Nie vergessen: Als Deutsche Schutz vor der Unterdrückung und Gewalt durch ihren rechtsradikalen Staat brauchten: Der Terror in den ersten Monaten der NS-Herrschaft nach dem Reichstagsbrand am 27.2.1933 führte zu einer ersten Fluchtwelle aus Deutschland. Das betraf in erster Linie Politiker, Journalisten, Schriftsteller und Künstler, darunter nicht wenige Juden. Die meisten der insgesamt 37.000 Emigranten dieses Jahres flohen in europäische Nachbarländer, vor allem nach Frankreich. Die zweite Auswanderungswelle im Nationalsozialismus setzte im Herbst 1935 ein. Ein Auslöser waren die “Nürnberger Gesetze”, mit denen die Gleichstellung der Juden aufgehoben wurde, z. B. durch den Entzug der politischen Rechte und das Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden. Die Verfolgungsmaßnahmen gipfelten im Pogrom der “Reichskristallnacht” vom 9./10. November 1938. Eine Massenflucht begann; rund 40.000 Menschen verließen Deutschland bis zum Jahresende. Insgesamt flüchteten in der Zeit des Nationalsozialismus etwa 275.000 – 300.000 Juden aus Deutschland.

Flucht und Vertreibung 1933 – 1941

Der Terror in den ersten Monaten der NS-Herrschaft nach dem Reichstagsbrand am 27.2.1933 führte zu einer ersten Fluchtwelle aus Deutschland. Die Ausstellung dazu in der BallinStadt Auswanderererwelt Hamburg.

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    Auswandererschiff

     Viele Menschen suchten ihr Glück in der “Neuen Welt”.

    (Bild: Denkmalschutzamt Hamburg Bildarchiv)

Das betraf in erster Linie Politiker, Journalisten, Schriftsteller und Künstler, darunter nicht wenige Juden. Die meisten der insgesamt 37.000 Emigranten dieses Jahres flohen in europäische Nachbarländer, vor allem nach Frankreich.

In den folgenden zwei Jahren ebbte die Fluchtwelle ab. Viele Juden reagierten auf die nun eher “schleichenden” antijüdischen Maßnahmen mit einem Rückzug ins “innere Exil”.

Die deutsche Devisengesetzgebung, die allen jüdischen Flüchtlingen auferlegt wurde, und die “Reichsfluchtsteuer” erschwerten die Auswanderung in großem Maße. Die staatliche Ausplünderung wurde mit diesen Mitteln zunehmend verschärft.

vergrößernAuswanderer Hamburg(Bild: hh.de)Ein weiteres Hindernis für Auswanderer waren die restriktiven Einwanderungsbestimmungen der Zielländer. Die meisten Länder hatten wie die USA seit der Weltwirtschaftskrise die Einreisebestimmungen verschärft und Einwandererquoten eingeführt hatten. So mussten Einwanderer in die USA ein “Affidavit” (eine Bürgschaftserklärung eines dortigen Bürgers) beibringen. Carl Lämmle, der 1884 als mittelloser junger Mann in die USA ausgewandert und zu einem der größten Filmmoguln aufgestiegen war, stellte über 300 “Affidavits” aus.

Die zweite Auswanderungswelle im Nationalsozialismus setzte im Herbst 1935 ein. Ein Auslöser waren die “Nürnberger Gesetze”, mit denen die Gleichstellung der Juden aufgehoben wurde, z. B. durch den Entzug der politischen Rechte und das Verbot der Eheschließung zwischen Juden und Nichtjuden. Die “Reichsvertretung der Juden in Deutschland”, die Zentralorganisation des deutschen Judentums, in der die jüdischen Organisationen und Einrichtungen vertreten waren, erklärte 1935 die “Vorbereitung und Durchführung der Auswanderung”, vor allem der jungen Generation, zum “Kernstück” ihrer Arbeit.

Mehrere Organisationen unterstützten die jüdische Auswanderung: der “Hilfsverein der deutschen Juden”, der sich ab Herbst 1935 “Hilfsverein der Juden in Deutschland” nennen musste, die “Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge” und das “Palästina-Amt”. Die Arbeit dieser Organisationen führte zu einem deutlichen Anstieg der Auswandererzahlen. Mit 24.000 Auswanderern im Jahr 1936 wurde die von der Reichsvertretung erwarteten Maximalzahl deutlich übertroffen.

Die Verfolgungsmaßnahmen gipfelten im Pogrom der “Reichskristallnacht” vom 9./10. November 1938. Eine Massenflucht begann; rund 40.000 Menschen verließen Deutschland bis zum Jahresende. Die meisten von ihnen flüchteten nach Übersee, vor allem in die USA.

Das Schicksal der 937 Passagiere des HAPAG Schiffes “St. Louis” verdeutlicht, unter welch schwierigen und unmenschlichen Bedingungen die Auswanderung zu dieser Zeit verlief: Die “St. Louis” verließ am 13. Mai 1939 den Hamburger Hafen mit Ziel Havanna. Die meisten Passagiere wollten in Kuba nur auf ihr amerikanisches Visum warten. Die Landungspermits für Kuba wurden überraschend von der kubanischen Einwanderungsbehörde für ungültig erklärt, jedoch war der HAPAG versichert worden, dass alle Passagiere in Kuba an Land gehen dürften. Diese Zusicherung wurde gebrochen, als das Schiff nach 14 Tagen Kuba erreichte. Wochenlang verhandelte das “American Joint Distribution Committee” mit der kubanischen Regierung, ohne Erfolg. Das Schiff musste die Rückreise nach Europa antreten und landete schließlich, dank des großen Einsatzes des Kapitäns, in Antwerpen. Der Kapitän Gustav Schröder beschreibt das tragische Schicksal vieler Passagiere:

“Alle Hilfeleistungen hätten aber kaum etwas genützt, wenn die Fahrgäste selbst nicht so zugänglich gewesen wären. Ihr dankbares Abschiednehmen vor der Landung in Antwerpen war rührend und bewegte mich tief und unvergesslich. Umso stärker empfinde ich deshalb auch die Trauer darüber, dass viele der Armen, die sich in Frankreich, Holland und Belgien in Sicherheit glaubten, später durch den wahnsinnigen Krieg doch noch in die Hände von Verbrechern fielen und umkamen. Der Gedanke, dass es Menschen gegeben hat, die erst im K.Z. waren, dann die Passionsfahrt der “St. Louis” mitmachten, später wieder verschleppt wurden, um schließlich im K.Z. elendig zu verenden, ist mehr als bedrückend. Nur von wenigen der auf dem Festland untergebrachten Emigranten der “St. Louis” weiß ich, dass sie noch am Leben sind.” (Gustav Schröder: Heimatlos auf hoher See, Berlin: Beckerdruck 1949, S. 31 f.)

Nach Kriegsbeginn war eine Auswanderung kaum noch möglich und im Oktober 1941 wurde die Auswanderung verboten. Insgesamt flüchteten in der Zeit des Nationalsozialismus etwa 275.000 – 300.000 Juden aus Deutschland.

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