen Seite fand die abweisende Politik der Regierung immer mehr Anhänger, die in der großen Zahl von Flüchtlingen eine Gefahr für den Arbeitsmarkt und die allgemeine ökonomische Situation insgesamt sahen. Gerade der jüdische Teil der niederländischen Bevölkerung (ca. 1,4% der Gesamtbevölkerung) befürchtete zudem einen Anstieg des latent bereits vorhandenen Antisemitismus auch in den Niederlanden und sah durch die Flüchtlinge den Status Quo des Zusammenlebens gefährdet.

Die Aufnahme in den Niederlanden, die Möglichkeiten, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen und die Integration in die Gesellschaft hingen von verschiedenen Faktoren ab. Besonders ausschlaggebend war die Motivation der Flucht aus Deutschland.

Familie Frank
Anne Frank und ihre Familie, Quelle: NA(092-0079)

Jüdische Flüchtlinge kamen aufgrund einer privaten Entscheidung in die Niederlande, sie flohen aus Angst um ihr Leben und mussten versuchen, ihr Leben in einem neuen Land neu aufzubauen. Je nach dem Zeitpunkt ihrer Ankunft veränderten sich die Möglichkeiten dazu in den Niederlanden. Zu Beginn der 30er Jahre war es noch möglich, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten und sich und seine Familie in ein „normales“ Leben wiedereinzugliedern. So konnten viele Emigranten ihr altes Geschäft aus Deutschland in die Niederlande transferieren und hier erneut aufbauen oder zumindest eine Arbeit finden, die ihnen ein normales Auskommen bot. Bis 1937 bauten Flüchtlinge mehr als 450 neue Betriebe und Unternehmen in den Niederlanden auf und schufen dadurch mehr als 7500 Arbeitsplätze, vor allem in der Textilbranche. Viele der später gekommenen Juden hatten dieses Glück nicht mehr. Sie mussten zum Teil in den Flüchtlingslagern leben, durften keine eigene Arbeit aufnehmen und waren völlig von der Unterstützung der verschiedenen Hilfsorganisationen, wie dem CBJB (Comité voor Bijzondere Joodse Belangen) oder dem CJV (Comité voor Joodse Vluchtelingen), abhängig.

Im Gegensatz zu den jüdischen Flüchtlingen, die zumeist auf sich selbst gestellt waren, fanden die politischen Flüchtlinge in den Niederlanden gut organisierte Netzwerke politisch Gleichgesinnter vor („Rode Hulp“ für die Kommunisten und das „Comité voor Politieke Duitse Vluchtelingen“ für die Sozialdemokraten), die ihnen zur Seite standen und erste Anlaufstationen boten. Für den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime, dem sich viele der aktiven Kommunisten und Sozialdemokraten verschrieben hatten, boten die Niederlande ein geeignetes Umfeld. Bis 1940 kamen insgesamt bis zu 5000 Parteimitglieder für kürzere oder längere Zeit in die Niederlande. Viele von ihnen gingen weiter nach Paris oder Prag, um an den Zentren politischen Widerstandes das weitere Vorgehen aktiv mitzugestalten, doch eine nicht unerhebliche Anzahl blieb in den Niederlanden, um von hier aus die Geschehnisse in Deutschland zu beobachten und wenn möglich, Widerstand zu leisten. Zu den Zielen der politischen Arbeit im Ausland zählte zunächst die Herstellung von Öffentlichkeit, sowohl im Zufluchtsland als auch in Deutschland. Über die Verbreitung von illegalen Zeitungen und Flugblättern sollte die Bevölkerung in den Niederlanden auf den Terror der Nationalsozialisten aufmerksam gemacht und die Deutschen für den Widerstand und den Kampf gegen das Regime motiviert werden. Weiterhin versuchten die Parteien, an der Grenze zu Deutschland Verbindungsstellen aufzubauen, über die die illegale politische Arbeit in Deutschland aktiv unterstützt werden konnte, die aber auch als erste Anlaufstellen für Flüchtlinge fungierten. Trotz der vorhandenen Verbindungen in den Niederlanden lebten viele der politischen Flüchtlinge in der Illegalität. Sofern sich die Flüchtlinge weiter aktiv für die Ziele ihrer Partei einsetzen wollten, blieb ihnen keine andere Wahl, da es Ausländern in den Niederlanden verboten war, sich politisch zu betätigen. Wurden diese Illegalen von der holländischen Polizei ergriffen, drohte ihnen die Abschiebung nach Deutschland oder die Einweisung in eines der Lager für illegale Flüchtlinge, die von der niederländischen Regierung unterhalten wurden.

Wieder andere Bedingungen fand eine dritte Gruppe von Flüchtlingen vor, nämlich diejenigen, die als Kulturschaffende, also Schriftsteller, Maler oder Schauspieler vor der Politik der Nationalsozialisten flüchteten. Sofern sie in den Niederlanden blieben, konnten viele dieser Personen ihr Leben erfolgreich gestalten, weil sie bereits über internationale Kontakte verfügten. Für viele Schriftsteller waren die beiden Amsterdamer Verlage, Querido und Allert de Lange, äußerst hilfreich, die in den 30er Jahren mehr als 2000 deutschsprachige Bücher von Emigranten veröffentlichten, die weltweit, aber auch in den Niederlanden selbst eine weite Verbreitung fanden. Auch Schriftsteller, die nach ihrer Flucht auf niederländisch zu publizieren begannen, wie Konrad Merz oder Grete Weil, profitierten von diesen Verlagen. Durch die weit verbreitete Kenntnis der deutschen Sprache hatten auch Kabarettisten und Schauspieler gute Möglichkeiten, selbst ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Kontakte, die schon zuvor über Ländergrenzen hinweg entstanden waren, halfen oftmals bei der Eingliederung.

Andere Kulturschaffende hatten deutlich mehr Probleme, ihr Leben in den Niederlanden neu aufzubauen. Der prominente Maler Max Beckmann z.B. blieb zwar bis zum Ende der Besatzungszeit in den Niederlanden, lebte jedoch relativ isoliert und zurückgezogen und erfuhr keine öffentliche Anerkennung. Immerhin konnten einige deutsche Wissenschaftler wie der Soziologe Hugo Sinzheimer oder der Philosoph Helmuth Plessner einen Lehrstuhl an einer niederländischen Universität erhalten. Wer von den bekannteren deutschen Flüchtlingen aus der Kulturszene jedoch die Möglichkeit hatte, in ein anderes Land weiterzureisen, in denen er bessere Bedingungen zu finden glaubte, ergriff diese Option in den meisten Fällen.

Trotz der vielen Schwierigkeiten, die vor allem durch die abweisende Haltung der niederländischen Regierung verursacht wurden, waren die Niederlande ein attraktives Emigrationsland. Viele Deutsche hofften auf eine schnelle Rückkehr in ihre Heimat, und dafür bildeten die Niederlande mit ihrer geografischen, aber auch kulturellen und sprachlichen Nähe zu Deutschland einen guten Ausgangspunkt. Hinzu kam natürlich, dass sich viele der Flüchtlinge eine Weiterreise in die USA oder ein anderes überseeisches Land finanziell nicht leisten konnten. Aufgrund ihrer speziellen Lebenssituation nahmen die wenigsten Flüchtlinge teil am Leben der bereits existierenden deutschen Gemeinschaft in den Niederlanden. Wenngleich viele weiterhin deutsch sprachen und viele vertraute Gewohnheiten beibehielten, unterhielten die wenigsten Kontakte zu deutschen Vereinigungen in den Niederlanden aus Angst, auch hier nationalsozialistischen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Die einzigen Ausnahmen bildeten die deutschen Schulen, die eine ganze Reihe neuer Schüler zu verzeichnen hatten.

Die Nazifizierung der deutschen Gemeinschaft

Nachdem die Niederlande in den frühen 20er Jahren noch weitgehend von der weltweiten wirtschaftlichen Krise verschont geblieben waren, führte sie ab dem Ende der 20er und in den 30er Jahren zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit und grundsätzlichen ökonomischen Problemen. Nicht nur die Flüchtlinge hatten darunter zu leiden, sondern auch diejenigen Deutschen, die schon länger in den Niederlanden waren. Das „Gesetz zu ausländischen Arbeitnehmern“ im Frühjahr 1934, das den Flüchtlingen den Zugang zum Arbeitsmarkt erschwerte, galt für die anderen Deutschen in gleichem Maße.

Nur die deutschen Dienstmädchen blieben bis 1936 von dieser Regelung ausgenommen. Zwar sollten aufgrund eines Anwerbestopps keine neuen Mädchen mehr in die Niederlande kommen, doch diejenigen Mädchen, die eine Arbeitsstelle in den Niederlanden hatten, erhielten weiterhin ohne Probleme ihre Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Stattdessen ergriff die neue deutsche Regierung die Initiative, um so viele wie möglich von ihnen wieder zurück nach Deutschland zu holen. Im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie gingen deutsche Mädchen, die im Ausland arbeiteten, dem deutschen Volk als Mutter verloren und brachten das Volkstum in Gefahr. Deshalb erhielten innerhalb der so genannten „Heimschaffungsaktion“ im Winter 1938 alle deutschen Dienstmädchen, die den deutschen Stellen bekannt waren, einen Brief, in dem sie zur Heimkehr aufgefordert wurden. Auch in den großen Tageszeitungen wurden von der deutschen Gesandtschaft Annoncen geschaltet. Am 1. Februar 1939 sollten demzufolge alle deutschen Dienstmädchen die Niederlande verlassen. Andernfalls wurde ihnen mit der Einziehung ihres Passes und der Aufhebung ihrer Staatsbürgerschaft gedroht. Doch längst nicht alle Dienstmädchen leisteten dieser Aufforderung Folge. Viele blieben in den Niederlanden, wo sie inzwischen heimisch geworden waren.

Auch in den übrigen Bereichen des gesellschaftlichen deutschen Lebens in den Niederlanden nahm der Versuch der Einflussnahme nationalsozialistischer Organisationen aus Deutschland nach 1933 stark zu. Sehr schnell wurde z.B. der „Gleichschaltungsgedanke“ der Nationalsozialisten in den deutschen Vereinen umgesetzt, und die deutschen Vereine schlossen sich in verschiedenen Städten zu einer „Deutschen Kolonie“ zusammen. Was zunächst als unpolitischer engerer Zusammenschluss deutscher Organisationen anmutete, entwickelte sich sehr schnell zu einem Bekenntnis zum „neuen Deutschland“ und führte zu einer Übernahme nationalsozialistischer Zielsetzungen. Neben den „Deutschen Kolonien“ entstanden ab 1933 Ortsgruppen der NSDAP in den Niederlanden. Weil die niederländische Regierung jedoch Ausländern verbot, sich in den Niederlanden politisch zu betätigen, mussten diese Ortsgruppen wieder aufgelöst werden. Sie wurden jedoch unmittelbar darauf als „Reichsdeutsche Gemeinschaften“ wiedergegründet, die sich zwar offiziell nicht politisch betätigten, faktisch jedoch der Auslandsorganisation der NSDAP unterstanden. Nach und nach übernahmen die „Reichsdeutschen Gemeinschaften“ die Organisation und Lenkung des gesamten deutschen Gemeinschaftslebens in den Niederlanden. Damit ging automatisch eine Isolation der deutschen Gemeinschaft in den niederländischen Gesellschaft einher, da die deutschen Vereine sich nun viel mehr auf sich selbst und die Entwicklungen in Deutschland konzentrierten. Eine Öffnung zur niederländischen Gesellschaft war nur noch insoweit erwünscht, wie sie den ideologischen Vorgaben entsprach.

Ausnahmen dieser Entwicklung hin zum Nationalsozialismus bildeten einige deutsche Kirchengemeinden und Schulen. Grund für ihre Ausnahmesituation war ihr teilweiser Anschluss an niederländische Organisationsstrukturen. Einige deutsche Kirchengemeinden waren unmittelbar an eine niederländische Gemeinde angeschlossen und konnten sich deshalb nicht offen zum Nationalsozialismus bekennen. Außerdem hatten viele der Gemeinden bis zu 20% niederländische Mitglieder, auf die Rücksicht genommen werden musste. Trotzdem fanden viele deutsche Pfarrer einen Weg, sich den neuen Verhältnissen in Deutschland anzunähern. Statt z.B. mit der ganzen Gemeinde in die „Deutsche Kolonie“ einzutreten, wurden nur die Pfarrer als Einzelpersonen Mitglieder. Zwar hielten sich die deutschen Pfarrer auch weiterhin mit öffentlichen politischen Aussagen zurück, doch standen sie in der Folgezeit oftmals vor einem Dilemma  und versuchten, möglichst vielen Seiten gerecht zu werden.

Kollegium des Deutschen Realgymnasiums in Den Haag im Jahr 1937
Kollegium des Deutschen Realgymnasiums in Den Haag im Jahr 1937, Quelle: Bestand Klaus Erler

Sehr ähnlich erging es den deutschen Schulen. Auch sie standen zum Teil unter niederländischer Schulaufsicht und konnten deshalb die nationalsozialistische Ideologie nicht offen vertreten, doch eine Anpassung an die deutschen Lehrpläne und Unterrichtsinhalten fand in vielen Schulen, so weit dies möglich war, statt. Außerdem wurden analog zur Hitlerjugend und dem Bund deutscher Mädel Jugendabteilungen der „Reichsdeutschen Gemeinschaft“ an verschiedenen Schulen gegründet. Auch der deutsche Staat versuchte, durch die Gewährung zusätzlicher finanzieller Mittel die Schulen aus der niederländischen Schulaufsicht zu lösen und unter deutsche Oberaufsicht zu stellen, um auf diese Weise stärker auf die Inhalte der Lehrpläne einwirken zu können. Die Schulen sollten möglichst als Multiplikatoren nationalsozialistischer Ideologie innerhalb der deutschen Gemeinschaft dienen, gerade weil sie oftmals im Mittelpunkt des Interesses und der Aktivitäten in der jeweiligen Stadt standen. Vielen Flüchtlingen aus Deutschland war der nationalsozialistische Einfluss an den Schulen durchaus bewusst. Trotzdem schickten einige Familien ihre Kinder dorthin, um sie in einem deutschen kulturellen Umfeld aufwachsen zu lassen. Selbst jüdische Schüler sind an der deutschen Schule in Den Haag bis zum Schuljahr 1936/37 nachweisbar. Andere Deutsche in den Niederlanden schickten ihre Kinder ganz bewusst auf niederländische Schulen, um sie von dem nationalsozialistischen Einfluss fernzuhalten.

Entscheidungszwänge

Während in den 20er Jahren das Leben für die Deutschen in den Niederlanden in Bezug auf die Beibehaltung ihrer deutschen Identität viele Optionen bot, die je nach persönlicher Neigung angenommen oder abgelehnt werden konnten, waren die Entscheidungen, die es in den 30er Jahren zu treffen galt, viel einschneidender und weitreichender. Die Nationalsozialisten versuchten, auch in den Niederlanden ihre Ideologie zu verbreiten und gewannen einen großen Einfluss auf das Leben der deutschen Gemeinschaft. Diese orientierte sich, wie auch schon zuvor, an den politischen und gesellschaftlichen Vorgaben aus dem Heimatland und stand den Entwicklungen relativ unkritisch gegenüber. Für die Mitglieder der einzelnen Vereine und Organisationen bedeutete dies, sich entweder aktiv von dem deutschen Gesellschaftsleben in den Niederlanden abgrenzen zu müssen oder in den Sog der neuen deutschen Politik zu geraten.

Auch für die Flüchtlinge stellte sich diese Frage. Durch ihre Flucht hatten sie nicht nur ihre wirtschaftliche Sicherheit verloren, sondern auch ihr Heimatland. In den demokratischen und toleranten Niederlanden konnten sie sich zunächst sicher fühlen. Als „Heimatersatz“ standen sogar deutsche Vereine und Schulen zur Verfügung, doch waren diese von der Politik des Landes beeinflusst, aus dem viele zuvor geflüchtet waren. Auch hier musste eine Entscheidung gefällt werden, inwieweit sich die einzelnen Flüchtlinge an die deutschen Organisationen in den Niederlanden mit ihren vertrauten Riten annähern wollten oder inwieweit sie sie als Vertreter des feindlichen Staates ablehnten.

http://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-wissen/geschichte/vertiefung/migranten/beobachtung.html

“Es war nie Auswanderung, immer nur Flucht.” Zur Emigration der Juden aus der Pfalz im Dritten Reich

Mit den Worten »Es war nie Auswanderung, immer nur Flucht« charakterisierte die aus dem Elsaß stammende, 1940 aus dem südfranzösischen Konzentrationslager Gurs entkommene und nach den USA emigrierte Schriftstellerin Adrienne Thomas (1897-1980) nicht nur ihre eigene Odyssee, sondern die Situation Tausender von Emigranten, die Eurorpa und dem faschistischen Hitler-Deutschland zwischen 1933 und 1945 den Rücken kehrten und sich damit vor dem Holocaust retten konnten.[Anm. 1]

Aus der Pfalz sind in dieser Zeit schätzungsweise 4.000 jüdische Bürger ins Ausland geflüchtet.

Zur Entwicklung der jüdischen Bevölkerung bis 1933

Im Jahre 1818 lebten in dem neugeschaffenen bayerischen Rheinkreis, der Pfalz, insgesamt 10.470 Juden, das waren 2,3 % der Gesamtbevölkerung. Ihre Zahl stieg bis zum Jahre 1847 auf 15.574 Personen an, stagnierte in den folgenden Jahren (1852: 15.636 Juden) und nahm bis zur Jahrhundertmitte beträchtlich ab.

Im Jahre 1900 lebten in der Pfalz lediglich noch 10.108 Juden, das waren 1,2% der Gesamtbevölkerung.[Anm. 3]

Ursache dieses Rückgangs war in erster Linie die starke Abwanderung, insbesondere die Übersee-Auswanderung um die Jahrhundertwende und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bis 1925 verringerte sich die Zahl der Juden in der Pfalz auf 7.850 Personen, zum Teil wiederum bedingt durch die Abwanderung, aber auch durch Verluste im Ersten Weltkrieg.[Anm. 4]

Die gerade in der Pfalz zu beobachtende starke Beteiligung der jüdischen Bevölkerung an der Amerika-Auswanderung im 19. Jahrhundert wie auch an der Auswanderung in der Zeit der Weimarer Republik kam den späteren Emigranten vielfach zugute. Durch die Vermittlung von vor 1933 Ausgewanderten bzw. deren Kindern konnten viele Flüchtlinge des Dritten Reiches vor allem in den USA eher und leichter Fuß fassen als andere, die keine Verwandten in Nordamerika hatten.

Die jüdische Bevölkerung in der Pfalz von 1933 bis 1940 und ihre Abwanderung

Von den 504.000 Juden, die 1933 noch im Deutschen Reich gezählt worden sind, lebten lediglich 6.487 in der Pfalz, das waren kaum 2% der damaligen jüdischen Bevölkerung in Deutschland.[Anm. 5]

Drei Jahre später, am 1. Oktober 1936, wurden noch 4.953 Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde der Pfalz gezählt; ein Jahr später waren es noch 4.2941 und am 1. Oktober 1938 lediglich noch 3.302 Mitglieder. Die Zahl der Juden in der Pfalz nahm demnach von Oktober 1937 bis Ende September 1938 um 992 Personen, prozentual ausgedrückt um 23,1% ab. Der stärkste Rückgang war bei den 40jährigen zu verzeichnen.[Anm. 6]

Im September 1937 berichtete Siegmund Marx über die Situation der jüdischen Kultusgemeinde Speyer: »Die Kehilla Speyer und ihre Schule schrumpft mehr und mehr. Die Reihen lichten sich; die Armut zieht ein, wo ehemals Wohlstand war. Wir begleiten die Jugend zur Bahn und tragen die Alten zu Grabe…« [Anm. 7]

In mehreren im Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz veröffentlichten Beiträgen klagt der 82jährige Vorsitzende des Rabbinatsbezirks Dürkheim – Ludwigshafen, Ludwig Strauß, über die Folgen der Auswanderung für die jüdischen Kultusgemeinden. Unter dem Titel »Fallen seh ich Zweig um Zweig« berichtet er 1937 über den Rückgang der Gemeinde Bad Dürkheim und ruft mehreren Gemeindemitgliedern, die nach den USA auswandern, ein »Lebewohl« zu: »62 Jahre«, schreibt Ludwig Strauß, »bin ich mit der Dürkheimer Gemeinde verbunden. Daß ich heute in den späten Herbsttagen meines Lebens noch den Zerfall meiner vormals so blühenden und wohlhabenden Gemeinde erleben muß, das ist für mich eine Betrübnis, die bis an mein Ende in mir haften wird. «[Anm. 8]

Wenige Monate später lesen wir von ihm: »Volk im Aufbruch, Diaspora in Bewegung – das ist die Signatur, die erste in die Augen fallende Kennzeichnung unserer Lage. Auswanderung und Abwanderung – Woche für Woche, Tag für Tag! Schon wieder haben wir in letzter Zeit drei Familien verloren… Die Jugend verlässt uns, eine vergreiste Gemeinde bleibt zurück. Aber je mehr unsere Zahl zusammen schrumpft – um so treuer und fester wollen wir zusammenarbeiten, uns brüderlich und schwesterlich zur Seite stehen…«[Anm. 9] Und in der vorletzten Ausgabe des jüdischen Gemeindeblattes (1. Oktober 1938) berichtet er aus Bad Dürkheim: »Die Auswanderung, der Auflösungsprozeß unserer Gemeinde stehen im Vordergrunde. Vor ihnen treten alle anderen Vorkommnisse zurück.«[Anm. 10]

Bei der 21. ordentlichen Mitgliederversammlung des Verbands der israelitischen Kultusgemeinden der Rheinpfalz wird am 20. September 1938 bekanntgegeben, daß durch Beschluß der Gemeindevorstände und der zuständigen Bezirksrabbiner zwölf der insgesamt 67 jüdischen Gemeinden der Pfalz aufgelöst wurden.[Anm. 11]

Im Oktober 1940 lag die Zahl der in der Pfalz verbliebenen Juden unter 1.000. Von wenigen abgesehen, die privilegiert waren, eine besondere Protektion genossen oder versteckt gehalten worden sind, wurden die meisten der verbliebenen Juden, 826 Personen, am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. [Anm. 12]

Im Oktober 1940 lebte demnach nur noch etwa 1/7 der zu Beginn des Dritten Reichs in der Pfalz gezählten Juden in ihrer Heimat. Der Bevölkerungsverlust liegt bei etwa 5.500 Personen. Diese Zahl, die selbstverständlich auch die Sterblichkeitsziffer einschließt, die bei der jüdischen Bevölkerung in der zweiten Hälfte der Dreißiger Jahre deutlich über der Geburtenziffer gelegen hat, darf allerdings nicht allein mit der Emigration ins Ausland in Verbindung gebracht oder gar gleichgesetzt werden. In ihr sind mehrere hundert jüdische Familien und Einzelpersonen enthalten, die nach 1933 aus der Pfalz in benachbarte Großstädte wie Mannheim, Frankfurt, Stuttgart gezogen sind.

Der Rückgang der Mitgliederzahlen größerer jüdischer Gemeinden in der Pfalz von 1933 bis 1940

1932/33 1936 1937 1938 1940
Bad Dürkheim 184 111 98 40 18
Dahn 70 29 26 13
Frankenthal 300 158 131 111 39
Grünstadt 135 63 33 19 1
Haßloch 62 42 34 29 3
Homburg/Saar 128 36 34 26 15
Ingenheim 83 95 92 57 3
Kaiserslautern 756 477 395 295 49
Kirchheimbolanden 58 47 38 30 10
Kusel 66 70 63 54 4
Landau 638 444 385 315 34
Landstuhl 55 54 47 34 7
Ludwigshafen 1.400 797 710 547 182
Mutterstadt 90 77 80 63 49
Neustadt 375 214 174 171 23
Pirmasens ca. 800 481 444 312 1
Rodalben 75 64 51 39
Rockenhausen 74 70 62 24 12
Rülzheim 184 143 117 119
Speyer ca. 350 190 154 139 50
Steinbach/Glan 66 48 41 4
Zweibrücken 155 117 114 86 16
[Anm. 13]

Für die Zeit vom 1. September 1937 bis 1. November 1938 erhält man ein relativ gutes, sicher aber auch unvollständiges Bild von der Emigration aus der Pfalz, wenn man die im Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz unter der Rubrik Auswanderung aus den einzelnen Rabbinatsbezirken aufgeführten Einzelpersonen und Familien addiert. Dort sind für diese Zeit insgesamt 351 Einzelauswanderer und 58 Familien namentlich genannt, die aus den vier pfälzischen Rabbinatsbezirken ins Ausland emigriert sind. Davon ist die große Mehrheit, nämlich 296 Personen und 39 Familien, nach den USA ausgewandert. An zweiter Stelle folgt weit abgeschlagen Argentinien, das von 19 Einzelpersonen und sechs Familien als Zielland angegeben wird. Nach Frankreich wandten sich lediglich 11 Einzelpersonen und fünf Familien, nach Palästina nur acht Einzelpersonen und eine Familie. Als weitere Asylländer von untergeordneter Bedeutung werden genannt: Luxemburg, Holland, England, Schweiz, Brasilien, Uruguay, Kolumbien, Südafrika und Kuba.

Was den genauen zahlenmäßigen Umfang der pfälzischen Emigration in der NS-Zeit betrifft, so gilt, was der renommierte Emigrationsforscher Werner Röder für die gesamtdeutsche Emigration dieser Epoche feststellte: »Über den Gesamtumfang der erzwungenen Abwanderung von rassisch Verfolgten und politischen Systemgegnern aus dem Dritten Reich liegen keine präzisen Angaben vor. Die unterschiedlichen Schätzzahlen des Völkerbundes, der Flüchtlingsorganisationen und die Statistik des Judentums in Deutschland ermöglichten auch für die jüdisch Emigration bisher nur die Errechnung von Annäherungswerten.«[Anm. 14]

Die fünf Phasen der Verfolgung

Die Verfolgungsmaßnahmen lassen sich in Bezug auf die Auswanderung in etwa fünf Phasen zusammenfassen:[Anm. 15]

1. Die Phase von Januar 1933 bis Sommer 1933

In diese Zeit fallen erste Terrorakte der SA gegen politisch oder intellektuell exponierte Gegner des Nationalsozialismus und gesetzgeberische Maßnahmen gegen so genannte nichtarische Beamte, Universitätsangehörige, Rechtsanwälte und Richter sowie gegen Ärzte, denen zunächst die Zulassung zur Kassenpraxis entzogen wurden. Der Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 führte dazu, daß viele Selbständige in Not gerieten.

2. Die zweite Phase dauerte von Sommer 1933 bis zum Frühjahr 1935, gekennzeichnet durch eine »schleichende Verfolgung« ohne besondere antisemitische Verordnungen und gewaltsame Aktionen, nicht zuletzt bedingt durch die negativen Auswirkungen, die die judenfeindlichen Maßnahmen, vor allem der Boykott vom 1. April 1933, auf das Deutschland-Bild im Ausland hatten.

3. In der dritten Phase vom Frühjahr 1935 bis zum September 1935 wurde die Verfolgung wieder offensiver betrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt mit den am 15 September 1935, in Nürnberg, »am Reichsparteitag der Freiheit« vom Reichstag einstimmig beschlossenen sogenannten »Nürnberger Gesetzen«: Nach dem »Reichsbürgergesetz« ist Reichsbürger »nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt und geeignet ist, in Treue dem Deutschen Volk und Reich zu dienen«. Das Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre verbot u.a. »Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes«, erklärte »trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung des Gesetzes im Ausland geschlossen sind.«

Den »Nürnberger Gesetzen« folgten Verordnungen zum Reichsbürgergesetz, die es den Nationalsozialisten gestatteten, alle noch in öffentlichen Ämtern verbliebenen »Nichtarier«, mit Juden verheiratete oder von Juden abstammende Beamte, Juristen, Lehrer usw. aus dem Dienst zu drängen.

4. Die vierte Phase von 1936 bis Herbst 1937 ist vergleichbar mit der in der zweiten Phase zu beobachtenden schleichenden Verfolgung. Mit Rücksicht auf die durch die Olympischen Spiele zu erwartenden ausländischen Besucher und das internationale Ansehen des Deutschen Reiches sollten auf Empfehlung von Reichsminister Goebbels antijüdische Schilder und Inschriften vorübergehend entfernt werden. Der Arisierungs-Druck nahm dennoch zu und führte zum Ausschluß weiterer Berufsgruppen.

5. In der fünften Phase kam es zu einer weiteren Verschärfung und Radikalisierung der antijüdischen Maßnahmen. Der Anschluß Österreichs setzte auch die dort lebenden Juden den brutalen Exzessen der Nationalsozialisten aus und hatte eine regelrechte Austreibung zur Folge. Höhepunkt der Verfolgungsmaßnahmen bildete die nach dem Attentat des polnischen Juden Herschel Seibel Grynspan auf den deutschen Botschaftsangehörigen Ernst vom Rath in Paris von Goebbels und Hitler initiierte »Reichskristallnacht« vom 9./10. November 1938, bei der jüdische Gotteshäuser zerstört und in Brand gesteckt, jüdische Wohnungs- und Geschäftseinrichtungen zerschlagen worden sind. 30.000 männliche Juden wurden im Zuge dieser Aktion in Konzentrationslager, insbesondere nach Dachau verschleppt, aus denen die meisten erst nach Wochen wieder heraus kamen. Die ersten Deportationen in die Vernichtungslager, von wo es meistens kein Zurück mehr gab, setzten im Herbst 1940 ein.

Zur Verfolgung der Juden in der Pfalz

Auch in der Pfalz sind diese Verfolgungsphasen – wenn auch in regional unterschiedlicher Intensität – festzustellen.[Anm. 16]

Schon am 25. März 1933 hatte der Landauer Kreisleiter Kleemann den »Machenschaften des internationalen Judentums«, wie er sich ausdrückte, den Kampf angesagt und das Mitglied des Landauer Stadtrats, Kommerzienrat Viktor Weiss, heftig angegriffen. [Anm. 17]

Der Gau-Propagandaleiter der NSDAP Pfalz, Trampler, rief am 29. März zum »rücksichtslosen Boykott« der jüdischen Geschäfte auf und untersagte den pfälzischen Zeitungen ab sofort die Aufnahme von Inseraten jüdischer Auftraggeber.

Falls eine Zeitung solche Anzeigen aufnehme, dürfe in ihr ab 1. April keine amtliche Bekanntmachung mehr veröffentlicht werden. [Anm. 18] In den pfälzischen Städten bezogen am Morgen des 1. April SS-Leute ihre Posten vor jüdischen Geschäften, Rechtsanwaltskanzleien und Arztpraxen. Meistens hielten sie Schilder mit der Aufschrift »Geht nicht zu jüdischen Rechtsanwälten«, »Kauft nicht beim Juden«, »Die Juden sind unser Unglück« etc. In Speyer und Rodalben waren die SA-Posten vor jüdischen Geschäften sogar mit Fotoapparaten ausgestattet, um die Kunden zu fotografieren.[Anm. 19] Deprimiert reagierten die Betroffenen auf diese schändlichen Aktionen, wie das Beispiel des später nach den USA emigrierten, angesehenen Zweibrücker Rechtsanwalts Justizrat Berthold Kahn zeigt, an dessen Kanzlei ebenfalls ein »Unerwünscht«-Schild angebracht war, neben dem uniformierte SA-Männer standen. Kahns Tochter Elisheva Lernau schreibt dazu: »Mein Vater war damals völlig zusammengebrochen. Man hatte ihn am Vortage roh von der Treppe des Justizpalastes weggejagt – ihn, der 1892 in Zweibrücken das Gymnasium Bipontinum absolviert hatte; der seit 1902 in Zweibrücken niedergelasssen war; der sich 1918 nach der Rückkehr aus dem Felde seine Praxis neu aufgebaut hatte – seine Welt war zusammengestürzt. Er saß verstört im Wohnzimmer und starrte auf sein E.K. und auf die Dankesurkunde, die seine Mutter Lina Kahn in St. Ingbert nach dem Krieg von 1870 ‘für aufopferungsvolle Verwundetenpflege’ von der deutschen Heeresleitung erhalten hatte … «[Anm. 20]

In Vollzug der Gesetze zur Wiederherstellung des Berufsbeamtenturns und über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933 wurde jüdischen Beamten und Anwälten in der Pfalz die Erwerbsgrundlage genommen. Der unsinnige »Arier-Nachweis« wurde für die Folgezeit wichtigster Bestandteil von Bewerbungsunterlagen.

Pfälzische Zeitungen und Zeitschriften, allen voran die Tageszeitung NSZ-Rheinfront und »Die Westmark«, eine damals angesehene Zeitschrift der »Kulturschaffenden« der Pfalz, betrieben antisemitische Hetzpropaganda.[Anm. 21]

In Kaiserslautern wurde im Sommer 1938 beschlossen, die von dem aus Landau stammenden und in Karlsruhe lehrenden Professor Ludwig Levy geplante und bei ihrer Einweihung 1886 als »Zierde ihrer Stadt« bezeichnete Synagoge in der Stadtmitte abzubrechen, weil sie »wegen ihres maurischen Stils nicht in das Stadtbild passe«.[Anm. 22] Ein Großteil der pfälzischen Synagogen wurde in der »Kristallnacht« in Brand gesteckt oder zerstört, jüdische Friedhöfe geschändet, Wohnungen und Geschäfte geplündert und die Einrichtung demoliert.

Männliche Juden wurden in »Schutzhaft« genommen und nach Dachau verbracht. »Mein Vater, mein Bruder und ich wurden am Morgen des 11. November 1938 von der Polizei verhaftet«, berichtet Charles Wolff über die Ereignisse in seiner Heimatstadt Pirmasens. »Der Beamte hatte noch den Anstand, meine Mutter zu warnen, daß nach ihm noch auswärtige Polizisten kommen würden… Alle Pirmasenser männlichen Juden zwischen 16 und 60 Jahren wurden in die Volksgartenhalle gebracht und in Postautos verladen und über die nahegelegene deutschfranzösische Grenze nach Frankreich gejagt. Der traurige Zug meist älterer Menschen hatte noch spöttische Reden eines Nazi-Bonzen über sich ergehen lassen müssen, während die deutschen Zollbeamten nervös herumstanden. In Frankreich wurden wir nach kurzem Aufenthalt wieder so wie wir waren nach Deutschland zurückgeschickt. Am nächsten Morgen waren wir wieder in der Volksgartenhalle, von wo wir am Abend des 12. November mit dem Postauto nach Ludwigshafen gebracht wurden. Dort stand schon ein Sonderzug bereit, welcher uns und fast alle männlichen Pfälzer Juden nach Dachau brachte: Die Bewacher auf dem Transport waren Gendarmerie-Beamte, welche sich uns gegenüber sehr anständig benahmen. Mein Vater, welcher kurz vorher eine schwere Kopfoperation erleiden mußte, starb im KZ Dachau im Lazarett an den Folgen der ‘guten Behandlung’. Mein Bruder und ich wurden schon nach drei Wochen auf Anweisung der Gestapo entlassen. An Weihnachten 1938 verließen mein Bruder und ich unsere Geburtsstadt Pirmasens und gingen zu Verwandten nach St. Avold (Lothringen). Meine Mutter folgte uns vier Wochen später. Im Februar 1940 verließen wir Frankreich via Le Havre auf dem Dampfer »De Grasse« und kamen hier in den USA am 26. Februar 1940 an.«[Anm. 23]

Nach der »Kristallnacht« und der Entlassung der vor allem im Konzentrationslager Dachau eingesessenen männlichen Juden setzte eine regelrechte Massenflucht ein. Im Zuge der Haftentlassung mußten sich die Juden häufig verpflichten auszuwandern. So meldete z.B. die Gestapo Staatspolizeistelle Neustadt a.d. Weinstraße am 4. August 1939 an den Landrat des Kreises Kusel: »Der Jude Kayem wurde am 22. Dezember 1938 aus der Schutzhaft im KL-Dachau zwecks Auswanderung entlassen. Ich bitte um Mitteilung über den Stand der Auswanderung. Gleichzeitig bitte ich, Kayem zu eröffnen, daß er mit der Wiedereinlieferung in das KL-Dachau zu rechnen hat, falls er nicht ernsthaft seine Auswanderung betreibt.« Aus dem daraufhin von der Gendarmerie-Station Glan-Münchweiler angefertigten Bericht ist zu entnehmen: »Kayem erklärte, er habe ursprünglich die Absicht gehabt, nach Bolivien auszuwandern, aber die Einwanderung nach Bolivien sei inzwischen gesperrt worden… Jetzt beabsichtigt Kayem, nach Australien auszuwandern, was aus einem Schreiben der obengenannten Reichsvereinigung vom 11. August 1939 hervorgeht. In diesem Schreiben wird Kayem mitgeteilt, daß die Auswanderung nach Australien möglich sei und daß er im Falle der Auswanderung über 200 Pfund verfügen müsse.« [Anm. 24]

Doch offenbar konnte Kayem dieser Auflage nicht nachkommen. Im Oktober 1940 wurde er mit seiner Frau und seiner siebenjährigen Tochter nach Gurs deportiert. Sein Leben und das seiner Frau endete in Auschwitz. [Anm. 25]

Die Emigration nach Kriegsbeginn

Nach Kriegsbeginn verschärfte sich die Lage für die in Deutschland lebenden Juden immer mehr. Am 10. September 1939 verfügte der Reichsführer SS eine Ausgangssperre für Juden ab 22.00 Uhr. Zwei Wochen später wurden auf Anordnung der Gestapo sämtliche Rundfunkgeräte eingezogen. Im November 1939 wurden Juden vom Erhalt der Kleiderkarte ausgeschlossen, ab Januar 1940 auch vom Bezug von Spinnstoffen, Schuhen und Ledermaterial. Der Reichsernährungsminister verbot am 2. Dezember 1939 den Verkauf von Kakao- und Schokoladeerzeugnissen an Juden.

Noch Ende Oktober 1939 hatte der Chef der Sicherheitspolizei und des SD dem auswärtigen Amt mitgeteilt, es sei »nach wie vor erwünscht, wenn Juden in möglichst großem Umfange aus Deutschland auswandern.« [Anm. 26] Im April 1940 ordnete der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei »für alle in den KL einsitzenden jüdischen Häftlinge für die Dauer des Krieges allgemeine Entlassungssperre« an und ließ gleichzeitig mitteilen, daß er »der Entlassung von Juden, deren Auswanderung bereits vorbereitet ist und die in Kürze auswandern können, zustimmt, sofern politische und andere Bedenken nicht bestehen.« [Anm. 27]

Die »Reichsvereinigung der Juden in Deutschland« bemühte sich von Kriegsbeginn an darum, von bereits ausgewanderten Verwandten und Freunden der Auswanderer Devisen für die Passage zu erhalten: »In dieser Zeit, in der die Auswanderung für Tausende als einziger Ausweg erscheint, ist jeder aus Deutschland nach Übersee ausgewanderte Jude verpflichtet, sich für die Nachwanderung der in Deutschland Verbliebenen einzusetzen … «[Anm. 28]

Am 23. Oktober 1941 wurde die Emigration von Juden verboten, und am 25. November 1941 entzog die »Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz« den emigrierten Juden Staatsangehörigkeit und Vermögen: »Das verfallene Vermögen soll zur Förderung aller mit der Lösung der Judenfrage im Zusammenhang stehenden Zwecke dienen.« [Anm. 29] Nur noch ganz wenige konnten in der Folgezeit dem Abtransport in die Konzentrationslager entkommen. Die pfälzischen Juden waren bereits am 22. Oktober 1940 aus ihrer Heimat in das im unbesetzten (»Vichy«-)Frankreich in den Pyrenäen gelegene Konzentrationslager Gurs deportiert worden, das für etwa die Hälfte von ihnen nur ein Zwischenlager vor Auschwitz war. Von den 826 nach Gurs deportierten Juden aus der Pfalz konnten 104 aus dem Lager entkommen und wurden entweder in Frankreich versteckt gehalten oder wanderten nach Übersee aus.[Anm. 30]

Einige Juden aus der Pfalz, die vor dem 22. Oktober 1940 in Städte außerhalb Badens und der Pfalz gezogen waren, konnten sich in letzter Minute vor Einsetzen der sogenannten »Endlösung« noch ins Ausland retten, so z.B. Hermann Oppenheimer, seine Frau Hilde und deren Mutter Frieda Abraham. Sie hatten ihre Heimatstadt Landstuhl, wo Hermann Oppenheimer bis 1933 als Rechtsanwalt arbeitete, nach der »Kristallnacht« verlassen und waren zu Verwandten nach Frankfurt gezogen, wo sie sich um ein US-Visum bemühten. Erst 1941 erhielten sie die ersehnte Einreiseerlaubnis nach den Vereinigten Staaten. Am 25. Mai 1941 verließen sie Frankfurt und hatten sich zu einem Sammeltransport in Berlin einzufinden, von wo sie die Reise nach Lissabon, dem damals einzigen Ausgangshafen, antraten. Da die wenigen Schiffe alle überbesetzt waren, mußten die Oppenheimers sieben Wochen in Lissabon warten, bis sie mit einem portugiesischen Schiff Europa verlassen konnten. Am 9. August 1941 landeten sie in New York.[Anm. 31]

Der Hilfsverein und die Beratung der Auswanderer

Für die Beratung, Unterstützung und Organisation der nicht-palästinensischen Auswanderung war der 1901 gegründete »Hilfsverein der deutschen Juden«, später »Hilfsverein der Juden in Deutschland« zuständig. Hatte er im Ersten Weltkrieg und in den ersten Jahren nach dem Krieg die Zu- bzw. Durchwanderung aus den osteuropäischen Ländern betreut, so wurde der Hilfsverein im Dritten Reich zur wichtigsten Informations- und Kontaktstelle der in europäischen oder überseeischen Ländern Zuflucht suchenden Juden. Ratsuchenden standen neben der Berliner Zentralstelle 15 Beratungsstellen im Reich zur Verfügung.

Unterhielt der Hilfsverein bis Anfang 1936 neben der Zentralstelle in Berlin Beratungsstellen in Hamburg und Bremen, so wurden jetzt nicht zuletzt bedingt durch den infolge der »Nürnberger Gesetze« gestiegenen Auswanderungsdruck 13 weitere Beratungsstellen eingerichtet, u.a. in Breslau, Frankfurt a. Main, Köln, Mannheim und Stuttgart.[Anm. 32]

Für die Pfalz war die Mannheimer Beratungsstelle des Hilfsvereins zuständig. Täglich fanden sich Dutzende von Auswanderungswilligen in der Beratungsstelle in Mannheim ein. »Wann und wohin werde ich auswandern können? Wie erhalte ich das Visum? Wie wird sich mein Leben nach der Auswanderung gestalten? Wird es mir gelingen, eine wirkliche neue Heimat zu finden, oder wird es ein Umherziehen ohne festen Halt geben?« Dies waren die brennendsten Fragen, auf die die bedrängten Juden eine Antwort erhofften. Als Grundlage für die weitere Beratung der Auswandernden sammelte der Hilfsverein eine Fülle von Material. Vor allem seien hier die sogenannten »Grünen Fragebogen« erwähnt, die der Hilfsverein in Tausenden von Exemplaren versandte und zu einem Teil sorgfältig beantwortet zurückerhielt. Die Fragebogen sprechen eine Reihe von Problemen z.B.: »Welches war Ihr ursprünglicher Beruf – welches ist Ihr jetziger? Wie lang ist Ihre Arbeitszeit? Wie hoch ist Ihr Verdienst? Wie verteilen sich Ihre Ausgaben auf die verschiedenen Hauptposten, wie Nahrung, Kleidung, Wohnung usw.? Wie sind die Schulverhältnisse? Mit wem verkehren Sie (Deutschen, Juden, Ostjuden, Landesbevölkerung) usw.?«[Anm. 33]

In zahlreichen Presseartikeln, die in jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, insbesondere in seinem eigenen Korrespondenzblatt »Jüdische Auswanderung« veröffentlicht wurden, machte der Hilfsverein immer wieder auf seine Beratertätigkeit aufmerksam und gab wertvolle Hinweise für Auswanderungswillige. Vor ihrer Auswanderung sollten »alle Auswanderer zuvor bei der Beratungsstelle des Hilfsvereins vorsprechen und sich über die Einwanderungsmöglichkeiten genau unterrichten.« Nur so seien »typische Fehler« zu vermeiden.[Anm. 34] »Es liegt Veranlassung vor, erneut darauf hinzuweisen, daß die Hilfskomitees in den europäischen Ländern nicht in der Lage sind, Einwanderern, die auf eigene Faust ohne genaue Erkundigungen der Hilfs- und Aufbaumöglichkeiten und ohne Beratung durch den Hilfsverein sich dorthin begeben, irgendwelche Hilfe zuzusichern.« [Anm. 35] 1937 warnte der Hilfsverein wiederholt davor, lediglich mit einem Touristenvisum einzuwandern, in der Hoffnung, im Einwanderungsland die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung zu erhalten. Es bestünde die Gefahr der späteren Ausweisung. Außerdem sei dadurch das jüdische Ansehen bei den Behörden der Einwanderungsländer gefährdet.[Anm. 36] Im März 1938 macht der Hilfsverein auf den Männerüberschuss bei der Auswanderung aufmerksam und fordert eine verstärkte Auswanderung von Mädchen und Frauen. Darüberhinaus empfiehlt er: »In erster Linie müssen sich unsere jungen Auswanderer künftig darüber im klaren sein, daß sie im allgemeinen gut daran tun, sich vor ihrer Übersiedlung in ein überseeisches Land an die künftige Lebensgefährtin zu binden und zwar in der Regel durch Eheschließung.«[Anm. 37]

In den größeren Städten der Pfalz führte der Hilfsverein von Zeit zu Zeit Informationsveranstaltungen durch. So sprach der Generalsekretär des Hilfsvereins Dr. Mark Wischnitzer, am 26. Januar 1937 in Pirmasens über »Jüdische Auswanderung nach Übersee«.[Anm. 38] Zwischen 1933 und Januar 1937 habe der Hilfsverein, so führte der Referent aus, etwa 12.000 Juden in Deutschland mit finanzieller Unterstützung zur Auswanderung nach Übersee verholfen. Dreimal so hoch sei die Zahl derer, die sich der Beratung und der Empfehlungen des Hilfsvereins bedienten. Assessor Paul Steeg aus Karlsruhe referierte in jener Zeit an mehreren Orten der Pfalz über die Auswanderungsmöglichkeiten nach Übersee und erteilte auch im »Jüdischen Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz« immer wieder Ratschläge. Mehrmals mußte er darauf hinweisen, daß die Auswanderungskosten grundsätzlich selbst aufzubringen waren, öffentlich-jüdische Mittel könnten erst dann gewährt werden, »wenn der Auswanderer und seine Angehörigen zunächst alle selbst verfügbaren Mittel für die Auswanderung eingesetzt haben.« Grundsätzlich, so betonte Steeg, würden nur Fahrt und Passagekosten 3. Klasse mit Eisenbahn oder Schiff bezuschußt.

Neben den meist überfüllten Sprechstunden der für die Pfälzer zuständigen Beratungsstelle in Mannheim wurden von Zeit zu Zeit aber auch in pfälzischen Städten, z.B. in Landau und in Kaiserslautern, Sprechstunden des Auswanderungsberaters abgehalten. [Anm. 39]

Sprachenkenntnis als wichtigste Voraussetzung für die Auswanderung

Wichtig für alle Auswanderer war das Erlernen von Fremdsprachen: »… denn das erste Gebot für jetzige und künftige Auswanderer lautet: Sprachen lernen! Wer die Landessprache nicht vollständig beherrscht, bleibt zeitlebens ein Fremder …, heißt es in einer Verlautbarung des Verbands der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz. Daher bot der Verband seinen Mitgliedern in verschiedenen Städten der Pfalz Sprachunterricht an.

Das Staatspolizeiamt für den Stadtbezirk Zweibrücken unterrichtet beispielsweise am 30. November 1936 die Gestapo für die Pfalz in Ludwigshafen davon, daß der »für eine größere Anzahl ihrer Mitglieder« beabsichtigte englische Sprachunterricht wöchentlich in vier Kursen im Heim der israelitischen Kultusgemeinde abgehalten werden soll. In ihrer Stellungnahme gestattet die Gestapo zwar die Durchführung des Sprachkurses, verbietet allerdings die »Abhaltung sogenannter Tischtennisabende«.[Anm. 40]

In den 15 Ausgaben des Jüdischen Gemeindeblattes für das Gebiet der Rheinpfalz findet sich eine Reihe von Hinweisen auf Sprachkurse: »Unterricht in Spanisch, Portugiesisch, Englisch, englischer Kurzschrift erteilt Studienrat a.D. M. Witzenhausen. Meldungen für alle Gemeinden der Pfalz nimmt das Bezirksrabbinat Landau/Pfalz, Glacisstr. 9, entgegen«.[Anm. 41] Im Jüdischen Lehrhaus in Landau hielt Paul Feibelmann 1938 Lehrkurse in der »amerikanisch-englischen Sprache« ab, die »außerordentlich guten Zuspruch« fanden.[Anm. 42] Der seit 1. Mai 1938 in Edenkoben tätige Lehrer und Kantor Benno Kesstecher bot »englischen, französischen hebräischen (Iwrith) Unterricht auf allen Stufen« an und hatte auch einen Lehrauftrag für englische Sprache am Jüdischen Lehrhaus in Landau, der nach seinem Wegzug Frau Fanny Rosenheimer, Frankfurt (früher Neustadt), übertragen wurde. [Anm. 43]

Zielländer der Emigration

Zu Beginn des Dritten Reiches suchten die meisten jüdischen Emigranten in einem europäischen Nachbarland Zuflucht. Später, vor allem nach 1938, als die meisten Staaten eine restriktive Einwanderungspolitik betrieben und die verfolgten Juden sich immer mehr der Gefahr des Zugriffs durch die Nationalsozialisten ausgesetzt sahen, setzte die Übersee- und Palästina-Auswanderung verstärkt ein.

Einige dieser Einwanderungsländer seien hier kurz vorgestellt. Auf eine eingehendere Darstellung der mitunter sehr komplexen Fremdenpolitik dieser Staaten muß im Rahmen dieses Artikels verzichtet werden.

Frankreich

Bedeutendstes Emigrationsland Europas während des Dritten Reiches war zweifellos Frankreich, das schon im 19. Jahrhundert als »das klassische Asylland Europas« (Faber/Coulmas) gegolten hatte.[Anm. 44]

Durch die Grenznähe bot sich gerade für die Emigranten aus der Pfalz Frankreich als Zufluchtsland an. Von den Flüchtlingen der ersten Emigrationswelle, als viele noch an ein baldiges Ende der nationalsozialistischen Herrschaft glaubten, gab man Frankreich vor allem deshalb den Vorrang, weil man von hier gegebenenfalls schneller wieder in die Heimat hätte zurückkehren können.

Die Rückkehrbereitschaft der Emigranten darf allerdings nicht überschätzt werden, sie galt mehr für die ideologische Emigration (»politische Flüchtlinge«, z.B. Sozialisten, Kommunisten) als für die »rassische Emigration«. Aufgrund der unmittelbaren demütigenden Erfahrungen, später insbesondere durch das Bekanntwerden des Völkermords an ihren Angehörigen und Glaubensgenossen, wurde Emigration für die meisten von ihnen zur »bedingungslosen Auswanderung«.[Anm. 45]

Vor allem in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft war Frankreich ein begehrtes Asylland, da die französische Fremdenpolitik bis 1934 »völlig in der asylantenfreundlichen Tradition des Landes stand«.

Der wachsende Einfluß faschistischer Gruppen wie die »Croix de feu«. und der Skandalfall des rumänisch-jüdischen Hochstaplers Alexandre Stavisky führten zu antisemitischen und fremdenfeindlichen Aktionen, deren Folge eine »ungeheure Ausweisungswelle« war. Die Ermordung des zu einem Staatsbesuch in Frankreich weilenden jugoslawischen Königs und des französischen Außenministers Barthou durch kroatische Faschisten im Oktober 1934 in Marseille brachte eine weitere Verschärfung der französischen Fremdenpolitik. Diese innenpolitischen Maßnahmen wurden in der Emigrantenzeitschrift »Gegenangriff« damals folgendermaßen beschrieben: »Unerwünschte politische Betätigung, strafbare Handlungen oder Betteln, unerlaubte Arbeit oder Zeitungsverkauf, wirtschaftliche Not und Inanspruchnahme französischer Wohlfahrtseinrichtungen, aber auch allgemeine Gründe

können dazu führen, daß die Préfecture die Ausweisung eines Emigranten als lästiger Ausländer verfügt.« [Anm. 46]

Ausweisungsbefehle wurden vor allem dann erlassen, wenn der Emigrant nicht genügende und von den französischen Behörden anerkannte Papiere vorweisen konnte. Abgelaufene Pässe wurden vom deutschen Konsulat in Paris in der Regel nicht verlängert, so daß viele Emigranten bald ohne gültige Papiere waren.

Erst nach einer auf Initiative der Sozialisten Ende Januar 1935 zustande gekommenen Kammerdebatte und nachdem die öffentliche Meinung dadurch sensibilisiert worden war, ging die Ausweisungswelle allmählich zurück.

Mit der Regierungsübernahme durch die Volksfront besserte sich die Situation für die Emigranten grundlegend. Premierminister Leon Blum von den demokratischen Sozialisten betrieb eine emigrantenfreundliche Politik, ja er setzte sich sogar dafür ein, daß im »Comite consultatif«, das über strittige Aufnahmefälle zu entscheiden hatte, deutsche Emigranten mitwirken konnten.

Der Sturz der Regierung Blum (1937) und die Wiederaufnahme der Appeasement-Politik gegenüber Hitler durch die Regierung Daladier, die wieder eine fremdenfeindliche Gesetzgebung initiierte, erschwerten das Leben der Emigranten in Frankreich von neuern.

Viele Betroffene bemühten sich nun um ein Überseevisum und verließen das Land, sobald es ihnen gelungen war, die erforderlichen Papiere zu erhalten. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden schließlich ab September 1939 die männlichen deutschen und österreichischen Emigranten als »feindliche Ausländer « interniert. Innerhalb einer Woche wurden 15.000 Männer im Alter von 17 bis 48 Jahren in 60 verschiedene Lager eingewiesen. Das Alter der zu internierenden Personen wurde bald darauf auf 55 Jahre heraufgesetzt.

Nach Protesten aus dem Ausland und aus den Reihen der französischen Linksparteien kam es zu einer Lockerung der Internierungspraktiken, doch wurden nur diejenigen entlassen, deren Namen in deutschen Ausbürgerungslisten standen, ferner Invaliden und Emigranten mit Überseevisen, die in ein Transitlager überwiesen wurden. wo sie bis zu ihrer Abreise bleiben mußten.

Die meisten Lagerinsassen hatten weder Visen, Geld noch Aufenthaltserlaubnis, so daß es für sie kaum eine Möglichkeit gab, aus den Lagern herauszukommen. Im Oktober 1939 wurde den Häftlingen angeboten, sich »für die Dauer der Feindseligkeiten« für die Fremdenlegion zu verpflichten. Diejenigen, die sich dafür nicht gemeldet hatten, mußten als »Prestatäre« arbeiten. Anfang 1940 soll es ca. 9.000 deutschsprachige Emigranten in der Fremdenlegion und ca. 5.000 in den Arbeitsbataillonen (»groupement de prestataires«) gegeben haben. Erstere wurden meist bald nach ihrer Rekrutierung in Schiffen nach Nordafrika gebracht, wo sie zunächst überwiegend im Hauptquartier der Fremdenlegion bei Sidi-bel-Abes lebten. [Anm. 47]

In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober 1940 wurden insgesamt 6.504 Juden aus der Pfalz, aus Baqen und dem Saarland auf Geheiß der Gauleiter Josef Bürckel und Robert Wagner in das unbesetzte Frankreich deportiert und im Lager Gurs (Dep. Basses-Pyrenees) unter den schlechtesten hygienischen Bedingungen interniert.

Ein Großteil von ihnen wurde mit ebenfalls internierten französischen Juden, Flüchtlingen und den aus den besetzten Ländern nach Frankreich deportierten Juden von der Vichy-Regierung unter Pierre Laval1942 an die Deutschen ausgeliefert und über das Zwischenlager Drancy nach dem Osten verschleppt.

Vor dem Abtransport in die Todeslager konnte ein Teil der in Frankreich lebenden Juden, auch etwa ein Viertel der nach Gurs deportierten Pfälzer, dank der Solidarität der französischen Bevölkerung und der Vermittlung von Hilfsorganisationen ins Ausland flüchten. Viele retteten sich über die französische Grenze in die Schweiz und nach Spanien. Tausende von Kindern wurden in französischen Klöstern versteckt; sie gelangten zu einem großen Teil nach 1945 nach den USA. [Anm. 48]

Schweiz

In den Jahren 1933 und 1934 emigrierten noch jeweils etwa 2.500 deutsche Flüchtlinge in die Schweiz. Ihre Zahl ging in den folgenden Jahren drastisch zurück. Wegen »der übergroßen Anzahl von Ausländern und der herrschenden Arbeitslosigkeit « erklärte die Eidgenossenschaft im April 1934 bereits, daß es unmöglich sei, den Emigranten dauernden Aufenthalt zu gewähren. Die kantonalen Behörden sollten dafür Sorge tragen, »damit diese Ausländer sich sofort bei der Ortspolizei melden«. Trotz der verzweifelten Lage vieler Verfolgter aus Deutschland und Österreich verharrte die Schweiz auf ihrer strengen Fremdenpolitik, die sie auch nach der »Kristallnacht« und der daraufhin einsetzenden Massenflüchtlingswelle kaum lockerte. Im Oktober 1938 hatte der Bundesrat erklärt, daß die Schweiz für die Emigranten »nur ein Transitland sein kann und daß ihnen während ihres vorübergehenden Aufenthaltes … jede Erwerbstätigkeit untersagt ist.« [Anm. 49]

Dennoch war »die Stimme der Menschlichkeit und der Solidarität in der Schweiz nie erloschen«. Es hatten sich Menschen gefunden, »die mit Phantasie und Aufopferung trotz der gegnerischen Stimmen und der Hetze der Nationalen Front ihre Pflicht taten«. Im Juli 1944 fand auch die schweizerische Regierung zu ihren »wahren humanitären Traditionen« zurück und ließ mitteilen, »daß von nun alle jüdischen Flüchtlinge aufzunehmen seien, da diese in den Nachbarländern als gefährdet erachtet werden müßten. «[Anm. 50]

England

Die Asylgewährung für politische Flüchtlinge hatte in England Tradition, auch das britische Einwanderungsgesetz von 1905 besagt: »Wenn ein Einreisender beweisen kann daß er die Zulassung in das Land nur sucht, um der Verfolgung oder Strafe aus politischen oder religiösen Gründen oder der Gefährdung seines Lebens zu entgehen, soll diese auch dann nicht verweigert werden, wenn er nicht über genügende Unterhaltsmittel verfügt oder die Wahrscheinlichkeit besteht, daß der einreisende Flüchtling öffentlichen Mitteln zur Last fallen wird.«[Anm. 51] Dennoch wurde diese Bestimmung nach 1933 nur zögernd angewandt. Die Entscheidung über die Gewährung des Asylrechts war häufig der Willkür von Einwanderungsbeamten überlassen, vor allem dann, wenn keine Unterhaltsmitte1 nachgewiesen werden konnten.

So hatte England bis 1937 nur etwa 5.500 Flüchtlinge aufgenommen. Mit der Änderung seiner Fremdenpolitik wurde England allerdings ab 1938 zu einem wichtigen Asylland. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde etwa 90.000 Verfolgten aus dem Machtbereich Hitlers in England Zuflucht gewährt.[Anm. 52]

Zahlreiche Emigranten begründeten neue Industriebetriebe, z.B. im Pelzhandel, in der Leder- und Möbelindustrie, und verschafften damit sowohl ihren ebenfalls emigrierten deutschen Landsleuten als auch englischen Arbeitern Verdienstmöglichkeiten.

Schweden

Während es in Schweden zunächst keine besonderen Schutzbestimmungen für politische Flüchtlinge gegeben hat, beschloß der Reichstag 1937 – nach der von Schweden mitunterzeichneten Genfer Konvention vom 4. Juli 1936 – ein liberales Gesetz, das politischen Flüchtlingen eine Aufenthaltserlaubnis und in der Regel auch Arbeitserlaubnis gewährte. Dennoch hat sich Schweden in den folgenden Jahren jüdischen Einwanderern gegenüber meist restriktiv verhalten. Im Februar 1939 hielten sich 2.029 jüdische Flüchtlinge in Schweden auf. [Anm. 53]

Holland nahm im Dritten Reich ca. 35.000 jüdische Flüchtlinge auf. Wiederholt kam es in Holland aber auch zu Auslieferungen von politischen Flüchtlingen aus Deutschland. Nach dem Anschluß Österreichs ordnete ein holländischer Erlaß an, daß nur noch Flüchtlinge mit einem nachweislichen Kapital von 10.000 Gulden aufgenommen würden. Außerdem ordnete der holländische Justizminister Ende Juni 1938 an, daß künftig Einladungen an ausländische Familienangehörige und Freunde nach Holland von der Polizei vorher genehmigt werden müßten. [Anm. 54]

Süd- und Mittelamerika

Von den südamerikanischen Staaten nahm zunächst Brasilien die meisten Flüchtlinge auf. Während bis 1937 insgesamt 12.000 bis 15.000 deutsch-jüdische Einwanderer nach Brasilien zugewandert sein sollen[Anm. 55], so ging ihre Zahl mit dem Einsetzen der restriktiven Einwanderungspolitik und der Einführung der Quotenregelung zurück. Die Höchstzahl der jährlich zugelassenenen deutschen Einwanderer wurde auf 4.770 Personen begrenzt, wovon 80% landwirtschaftliche und technische Berufe ausüben mußten. [Anm. 56] Bis zur endgültigen Einwanderungssperre (1939) sollen ca. 35.000 Deutsche und Österreicher eingewandert sein, von denen sich fast die Hälfte in den Großstädten Rio de Janeiro und Sao Paulo ansiedelte.[Anm. 57]

Die Auswanderung nach Argentinien stieg dagegen ab 1935 beträchtlich an, so daß das Land letztlich von allen Staaten Südamerikas die meisten jüdischen Einwanderer, ca. 50.000 Personen, aufgenommen hat.[Anm. 58] Zwar wurden sie in politischer und kultureller Hinsicht den geborenen Argentiniern gegenüber benachteiligt, doch hatten die meisten Emigranten nach 1940 aufgrund der günstigen Entwicklung der Wirtschaft Argentiniens einen sozialen Aufstieg erlebt, »der alle ihre Erwartungen übertraf«.[Anm. 59]Einige Tausend deutsche Emigranten wurden in Argentinien in den Gruppensiedlungen der »Jewish Colonization Association« (ICA) angesiedelt, einem Projekt, das von der Reichsvertretung der Juden in Deutschland wurde. [Anm. 60]

Chile zeigte sich zunächst wenig einwanderungsfreundlich. Bis 1938 stellte Chile nur für eine dem Hilfsverein zur Verfügung gestellte Sonderquote von 50 Familien pro Jahr und für nahe Angehörige in Chile Ansässiger aus. Zwischen Mai und August 1939 konnten schließlich doch noch ca. 10.000 Juden aus Deutschland und Österreich nach Chile einwandern. [Anm. 61]

Von den 5.500 deutschen Juden, die 1955 in Bolivien lebten, wanderte der Großteil ebenfalls nach 1938 ein.[Anm. 62] Von den 6.000 Flüchtlingen, die in Uruguay eine neue Heimat gefunden haben, kamen 5% zwischen 1934 und 1937, 85% zwischen 1938 und 1942 und der Rest zwischen 1943 und 1954.[Anm. 63] In geringerer Zahl wanderten Juden auch in andere südamerikanische Länder ein, z.B. nach Kolumbien, Ecuador und Peru.

Von allen lateinamerikanischen Ländern betrieb Mexico bis 1942 die wohl liberalste Einwanderungspolitik. Eine 1947 veröffentlichte Studie »Refugees in America« spricht von »schätzungsweise etwa 25.000« nach Mexico eingewanderten Flüchtlingen, von denen ein großer Teil die Wirtschaft des Landes außerordentlich positiv beeinflußt hat.[Anm. 64]

Insgesamt gesehen war die Einwanderungspolitik der zentral- und südamerikanischen Staaten »immer limitiert und selektiv« gewesen; sie war von demographischen Gesichtspunkten bestimmt. »Toleranz gehörte nicht zu den ausgeprägtesten Charakteristiken dieser Länder, und die oft wechselnden Machthaber wollten keinesfalls durch eine Masseneinwanderung das kulturelle Gesicht der Länder ändern«.[Anm. 65]

Südafrika

In die Südafrikanische Union sind in den ersten Jahren der Hitlerherrschaft nur wenige Hundert jüdische Flüchtlinge ausgewandert. »Als aber Mitte der dreißiger Jahre die Ziffer auf 7.000 gestiegen war, nahm die Propaganda gegen die ‘jüdische Einwanderung’ solche Ausmaße an, daß die Regierung glaubte, keine andere Alternative zu haben als die Tore Südafrikas für die verfolgten Kinder Israels zu schließen«, schreibt Kurt R. Grossmann. [Anm. 66] Zwar wurden die Tore nicht ganz geschlossen, jedoch wurde ein Einwanderungsvisum nur bei Vorlage einer Einreisegenehmigung ausgestellt, die nur schwer zu erhalten war, »im allgemeinen nur für Ehefrauen, minderjährige Kinder, Braut, Eltern von in Südafrika Ansässigen.«[Anm. 67]

Australien

In Australien lebten 1950 etwa 12.000 jüdische Flüchtlinge, von denen die meisten bis September 1939 eingewandert waren, die anderen folgten in einer zweiten Welle der Einwanderung (1946-48) aus Europa und Shanghai. Australien hatte sich zunächst gegen die Aufnahme von nicht-britischen Einwanderern gesperrt, sich nach der Konferenz von Evian allerdings bereit erklärt, jährlich 5.000 Verfolgte aus dem Deutschen Reich aufzunehmen. [Anm. 68]

Palästina – neue Heimat vieler Juden aus der Pfalz

Im Zuge der zunehmenden Einengung jüdischen Lebens und der sich wenig aufnahmebereit zeigenden Haltung westlicher Länder wurde Palästina auch pfälzischen Juden zu einem begehrten Zufluchtsland.

Im Gegensatz zur Überseewanderung nach Nord- und Südamerika bot die Emigration nach dem unter britischer Verwaltung stehenden Palästina, der größten jüdischen Siedlung der Welt, die Möglichkeit eines jüdisch-eigenkulturellen Lebens. Darauf hat die Zionistische Vereinigung gerade seit Beginn der jüdischen Massenauswanderung aus Deutschland besonders hingewiesen.

Zuständig für die Vorbereitung und Durchführung der Palästina-Wanderung waren das Palästina-Amt mit Sitz in Berlin und ca. 20 Zweigstellen im Deutschen Reich. Zur Einwanderung war ein vom Brit. Passport Control Office und den britischen Konsulaten im Reich erteiltes Visum sowie ein Zertifikat erforderlich, das fünf Kategorien von Emigranten unterschied: [Anm. 69]

1. Kategorie A: Personen mit eigenem Vermögen

Zu dieser Gruppe zählten a) sogenannte Kapitalisten mit einem Eigenkapital von 1.000 Pfund (davon mindestens 50% in bar), b) Angehörige freier Berufe mit 500 Pfund Barvermögen; »soweit wirtschaftliche Lage nach Ansicht des Immigration Department Einwanderung rechtfertigt«; c) Handwerker mit mindestens 250 Pfund Barvermögen; d) Rentenempfänger mit einer Mindestrente von 4 Pfund monatlich; e) Personen, die einen »seltenen«, im Lande wenig vertretenen Beruf ausüben und ein Mindestvermögen von 500 Pfund besitzen.

2. Kategorie B: Personen mit gesichertem Lebensunterhalt

a) Waisenkinder unter 16 Jahren, deren Lebensunterhalt durch öffentliche Institutionen gesichert ist; b) Personen religiöser Berufe; c) Studenten und Schüler, deren Lebensunterhalt bis zur Berufsausübung gesichert ist.

3. Kategorie C: Arbeiter zwischen 18 und 35 (evt. 45) Jahren

4. Kategorie D: Angeforderte Personen

a) Ehefrauen, Kinder und Eltern können Einwanderungserlaubnis erhalten, wenn ihre sie anfordernden in Palästina lebenden Angehörigen nachweislich für ihren Unterhalt sorgen können; b) Unternehmen können in Ausnahmefällen Spezialarbeiter anfordern.

5. Kategorie Jugendalija:

Für Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren steht eine Anzahl Sonderzertifikate der Palästina-Regierung zur Verfügung.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Palästina ein wichtiges Einwanderungsland für Juden. So war die jüdische Bevölkerung von ca. 12.000 im Jahr 1868, über 50.000 im Jahr 1900 auf 175.000 im Jahr 1931 angewachsen. In den zwanziger Jahren erreichte die Zuwanderung mit 33.000 Personen im Jahre 1925 einen Höhepunkt. Während sich die Zahl der Einwanderer von 1927 bis 1932 zwischen 2.200 und 9.500 bewegte, schnellte die jüdische Einwanderung ab 1933 wieder in die Höhe:

Gesamteinwanderung Einwanderung aus Deutschland
Jahr Personen Personen % der Gesamtbevölkerung
Legale Einwanderung 1933 30.300 7.600 25
1934 43.400 9.800 23
1935 61.900 8.600 14
1936 29.700 8.700 29
1937 10.500 3.700 35
1938 12.900 4.800 37
1939 16.400 8.500 52
1940 4.500 900 20
1941 3.600 600 18
Ma’appilim-Einwanderung ohne Zertifikat 1933 bis 1941 212.200 53.200 25
1931 bis 1941 18.100 1.800 10
Gesamte Einwanderung 1933 bis 1941 230.300 55.000 24

Tabelle entnommen aus: Die jüdische Emigration aus Deutschland 1933-1941 – Geschichte einer Austreibung, Frankfurt/M. 1985, S. 144.

Etwa 36% der Einwanderer gehörten zur sogenannten »Mittelstandseinwanderung«, die gemäß der obengenannten Kategorie A das sogenannte Kapitalisten-Zertifikat erhalten hatten Etwa 32% der Einwanderer waren Arbeiter, überwiegend jüngere Menschen, die sich zu einem großen Teil in den Kollektivsiedlungen niederließen. Die übrigen Einwanderer waren Jugendliche, Familienangehörige, Rentner, Handwerker und Angehörige freier Berufe.[Anm. 70]

Auch in der Pfalz erfreuten sich Informationsveranstaltungen der zionistischen Vereinigungen und des Palästina-Amts der »Jewish Agency for Palestine« eines guten Besuchs. So sprach der Chefsekretär der Berliner Zionistischen Vereinigung, Dr. Schloßberg, am 18. Dezember 1937 in Landau zu dem Thema »Der Judenstaat wird«.[Anm. 71] Für den 25. April 1938 lud die Zionistische Vereinigung Pirmasens zu einer Versammlung mit einem Vortrag des Leiters des Zionistischen Gruppenverbands für Baden, Württemberg und die Pfalz, Dr. Flesch, Mannheim, über »Palästina 1938«, wobei er insbesondere auch auf die neue Zertifikatsquote zu sprechen kam. [Anm. 72]Wenige Wochen später wurden pfälzische Juden zu einer Arbeitstagung für Siedlungsinteressenten in Palästina nach Karlsruhe eingeladen. Dr. Franz Meyer, Berlin, Mitglied der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und vormaliger geschäftsführender Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, referierte dabei über »Die Lage in Palästina und die neuen Zertifikatsbestimmungen«. Ein weiterer Vortrag von Dr. Alexander Besser, Berlin, behandelte »Neue Siedlungsforrnen in Palästina«.[Anm. 73] Stadtrabbiner Richter aus Mannheim hielt am 20. Juni 1938 in der Kaiserslauterer Synagoge einen Vortrag »Der Weg zum Judenstaat«, »der das Bild unseres zum Wandern gezwungenen Volkes uns eindringlich darstellte«, wie die Berichterstatterin Kaethe Bachmann bemerkte. »Er zeigte uns, daß wir die Rettung selbst in Händen haben: Uns in Palästina den Judenstaat zu schaffen, der allen Juden der Welt – wenn auch nicht eine Aufenthaltsmöglichkeit bieten – so doch eine Heimat sein wird … Und wenn wir wollen, werden wir ihn erreichen.«[Anm. 74]

In der Pfalz warb vor allem der Vorsitzende des Landauer Zionistischen Ortsverbands, Ernst Sender, für eine Auswanderung nach Palästina. Als er im Herbst 1938 selbst nach Palästina emigrierte, würdigte das Jüdische Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Sender als einen »der aktivsten Mitarbeiter der zionistischen Bewegung der Pfalz«, der ein »stark ausgeprägtes nationales Selbstgefühl« besitze. »Manche Siedlung in Erez Israel hat Bausteine im wahrsten Sinne des Wortes seiner Tatkraft zu verdanken.« [Anm. 75]

Wenn auch neben Sender weitere prominente pfälzische Juden nach Palästina auswanderten, wie z.B. Betty Einstein, die langjährige Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins und Ehefrau des 1935 verstorbenen Landauer Bezirksrabbiners Dr. Berthold Einstein, so blieb die Zahl der Palästina-Emigranten aus der Pfalz weit hinter der der Amerika-Auswanderer zurück.

»Jüdische Jugend nach Palästina«

»Jüdische Jugend nach Palästina« war der Titel eines Faltblattes, das die am 30. Januar 1933 als Dachorganisation der jüdischen Jugendorganisationen gegründete »Jüdische Jugendhilfe« in Berlin-Charlottenburg herausgegeben hat. Im Rahmen der sogenannten Jugendalija konnten von Februar 1934 bis März 1939 insgesamt 3.262 Jugendliche direkt aus Deutschland oder einigen europäischen Transitländern nach Palästina gebracht werden. [Anm. 76] Stand für die Einwanderung von Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren jährlich eine bestimmte Anzahl Sonderzertifikate zur Verfügung (»Jugendalija«), so lockerte die englische Regierung 1938 diese Bestimmungen, indem sie vom 1. April bis 1. Oktober 1938 eine unbeschränkte Einwanderung für Jugendliche gestattete, »soweit Ausbildungsplätze- in Schulen, Institutionen und landwirtschaftlichen Siedlungen vorhanden sind«. Der jüdische Frauenbund sah es als eine vordringliche Aufgabe an, für die Ausrüstung der auswandernden Jugendlichen zu sorgen und in Nähstuben und Haushaltungsschulen die Anfertigung von Bettwäsche und Kleidungsstücken zu übernehmen.[Anm. 77]

Der deutsche Landesverband der zionistischen Organisation »Hechaluz« (wörtlich: »Der Pionier«), gegründet 1921, dem sich jeder junge Jude vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 33. Lebensjahr anschließen konnte, sah in der beruflichen und geistigen Vorbereitung seiner Mitglieder für Palästina und in der Organisation der Übersiedlung seine wichtigste Aufgabe. Während der deutsche Landesverband des »Hechaluz« 1933 lediglich ca. 500 Mitglieder zählte, stieg seine Mitgliederzahl in den folgenden Jahren sprunghaft an. Anfang 1936 hatten sich rund 15.000 Mitglieder in 158 Ortsgruppen angeschlossen. [Anm. 78]

Der »Hechaluz« wie auch andere zionistische Organisationen hatten zur Vorbereitung für Palästina eigens handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildungsstätten (»Hachscharah«) eingerichtet. Im März 1938 standen für die landwirtschaftliche, gärtnerische und für Mädchen zugleich hauswirtschaftliche Ausbildung 18 Ausbildungsstätten in Deutschland und je eine in Holland und Italien zur Verfügung; handwerkliche Ausbildungsmöglichkeiten in der Holz- und Metallbranche für Jungen gab es in den Lehrwerkstätten der jüdischen Gemeinden Berlin, Frankfurt a.M., Hamburg, Köln und München. Darüber hinaus standen besondere Ausbildungsstätten für Jugendliche mit religiöser Lebenshaltung, ein spezielles Mädchenseminar in Berlin und Ausbildungsstätten für das Erlernen aller Arbeiten des Fischereiberufes zur Verfügung.[Anm. 79] Voraussetzung für die Aufnahme in diesen Ausbildungsstätten war eine geistige Vorbereitung in einer der Ortsgruppen des »Hechaluz« von mindestens einem halben Jahr, um insbesondere die hebräische Sprache zu erlernen. Nach 1 1/2 bis 3jähriger Ausbildung und einer Prüfung vor allem in hebräischer Sprache und Palästinakunde schlug die Leitung des »Hechaluz«-Landesverbands dem Palästina-Amt die Jugendlichen für die Jugendalija vor.

Auch die jüdischen Jugendverbände in der Pfalz, z.B. der jüdische Pfadfinderbund Kaiserslautern, wandten sich ab 1934 dem Zionismus zu und bereiteten ihre Mitglieder auf Palästina vor. [Anm. 80]

Die USA als Einwanderungsland

Die Vereinigten Staaten waren von Beginn der nationalsozialistischen Verfolgung an das gefragteste Einwanderungsland. Von 1933 bis 1945 standen die USA mit 132.000 Einwanderern an der Spitze aller Einwanderungsländer.

Die strenge Handhabung der Einwanderungsgesetze durch die amerikanische Regierung, die durch die Folgen der Wirtschaftskrise noch verschärft wurde, hatte eine enge Begrenzung der Einwandererzahlen zur Folge.

Die Quotengesetzgebung legte die jährliche Einwanderung aus den einzelnen Ländern fest, wobei bestimmte Einwandererkategorien bevorzugt wurden, z.B. die Eltern eines US-Bürgers sowie Frau und minderjährige Kinder von legal den USA Eingewanderten, die noch nicht im Besitz des US-Bürgerrechts waren.

Zu den Einwanderern, für die die Quotenregelung nicht galt (»non quota-Einwanderer«) gehörten Ehefrauen und unverheiratete Kinder von US-Bürgern sowie Geistliche und Hochschulprofessoren, die nachweislich ihren Beruf in den USA fortsetzen konnten.

Ein Visum wurde allerdings erst dann erteilt, wenn das Konsulat davon überzeugt war, daß der Einwanderungswillige nicht der Öffentlichkeit zur Last falle. Als Beweismittel dienten ein Eigenvermögen von mehreren Tausend Dollar oder ein sogenanntes »Affidavit of support«, die eidesstattliche Bürgschaftserklärung eines in den USA bereits ansässigen Verwandten oder Bekannten.

Viele auswanderungswillige Juden, vor allem auch viele Pfälzer, waren in der glücklichen Lage, durch ihre früher, zum Teil noch im 19. Jahrhundert nach den USA ausgewanderten Verwandten das ersehnte Affidavit und somit ein Visum zu erhalten. Anderen blieb das Tor zu den USA durch das Fehlen solcher Verbindungen geschlossen.

Neue Hoffnungen setzten die auf ein Einreisevisum wartenden Juden in die vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt einberufene internationale Flüchtlingskonferenz, die vom 5. bis 17. Juli 1938 in dem französischen Badeort Evian am Genfer See tagte. Doch die Erwartungen gingen nicht in der erwünschten Weise in Erfüllung. Erst nach der »Kristallnacht« und der daraufhin erfolgten Masseninternierung lockerte die amerikanische Regierung – entgegen der überwiegend wenig fremdenfreundlichen öffentlichen Meinung und ihrer Vertreter im Kongreß – die Einwanderungsgesetzgebung für die Flüchtlinge. So wurden zunächst die Besuchsvisa von etwa 15.000 bereits in die USA eingereisten Flüchtlingen verlängert und später in Einwanderervisa umgewandelt. Das konsularische Verfahren wurde erleichtert, so daß die bislang nicht voll ausgenutzte Einwanderungsquote beansprucht werden konnte. In den Jahren 1939 und 1940 wurde die etwa 27.000 Personen umfassende Quote für in Deutschland und Österreich geborene Einwanderer voll genutzt.[Anm. 81]

Aspekte zur Akkulturation

Die meisten jüdischen US-Emigranten siedelten sich in den nordamerikanischen Großstädten an, die in der Regel bereits einen großen jüdischen Bevölkerungsanteil hatten wie New York (ca. 80.000 deutsch-jüdische Einwanderer), Chicago (ca. 15.000), Los Angeles (ca. 8.000), Philadelphia (ca. 6.000), San Francisco (ca. 5.000), sowie Boston, Detroit, Baltimore, Cleveland, St. Louis, Washington D.C. und Newark. In einigen Stadtvierteln der vorgenannten Städte bildeten sich regelrechte Flüchtlingskolonien, wie z.B. im Süden Chicagos oder im Gebiet »Washington Heights« in Manhattan, das die Flüchtlinge selbst »The Fourth Reich« (»Das vierte Reich«) nannten.

Diese Konzentration erlaubte ihnen, vor allem den älteren, die sich mit der fremden Sprache schwer taten, auch weiterhin den Gebrauch ihrer Muttersprache.[Anm. 82]

Viele Emigranten, dies gilt nicht nur für die große Zahl der US-Auswanderer, mußten im Einwanderungsland einen Berufswechsel vollziehen. So wurde beispielsweise das Studium der meisten Akademiker im Ausland nicht anerkannt, so daß sie entweder auf andere nicht-akademische Berufe umsteigen oder von neuem ein teures Universitätsstudium absolvieren mußten, wozu die meisten Emigranten finanziell nicht in der Lage waren.

Aus unterschiedlichen Gründen änderten viele Emigranten im Einwanderungsland ihre Vor- und Familiennamen.[Anm. 83] Beispiele pfälzischer Emigranten lassen sich anführen: Hans Alexander Feibelmann, geboren 1910 in Kaiserslautern, Jurist, emigriert 1939 nach New York, nennt sich seit 1944 Howard John Fields; Ludwig Farnbacher, geboren 1905 in Neustadt/Haardt, Jurist und Volkswirt, emigriert 1938 nach England, später zurückgekehrt, nennt sich seit 1944 Louis Farnborough; Hans Lauchheimer, geb. 1907 in Grünstadt, Arzt, emigriert 1933 nach Memphis, Tennessee, nennt sich Justin H. Adler. [Anm. 84]

In den meisten Aufnahmeländern schlossen sich die Flüchtlinge in Vereinen und Gruppen zusammen, um einerseits ihre gemeinsamen Interessen wahrzunehmen und andererseits, um über politische, wirtschaftliche und kulturelle Probleme zu diskutieren. Die Vereine »hatten oft eine psychologische Bedeutung, boten sie doch die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in Verbindung zu treten und die eingetretene Vereinsamung im fremden Land zu überwinden.« [Anm. 85]

Neben parteipolitisch ausgerichteten Organisationen, wie der SoPaDe (Sozialdemokratischen Emigration) und gewerkschaftlichen Vereinigungen, denen sich auch Juden angeschlossen haben, bildeten sich in den Aufnahmeländern eigene jüdische Zusammenschlüsse, die ihre Hauptaufgabe vor allem im sozialen und kulturellen Bereich sahen. So gründeten deutsch-jüdische Emigranten 1938 in Stockholm die »Emigranternas självhjälp«, die Emigrantenselbsthilfe, die in den ersten Jahren ihres Bestehens ca. 700 Mitglieder zählte. [Anm. 86]

In New York traten viele Emigranten dem »German Jewish Club« bei. Andere engagierten sich in der Organisation »Selfhelp« und unterstützten nach Kriegsbeginn die in französischen Lagern, insbesondere in Gurs internierten Glaubensgenossen, erreichten für eine Reihe von ihnen die Freilassung und organisierten deren Emigration nach den USA. Aus solchen Zusammenschlüssen und Selbsthilfeorganisationen rekrutierten sich im wesentlichen auch jene jüdischen Gruppen, die sich nach dem Kriege für die Unterstützung der Überlebenden des Naziregimes in Europa eingesetzt haben, wie z.B. das »Committee for the Relief of Jews from the Rheinpfalz in New York«, das im Juni 1946 zu einer Spendenaktion aufrief (Vgl. Anhang).

Die Emigranten gründeten aber auch andere Organisationen »von orthodoxen Religionsgemeinschaften bis zu Sportvereinen und Kaffeekränzchen«. Damit schufen sie eine Einwandererkultur, »die überkommene und neu erworbene Elemente in sich vereinigte.« Dieses Netz von Organisationen »trug durch gegenseitige Hilfe jeder Art zur Akkulturation der deutsch-jüdischen Einwanderer bei und war selbst in Programmatik und Organisationsform vom Prozeß der Akkulturation bestimmt. Da die jüdische Wanderung meist als Wanderung von Familien vor sich gegangen war, wurde der Akkulturationsprozeß auch durch die amerikanische Erziehung der Kinder oder durch ihren Dienst in der US-Armee während des 2. Weltkrieges erheblich gefördert.«[Anm. 87]

Ein wichtiges, begehrtes Medium wurde für einen Großteil der US-Emigranten das 1934 zunächst als Vereinsorgan des »German Jewish Club«, des späteren »New World Club«, in New York gegründete deutschsprachige Wochenblatt »AUFBAU«. »Es war für sie Freund und Wegweiser im neuen Land geworden, ein Kompaß zur Orientierung über den amerikanischen ‘way of life’, ein breiter Steg, der ihre Vergangenheit mit der turbulenten Gegenwart und einer ungewissen Zukunft verband … Hier war eine Zeitung, die für ihre Leser Heimat bedeutete – Heimat in jedem Sinn: physisch wie geistig, ebenso nötig wie das tägliche Brot.« [Anm. 88]

Thomas Mann, selbst Mitglied im Aufsichtsrat des »AUFBAU«, schrieb 1949 dem damaligen Chefredakteur Manfred George: »Ihr Blatt ist eine Macht geworden – und eine wohltätige.«[Anm. 89]

Unzählige Menschen, die das Naziregime zwischen 1933 und 1945 in viele Länder der Welt versprengt hatte, haben sich durch die nach dem Kriege im »AUFBAU« veröffentlichten Suchlisten wiedergefunden. Todesanzeigen von Emigranten, die nach deutschem Muster und häufig in deutscher Sprache noch heute Woche für Woche im »AUFBAU« veröffentlicht werden und dabei meistens den Herkunftsort in Deutschland nennen, informieren uns auch über den Verbleib pfälzischer Flüchtlinge. Diese Anzeigen liest man nicht ohne innere Bewegung, auch wenn der Text meistens kurz gehalten ist. Aber wir wissen, daß mit jeder dieser Todesanzeigen ein leidvolles Emigrantenschicksal verbunden ist.

Verfasser: Roland Paul

Redaktionelle Bearbeitung: Evelyn Heid

Anmerkungen:

  1. Adrienne Thomas: Eine Lebensrettung dank der stillen Résistance des französischen Volkes, in: Walter Zadek (Hg.): Sie flohen vor dem Hakenkreuz. Selbstzeugnisse der Emigranten – Ein Lesebuch für Deutsche, Reinbek bei Hamburg 1981, S. 101. Zurück
  2. Dieser Artikel ist als ein erster Arbeitsbericht über die Geschichte der Emigration aus der Pfalz im Dritten Reich gedacht. Er steht am Anfang einer umfassenden Dokumentation über Flucht, Vertreibung und Deportation von sogenannten „Nichtariern“ aus dieser Region. Der Verfasser hat vor einigen Jahren damit begonnen, Materialien zu dieser Thematik zusammenzutragen und Überlebende, vor allem Emigranten und Remigranten im In- und Ausland zu befragen. Die Auswertung von Akten im Bundesarchiv Koblenz, in den rheinland-pfälzischen Archiven, im Document Center Berlin, im Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volkes Jerusalem, im Archiv Yad Vashem, im zentralen zionistischen Archiv Jerusalem, in den Leo-Baeck-Instituten und anderen Einrichtungen ist geplant. Weitere Berichte und Interviews mit Emigranten werden sicher noch mehr Licht in das dunkle Kapitel der Geschichte der jüdischen Emigration aus der Pfalz im Dritten Reich bringen. Die Emigranten selbst, ihre erschütternden Berichte können uns vielfach mehr sagen, als dies archivalische Verwaltungsakten und nackte Zahlen zu tun vermögen. Sie können Fragen beantworten, was den mitunter sehr komplizierten und durch Archivquellen oft kaum nachvollziehbaren Wanderweg der jüdischen Flüchtlinge betrifft. Ihre Selbstzeugnisse ermöglichen Aussagen über die Eingliederungsschwierigkeiten, die Akkulturation der Emigranten im Ausland. Zurück
  3. Hermann Arnold: Von den Juden in der Pfalz, Speyer 1967, S. 62; Hermann Arnold: Juden in der Pfalz – Vom Leben pfälzischer Juden, Landau 1986, S. 77 und S. 180 ff. Zurück
  4. Arnold: Von den Juden in der Pfalz, 1967, S. 62. Zurück
  5. ebd., S. 62. Zurück
  6. Jüdisches Gemeideblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 2. Jg., Nr. 3, S. 1; vgl. auch Hans Heß, Die Landauer Judengemeinde – Ein Abriss ihrer Geschichte, Landau 1983, S. 78. Zurück
  7. Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 1. Jg. Nr. 4, S. 4. Zurück
  8. ebd., 1. Jg., Nr. 3, S. 7. Zurück
  9. ebd., 1. Jg., Nr. 10, S. 8. Zurück
  10. ebd., 2. Jg., Nr. 2, S. 8. Zurück
  11. ebd., 2. Jg., Nr. 2, S. 4. Die aufgelösten israelitischen Kultusgemeinden waren Altenbamberg, Billigheim, Busenberg, Dahn, Göllheim, Kleinbockenheim, Iggelheim, Niederkirchen, Rheingönheim, Roxheim, Ruchheim und Wallhaben. Zurück
  12. Vgl. das im Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz evakuierten Juden, veröffentlicht in: Dokumente des Gedenkens mit Beiträgen von Wilhelm Denig und Henry R. Huttenbach, hrsg. In Zusammenarbeit mit Editha Bucher von Franz-Josef Heyen (=Dokumentationen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, Bd. 7), Koblenz 1974, S. 119 ff. Zurück
  13. Die Zahlen für 1932/33 sind entnommen aus dem „Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland 1932-33, hrsg. Von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, S. 307 ff.; für die Jahre 1936 bis 1938 aus: Jüdisches Gemeideblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 2. Jg., Nr. 3 vom 1. November 1938, S. 2. Die Angaben für 1940 beziehen sich auf die am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz nach Gurs deportierten Juden, entnommen aus dem Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz evakuierten Juden, veröffentlicht in: Dokumente des Gedenkens mit Beiträgen von Wilhelm Denig und Henry R. Huttenbach, hrsg. in Zusammenarbeit mit Editha Bucher von Franz-Josef Heyen (= Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, Bd. 7), Koblenz 1974, S. 119 ff. Zurück
  14. Zit. Nach Helmut Müssener, Exil in Schweden – Politische und kulturelle Emigration nach 1933, München 1974, S. 44. Vgl. auch die Einleitung im Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. I. Leitung und Bearbeitung: Werner Röder und Herbert A. Strauss, München – New York – London Paris 1980, S. XIII ff. Zurück
  15. Biographisches handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, Bd. I, S. XIX ff. Zurück
  16. Vgl. z.B. Karl-Heinz Debus: Christen und Juden in der Pfalz zur Zeit des Nationalsozialismus, in: Pfälzische Landeskunde – Beiträge zur Geographie, Biologie, Volkskunde und Geschichte, hrsg. Von Michael Geiger, Günther Preuß und Karl-Heinz Rothenberger, Band 3, Landau 1981, S. 370-385. Beispielhaft auch als erste nach dem Krieg entstandene umfassende Arbeit über eine jüdische Gemeinde in der Pfalz ist: Hans Heß: Die Landauer Judengemeinde – Ein Abriss ihrer Geschichte, Landau 1969 (2. Auflage 1983); Zur Situation in Speyer im Dritten Reich vgl. Elisabeth Schleicher-Landgraf: Unsere jüdischen Mitbürger in Speyer, in: Geschichte der Juden in Speyer, hrsg. Von der Bezirksgruppe Speyer des Historischen Vereins der Pfalz, Speyer 1981, S. 120-131; Karl-Heinz Debus: Verfolgung und Auslöschung – Geschichte der Juden in Speyer von Hitlers Machtergreifung 1933 bis zur Deportation nach Gurs1940, in: Geschichte der Juden in Speyer (wie oben), S. 132-169; Karl-Heinz Debus, Kirchen und Religionsgemeinschaften in Speyer seit 1918, Band II, hrsg. Von der Stadt Speyer (redaktion Wolfang Eger), Stuttgart 1983 (2. Aufl.), S. 465-527. Zurück
  17. Heß: Die Landauer Judengemeinde, 1983, S. 65. Kommerzienrat Viktor Weiss, viele Jahre lang Mitglied im Landauer Stadtrat, hatte sich im Ersten Weltkrieg für die Verbesserung der Ernährungslage in Landau eingesetzt. Nach seinem Wegzug von Landau lebte er in Wiesbaden, wo er sich am Abend vor der geplanten Deportation nach dem Osten das Leben genommen hat (Brief von Dr. Paul Weiss, Tel Aviv vom 20.06.1972 an das Stadtarchiv Landau; freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Dr. Hans Heß). Zurück
  18. Vgl. Johannes Simmert (Bearbeiter): Die nationalsozialistische Judenverfolgung in Rheinland-Pfalz 1933 bis 1945, in: Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Rheinland-Pfalz und im Saarland von 1800 bis 1945, Bd. 6, Koblenz 1974, S. 13. Zurück
  19. Elisabeth Schleicher-Landgraf: Unsere jüdischen Mitbürger in Speyer, in: Geschichte der Juden in Speyer, hrsg. Von der Bezirksgruppe Speyer des Historischen Vereins der Pfalz, Speyer 1981. S. 126; Edmund Heringer: Die israelitische Glaubensgemeinschaft – Friedhof als letztes Zeugnis, in: 750 Jahre Gräfensteiner Land 1237-1987 – Mit der Geschichte von Rodalben, S. 253. Zurück
  20. Brief von Elisheva Lernau, Ramat Gan, Israel, an den Verfasser vom 14.3.1981. Der Brief wurde auszugsweise veröffentlicht bei H. Kuby, Vom Werden und Sterben der jüdischen Gemeinde in der Stadt Zweibrücken in: Heimatkalender 1988 für das Pirmasenser und Zweibrücker Land, S. 41 f. Zurück
  21. Als Beispiel antisemitischer Hetzpropaganda übelster Art sei der Artikel »Der jüdische Parasit« von Josef Hünerfauth genannt, veröffentlicht in: Die Westmark, VI. Jg., Dezember 1938, S. 166 f. Zurück
  22. Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 2. Jg. Nr. 1, S. 8. Vgl. auch Roland Paul: Die Kaiserslauterer Synagoge und ihr Schicksal vor 50 Jahren in: Heimat-Jahrbuch 1988 für Stadt- und Landkreis Kaiserslautern, S. 156-161. Zurück
  23. Brief von Charles Wolff, New York, N.Y. an den Verfasser vom 24.3.1981. In einem an Gehässigkeit kaum zu überbietenden, von eimem »W.T.« unterzeichneten Beitrag gegen das »Volk der Grynszpane«, der mit dem Satz »Hinaus mit der Mörderbrut aus der deutschen Stadt Pirmasens« endet, hatte die Pirmasenser Zeitung am 11. November 1938 über die Ereignisse in der »Kristallnacht« und die »spontanen Vergeltungsaktionen gegen das Judentum« berichtet. Zurück
  24. Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Bd. 6, S. 195 f.  Zurück
  25. Der Viehhändler Adolf Kayem, geb. 1900 in Steinbach am Glan lebte mit Ehefrau Elisabeth, geb. Mayer (geb. 1907 in Ulmet) und Tochter Nanette Irene (geb. 1933) bis 6.2.1939 in Steinbach, dann in Glan-Münchweiler (Gemeindearchiv Glan-Münchweiler, Akten über die Juden in Steinbach und Glan-Münchweiler). Von Gurs kam die Familie 1941 in das Lager Rivesaltes. Während die Tochter in einem Kinderheim überlebte, wurden Adolf und Elisabeth Kayem 1942 nach Auschwitz deportiert. Vgl. Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung, Bd. 7, S. 131. Zurück
  26. Zit. nach Die jüdische Emigration aus Deutschland 1933-1941 – Die Geschichte einer Austreibung – Eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main, unter Mitwirkung des Leo Baeck Instituts, New York, Frankfurt am Main 1985, S. 284. Zurück
  27. ebd., S. 287. Zurück
  28. ebd., S. 289 »Schreiben der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland« unterzeichnet u.a. von Leo »Israel« Baeck und Otto »Israel« Hirsch an Dr. Eugen Strauss, Mai 1940. Zurück
  29. Die jüdische Emigration, S. 306. Zurück
  30. Vgl. das Verzeichnis der am 22. Oktober 1940 aus der Pfalz evakuierten Juden (Anm. 12), S. 119 ff. Zurück
  31. Gespräche des Verfassers mit Frau Hilde Oppenheimer in New York am 18.9.1981 und 27.10.1983; vgl. auch Roland Paul, Die jüdische Gemeinde in Landstuhl – Anmerkungen zu ihrem Schicksal im Dritten Reich, in: Heimatkalender 1982 für Stadt und Landkreis Kaiserslautern, S. 60-64. Zurück
  32. Die jüdische Emigration, S. 175 ff. Zurück
  33. Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 1. Jg., Nr. 12, S. 3. Zurück
  34. VgI. den Artikel »Typische Fehler unserer Auswanderer«, in: Jüdisches Gemeindeblatt 1. Jg., Nr. 1, S. 3 f. Zurück
  35. Jüdisches Gemeindeblatt, 1. Jg., Nr. 1, S. 5. Zurück
  36. ebd., 1. Jg., Nr. 6, S. 3. Zurück
  37. ebd., 1. Jg., Nr. 7, S. 2 f. Zurück
  38. ebd;. 1. Jg, Nr. 2, S, 4. Dr. Mark Wischnitzer (1882-1955) war von 1922 bis zu seiner Emigration nach Frankreich 1938 Generalsekretär des Hilfsvereins. Vgl. Die jüdische Einwanderung, S. 175 f. Zurück
  39. ebd., 1. Jg., Nr. 1, S. 5 und Nr. 5, S. 4. Zurück
  40. Dokumentation zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung Bd. 6, S. 91. Zurück
  41. Jüdisches Gemeindeblatt, 1. Jg., Nr. 5, S. 5.  Zurück
  42. ebd., 1. Jg., Nr. 11, S. 5. Zurück
  43. ebd., 1. Jg., Nr. 10, S. 6 und 2. Jg., Nr. 2, S. 6. Zurück
  44. Ruth Fabian und Corinna Coulmas, Die deutsche Emigration in Frankreich nach 1933, München – New York – London – Paris 1978. Zurück
  45. Detlef Oppermann, Hitler-Gegner nicht vorbehaltlos willkommen – Die deutschen Emigranten in Frankreich nach 1933, in: Frankfurter Rundschau v. 5.11.1979. Zurück
  46. Fabian/Coulmas, S.33. Zurück
  47. ebd., S. 67 ff. Zurück
  48. Grossmann, Kurt R.: Emigration – Geschichte der Hitler-Flüchtlinge 1933-1945, Frankfurt am Main, S. 209 f. Zurück
  49. Grossmann, S. 17 ff. Zurück
  50. ebd., S. 234 f. Zurück
  51. Grossmann, Emigration, S. 15. Zurück
  52. Berendsohn, Walter A.: Probleme mit der Emigration aus dem Dritten Reich, in: Politik und Zeitgeschichte, Bd. XXXIII/56 v. 15.8.1956, S. 518. Zurück
  53. Grossmann, S. 16; Müssener, S. 70. Zurück
  54. Berendson, S. 5; Grossmann, S. 20. Zurück
  55. Die jüdische Emigration, S. 194. Zurück
  56. Philo-Atlas, Handbuch für jüdische Auswanderung, Berlin 1938, Spalte 30. Zurück
  57. Berendsohn, Probleme der Emigration, S. 523. Zurück
  58. ebd., S. 525. Zurück
  59. ebd., S. 523 nach: Dispersion and Resettlement, The Story of the Jews from Central Europe, London 1955. Zurück
  60. Die jüdische Emigration, S. 195 f. Zurück
  61. Philo-Atlas, Spalte 39. Zurück
  62. Berendsohn, S. 524. Zurück
  63. ebd. Zurück
  64. Berendsohn, S. 522, in Anlehnung an: Maurice R. Davie, Refugees in America, Report oft he Committee for the Study of Recent Immigration from Europe, New York 1947. Zurück
  65. Grossmann, Emigration, S. 155 ff. Zurück
  66. ebd., S. 159. Zurück
  67. Philo-Atlas, Spalte 183. Zurück
  68. Grossmann, Emigration, S. 160; Berendsohn, S. 522. Zurück
  69. Philo-Atlas, 1938, Spalten 141-144. Zurück
  70. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen. EnugratIon, Bd. I, S. XXVIII. Zurück
  71. Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz, 1. Jg., Nr. 5, S. 5. Zurück
  72. ebd., Nr. 10, S. 6. Zurück
  73. ebd., Nr. 10, S. 5. Zurück
  74. ebd., Nr. 11, S. 7. Zurück
  75. ebd., 2. Jg., Nr. 2, S. 5. Der Frankenthaler Emigrant Perez Reinhard, gestorben 1987 in Israel, bestätigte dem Verfasser, daß Ernst Sender neben Sanitätsrat Dr. Trefuß und Dr. Jonas aus Bad Dürkheim zu den führenden Zionisten in der Pfalz zählte. Sender, geboren 1906 in Landau lebte in Rishon Lezion, Israel. Er starb im Sommer 1987 während eines Kuraufenthalts in Baden-Baden. Vgl. Die Rheinpfalz, Ausgabe Landau, vom 16.9.1987. Zurück
  76. Die jüdische Emigration, S. 157. Zurück
  77. Jüdisches Gemeindeblatt, 1. Jg., Nr. 12, S. 5. Zurück
  78. Die jüdische Einwanderung, S. 153. Zurück
  79. Jüdisches Gemeindeblatt, 1. Jg., Nr. 7, S. 4. Zurück
  80. Brief von Frau Gerda Zipora Katz, geb. Kayem, früher Kaiserslautern, jetzt Tivon/ Israel, an den Verfasser vom 23.2.1984. Sie leitete früher die jüngere Mädchengruppe der jüdischen Pfadfindergruppe in Kaiserslautern. »1934 beschloss die Bundesleitung zum Zionismus zu erziehen und wir, so jung wir auch waren, übernahmen die Leitung der zionistischen Bewegung in Kaiserslautern … Ich selbst verließ Kaiserslautern 1936 und war 2 Jahre in Westerbeck auf einem Hachscharahgut, um mich auf Palästina vorzubereiten.« Zurück
  81. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen. Emigration, S. XXIX. Zurück
  82. Vgl. Ernest Maass, Integration and Name Changing among Jewish Refugees from Central Europe in the United States, in: Journal of the American Name Society, Bd. 6, Nr. 3, Berkeley 1958, S. 129 ff. Zurück
  83. ebd. Zurück
  84. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration, Bd. I, S. 167 und 173; Interviews und Korrespondenz des Verfassers mit Dr. Justin Adler und Howard John Fields. Zurück
  85. Müssener, S. 110. Zurück
  86. Berendsohn, S. 501; Müssener, S. 111 ff. Zurück
  87. Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration, Bd. I, S. XXX. Zurück
  88. Schaber, Willi: Eine Zeitung als Heimat, in: AUFBAU 50 Years 1934-1984, Ausstellungskatalog, S. 11. Zurück
  89. AUFBAU 50 Years, S. 44. Zurück

http://www.auswanderung-rlp.de/auswanderung-in-der-ns-zeit/zu-emigration-der-juden-aus-der-pfalz-im-dritten-reich.html

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