Katholische Kirche: Wir ringen mit um Menschlichkeit für die Flüchtlinge! Sie kritisiert, dass die europäischen Regierungen trotz dem Ertriken vor Lampedusa ihre Asylpolitik nicht ändern wollen! Geht es nach den Kirchen und Menschenrechtsorganisationen muss die EU ihren Umgang mit Asylsuchenden ändern. Es sei eine “Schande”, dass so viele Menschen gestorben sind, hatte der Papst unmittelbar nach dem schweren Unglück Anfang Oktober gesagt. Bischof Gebhard Fürst sprach sich dafür aus, Räume im größtenteils leerstehenden Kloster Weingarten als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen. Letztendlich liege das Schicksal der Menschen in den Händen der Politik. “Wir müssen Wege einführen, dass Leute anständig nach Europa kommen und dort Asyl beantragen können”, sagte Pater Frido Pflüger, Leiter des Berliner Büros des Europäischen Jesuitenflüchtlingsdienstes, am Donnerstag gegenüber Radio Vatikan. Pflüger plädiert für die Möglichkeit, dass Flüchtlinge mit einem Visum nach Europa einreisen könnten, um dann einen Asylantrag zu stellen.

Ringen um die Menschlichkeit

© dpa

Flüchtlinge | 26.10.2013 – Rom/Brüssel

Der Flüchtlingsstrom nach Europa reißt nicht ab. In der Nacht zu Freitag sind mehr als 700 Bootsflüchtlinge aus Afrika vor der italienischen Küste gerettet worden. Schiffe der italienischen Marine nahmen allein mehr als 300 Menschen an Bord, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Bei der Hilfsaktion fiel ein Migrant ins Wasser. Mehrere Schiffe suchten am Freitag noch nach ihm.

Mehr als 200 weitere Flüchtlinge gingen vor Lampedusa an Bord von zwei Schnellbooten der Küstenwache. Sie waren kurz vor der Insel in Seenot geraten. Ein Patrouillenboot der Küstenwache griff zudem 95 Menschen aus Eritrea südöstlich von Lampedusa auf. Außerdem wurden etwa 90 Flüchtlinge von einem maltesischen Frachter an Bord genommen. Ihr Boot war rund 110 Meilen südlich von Lampedusa in Schwierigkeiten geraten. Die Einsatzkräfte brachten etwa 300 der geretteten Menschen vorerst auf die Insel. Die übrigen sollten an anderen Orten auf Sizilien untergebracht werden.

Diese Menschen hatten Glück. Anders als viele, die vor ihnen den Weg über das Meer nach Europa auf sich genommen hatten. Anfang Oktober waren binnen weniger Tage mehr als 400 Leichen aus dem Mittelmeer geborgen worden. Die Weltöffentlichkeit wurde vor allem vom Untergang eines Schiffes mit vermutlich 545 Migranten an Bord bei Lampedusa erschüttert. Nur 155 Menschen überlebten den Schiffbruch, 360 wurden tot geborgen.

Telefonkarten und ein Spielzelt

Ganz gleich, ob es sich um Flüchtlinge aus Afrika oder auch um Menschen handelt, die vor dem Krieg in Syrien fliehen: Geht es nach den Kirchen und Menschenrechtsorganisationen muss die EU ihren Umgang mit Asylsuchenden ändern. Es sei eine “Schande”, dass so viele Menschen gestorben sind, hatte der Papst unmittelbar nach dem schweren Unglück Anfang Oktober gesagt.

Dann handelte er: Franziskus schickte Erzbischof Konrad Krajewski zur Beobachtung der Lage auf die Insel, spendete 1.600 Telefonkarten, damit die Flüchtlinge Kontakt in die Heimat aufnehmen konnten und ließ ein Spielzelt für die Kinder im Aufnahmelager errichten.

Papst Franziskus besucht die Flüchtlingsinsel Lampedusa.

© Gottfried Bohl

Aktiv ist die Kirche aber auch in Deutschland, wo das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zwischen Januar und September rund 85.000 Asylanträge registrierte. Wie das Erzbistum Freiburg am Freitag mitteilte, haben bereits 15 Frauen und Kinder aus Syrien in einem ehemaligen Kloster in Breisach eine Unterkunft gefunden.

25 weitere Flüchtlinge könnten in Sasbach (Ortenau-Kreis) Aufnahme finden. Schließlich solle in Freiburg ein Wohnhaus mit vier Wohnungen und einer Gesamtwohnfläche von 370 Quadratmetern bereitgestellt werden. Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte wiederholt gefordert, mehr Syrer in Deutschland aufzunehmen.

Doch nicht nur das Erzbistum Freiburg, auch das zweite baden-württembergische Bistum Rottenburg-Stuttgart hatte vor einigen Tagen angekündigt, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Derzeit koordiniert hier ein “Beauftragter für Flüchtlingsfragen” die Hilfsangebote der Diözese. Bischof Gebhard Fürst sprach sich dafür aus, Räume im größtenteils leerstehenden Kloster Weingarten als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen.

Ähnliche Initiativen sind auch im Bistum Augsburg und im Erzbistum München angelaufen. In anderen Diözesen und evangelischen Landeskirchen gibt es überdies Planungen, wie Flüchtlinge untergebracht werden können.

Zudem helfen die katholische Caritas sowie die evangelische Diakonie bei Behördengängen, Fragen von Ausbildung und Beruf oder psychischen Problemen von traumatisierten Männern, Frauen und Kindern.

Jesuitenflüchtlingsdienst für Visa-Regelung

Letztendlich liegt das Schicksal der Menschen in den Händen der Politik. Bei einem Treffen Anfang Oktober beschlossen die EU-Innenminister allerdings, die Asylpolitik im Wesentlichen so zu belassen, wie sie ist. Die EU-Staaten wollen Italien mit europäischen Grenzschützern bei der Rettung von Flüchtlingen aus Seenot unterstützen, zugleich aber auch den Grenzschutz verstärken. Eine EU-Expertengruppe soll weitere Hilfe für die Mittelmeerländer ausloten.

“Wir müssen Wege einführen, dass Leute anständig nach Europa kommen und dort Asyl beantragen können”, sagte Pater Frido Pflüger, Leiter des Berliner Büros des Europäischen Jesuitenflüchtlingsdienstes, am Donnerstag gegenüber Radio Vatikan.

Pflüger plädiert für die Möglichkeit, dass Flüchtlinge mit einem Visum nach Europa einreisen könnten, um dann einen Asylantrag zu stellen. In der jetzigen Situation verstärke die EU die illegalen Geschäfte der Schlepper, so Pflüger weiter: “Je stärker wir uns abschotten, desto stärker wird die Tätigkeit der Schlepper und Menschenhändler.”

Durch die zahlreichen Opfer, die unmenschlichen Zustände in den Aufnahmelagern und ein wachsendes öffentliches Bewusstsein für die Situation von Flüchtlingen könne niemand mehr “das Lampedusa-Problem” ignorieren, so Pflüger weiter. Anscheinend geht das aber doch. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben beim Gipfel in Brüssel am Freitag beschlossen, den Umgang mit Asylbewerbern grundsätzlich so zu belassen, wie er ist. (Mit Material von dpa und KNA)

Von Christoph Meurer

 http://www.katholisch.de/de/katholisch/themen/gesellschaft/131026_fluechtlinge_kirche_politik.php

Hintergrund:

Gegen die Ohnmacht – Die Kirchen in Deutschland helfen Flüchtlingen auch mit unkonventionellen Maßnahmen

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