In Friedland berichtet der aus Syrien geflohene 37jährige Zahnarzt: “Ärztewurden von den Rebellen bedroht und vielfach ermordet – ohne Grund.” Seit anderthalb Wochen sind die Flüchtlinge im Durchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen – das erste Mal seit Jahren, dass sie ohne Angst vor Gewalt leben und schlafen können. Der Krieg habe ihr und den Geschwistern große Angst gemacht. „Meine kleine Schwester hat wegen der Bomben ständig geweint“, erzählt sie. Ihre Mutter, gebürtige Ukrainerin, ergänzt, dass ihre Kinder immer noch unter den Folgen des Kriegs leiden: „Meine älteste Tochter hat immer Angst, egal wo.“ Die Rebellen, die diese Familie bedroht haben, wurden und werden von den westlichen Ländern unterstützt, weil sie durch sie ihr Ziel erreichen wollten, Assad zu stürzen! Von den arabischen Golfregimen erhielten sie die Waffen! Es muss eine Debatte darüber geben, was diese Politik den Menschen in Syrien wirklich gebracht hat und welche Verantwortung die Nato für die Gewalteskalation in Syrien trägt und wie Alternativen hätten aussehen können!

Vorübergehender Schutz: Syrische Familie hofft, in Deutschland in Frieden zu leben

Durch Krieg heimatlos

Friedland. Man sieht der sechsköpfigen Familie aus Syren die Wunden kaum an. Wunden, die der Krieg und die zweijährige Flucht in ihnen aufgerissen haben dürften: Seit anderthalb Wochen sind die Flüchtlinge im Durchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen – das erste Mal seit Jahren, dass sie ohne Angst vor Gewalt leben und schlafen können.

Erste Orientierung: Pastor Martin Steinberg lehrt Flüchtlinge Grundlagen - hier zum Thema Straßenverkehr. Foto: Alexander KochErste Orientierung: Pastor Martin Steinberg lehrt Flüchtlinge Grundlagen – hier zum Thema Straßenverkehr. Foto: Alexander Koch

Arzt von Rebellen bedroht

Aus Sorge um ihre Verwandten, die noch in der Heimat Homs in Syrien leben, will die Familie weder ihren Namen preisgeben noch Bilder von sich machen lassen. Ihre mehr als zweijährige Leidensgeschichte erzählen sie aber: In Homs arbeitete der 37-jährige Vater als Zahnarzt, seine 31-jährige Frau als Englisch-Lehrerin. Doch Ärzte, berichtet der Mann, wurden von den Rebellen bedroht und vielfach ermordet – ohne Grund, wie er sagt. Als Alawit – eine islamische Gruppierung, der auch Machthaber Assad angehört – sei auch er in Lebensgefahr geraten, konnte sich und seine Familie aber freikaufen. Im November 2011 flohen sie dann in den benachbarten Libanon. Denn dort ist der Familienvater aufgewachsen, rettete sich seinerzeit vor dem Bürgerkrieg nach Syrien.

In Tripoli haben sie sich eine Wohnung gemietet, teilweise auch bei Freunden Unterschlupf gesucht. Letztlich aber geriet ihr Leben auch im Libanon in Gefahr: „Dort bekämpfen sich verschiedene Ethnien, es herrscht Bürgerkrieg“, erzählt der Mann.

Seine zehnjährige Tochter berichtet für ihr Alter ungewöhnlich sachlich, dass sie und ihre Familie sich sehr unsicher gefühlt haben. Der Krieg habe ihr und den Geschwistern große Angst gemacht. „Meine kleine Schwester hat wegen der Bomben ständig geweint“, erzählt sie.

Ihre Mutter, gebürtige Ukrainerin, ergänzt, dass ihre Kinder immer noch unter den Folgen des Kriegs leiden: „Meine älteste Tochter hat immer Angst, egal wo.“

Deshalb hat sich die Familie im Libanon bei der UNO gemeldet. Deren Flüchtlingshilfswerk UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlingshilfe machten es der Familie möglich, in Deutschland eine sogenannte „humanitäre Aufnahme“ zu beantragen.

Jetzt in Friedland zu sein, mache die Familie „sehr glücklich“, allerdings sorgen sich die Eltern wegen der befristeten Aufenthaltserlaubnis von zwei Jahren. Was erwartet sie danach? Es ist ungewiss. „Natürlich wollen wir länger bleiben“, bekräftigt die Mutter. Ihre Hoffnungen: endlich in Frieden zu leben, ihre Kinder zur Schule und in den Kindergarten zu schicken und ihre Berufe ausüben zu können.

Um einen Anfang zu machen, nimmt der Familienvater an Integrationskursen im Durchgangslager teil, die den Flüchtlingen eine erste Orientierung im deutschen Alltag vermitteln soll. Doch einen festen Alltag wird es für die syrische Familie so schnell nicht geben: Mit dem Umzug in die vorübergehende Heimat Brandenburg müssen sie ein neues Leben in einem ihnen völlig fremden Land aufbauen.

Von Alexander Koch

http://www.hna.de/lokales/hann-muenden/durch-krieg-heimatlos-3186102.html

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