CONTAINERDORF IN NIENDORF: Immer in Angst: So leben Flüchtlinge in Hamburg – Während sie dafür kämpfen, in Deutschland bleiben zu dürfen, wurden mehrere Familien aus dem Containerdorf an der Lokstedter Höhe (Niendorf) bereits abgeschoben. Mitten in der Nacht holten Männer mit kläffenden Hunden Flüchtlinge aus ihren Betten. Darunter auch Schwangere und kleine Kinder. In ihrem Heimatdorf seien sie die einzigen Roma gewesen. “Wir wurden von den Albanern bedroht. Unser Haus wurde zerstört. Meine Tochter bewarfen sie beim Spielen mit Steinen”, sagt die Mutter und zeigt die Narben am Kopf ihres Mädchens. Nachdem ein Mann vor den Augen ihrer Tochter versucht habe, sie zu vergewaltigen und ihnen mit dem Tod gedroht wurde, sei die Familie geflüchtet.

CONTAINERDORF IN NIENDORF:
Immer in Angst: So leben Flüchtlinge in Hamburg

Von Wiebke Bromberg
Die 24-Jährige aus dem Kosovo mit ihrem Mann und ihrem wenige Wochen alten Sohn.

Die 24-Jährige aus dem Kosovo mit ihrem Mann und ihrem wenige Wochen alten Sohn.
Foto: Patrick Sun

Politische Debatten, Demonstrationen, Straßenschlachten. Das Schicksal der in Hamburg gestrandeten Lampedusa-Flüchtlinge schlägt hohe Wellen. Während sie dafür kämpfen, in Deutschland bleiben zu dürfen, wurden mehrere Familien aus dem Containerdorf an der Lokstedter Höhe (Niendorf) bereits abgeschoben. Mitten in der Nacht holten Männer mit kläffenden Hunden Flüchtlinge aus ihren Betten. Darunter auch Schwangere und kleine Kinder.

“Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum Familien mit Babys oder Schwangere mitten in der Nacht abgeholt werden. Und dazu verbreiten auch noch Hunde Angst und Schrecken”, sagt die Bezirksabgeordnete Zaklin Nastic (33, Die Linke).

Niendorf: Zaklin Nastic (Die Linke) steht vor dem Containerdorf an der Lokstedter Höhe.

Niendorf: Zaklin Nastic (Die Linke) steht vor dem Containerdorf an der Lokstedter Höhe.
Foto: Patrick Sun/ PATRICK SUN

Norbert Smekal, Sprecher der Ausländerbehörde, bestätigt, dass nächtliche Abschiebungen vorkommen können. “Das hängt von den Flugzeiten ab. Wenn die Flieger früh morgens starten, bleibt uns nichts anderes übrig.” Und warum müssen kläffende Hunde zusätzlich für Angst sorgen? Die Polizisten mit Hunden seien für die Eigensicherung der Behörden-Mitarbeiter da, so Smekal.

Eine 24-jährige aus dem Kosovo hat Angst. “Wir können kaum noch schlafen, weil wir jede Nacht befürchten, dass sie uns holen.” Die damals Hochschwangere sollte abgeschoben werden – drei Wochen vor dem Geburtstermin. Sie erfuhr davon, als sie wegen Komplikationen im Krankenhaus lag. Die Bezirks-Politikerin Zaklin Nastic ist sauer. “Das ist absolut unverantwortlich.”

“Wir wussten nichts von der Schwangerschaft. Als wir es erfuhren, wurde sofort eine Duldung erteilt”, sagt Norbert Smekal. In anderthalb Wochen soll neu über ihr Schicksal entschieden werden.

Mittlerweile hat die 24-Jährige ihren Sohn zur Welt gebracht. Es ist ihr drittes Kind. Ein Mädchen (4) und ein dreijähriger Junge wurden im Kosovo geboren. In ihrem Heimatdorf seien sie die einzigen Roma gewesen. “Wir wurden von den Albanern bedroht. Unser Haus wurde zerstört. Meine Tochter bewarfen sie beim Spielen mit Steinen”, sagt die Mutter und zeigt die Narben am Kopf ihres Mädchens.

Nachdem ein Mann vor den Augen ihrer Tochter versucht habe, sie zu vergewaltigen und ihnen mit dem Tod gedroht wurde, sei die Familie geflüchtet. Ob sie mit Schleppern gekommen sind, dazu wollen sie sich nicht äußern. “Wir hoffen noch immer, hier bleiben zu dürfen”, sagt die 24-Jährige. “Ich möchte vor die Tür gehen können, ohne mich ständig voller Angst umschauen zu müssen.”

So kassieren die Schlepper ab
Die 24-Jährige aus dem Kosovo mit ihrem Mann und ihrem wenige Wochen alten Sohn.

Foto: Patrick Sun

Die Abschiebung in ihre Heimatländer ist für Flüchtlinge häufig das Ende einer kostspieligen Reise:

Denn sie kommen meist mit Schlepper-Banden nach Deutschland. Ein Flüchtling aus dem Lokstedter Containerdorf berichtet: “Ich habe von Bekannten die Nummer eines Schleppers erfahren, der bereits Nachbarn nach Deutschland gebracht hatte.” Es wurde ein kurzes Treffen vereinbart. Der Schlepper sagte bloß, dass die Familie 2000 Euro zahlen müsse und wo sie sich treffen würden.

Zwei Tage später stieg die Familie abends in einen Transporter, in dem bereits mehrere Flüchtlinge saßen. “Wir fuhren durch die Nacht, wussten nicht mal, wann wir über die Grenze gefahren sind.”

Nicht ein einziges Mal wurde das Fahrzeug gestoppt. Nach etlichen Stunden wurde die Familie in Hamburg rausgelassen. Versprechungen von einem paradiesischen Leben in Deutschland wurden den Flüchtlingen nicht gemacht.

Anders in Tschetschenien: Dort sollen Schlepper gar das Gerücht streuen, Deutschland zahle allen ein Begrüßungsgeld von 4000 Euro und jeder bekomme eine Aufenthaltserlaubnis. Schlepper verlangen dort rund 8000 Euro.

http://www.mopo.de/nachrichten/containerdorf-in-niendorf-immer-in-angst–so-leben-fluechtlinge-in-hamburg,5067140,24777420.html

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s