Libyen versinkt immer mehr im Chaos. Stammesmilizen haben das Sagen. Militante Islamisten und Schleuserbanden treiben ihr Unwesen. Im Süden haben sich Dschihadisten aus dem Norden Malis eingenistet. Das Land ist ein gut zugängliches Waffenlager, aus dem sich interessierte Käufer der ganzen Region bedienen. Milizen an der Macht: Die Regierung in Tripolis hat die Kontrolle über die libyschen Regionen nie gehabt – nun entgleiten sie ihr vollends. Die Nato hat den (völkerrechtswidrigen) Sturz Gadaffis – vor allem durch US-Marschflugkörper durchgesetzt – als ihren größten Erfolg gefeiert; man sieht das Niveau dieser Herren: Jemanden stürzen ohne irgend eine Idee, was danach kommen wird, zeugt von mehr als Naivität: Die Gier nach dem libyschen Öl und die Beseitigung eines Staatsmannes, der ihnen widersprochen hat, hat sie blind gemacht! Gadaffi hatte nie geglaubt, dass sie so ein Eigentor schießen würden! Diese brutale Dummheit der Nato kostete und kostet vielen Menschen das Leben!

Libyen: Offenes Waffenlager

Libyen versinkt immer mehr im Chaos. Stammesmilizen haben das Sagen. Militante Islamisten und Schleuserbanden treiben ihr Unwesen. Nicht nur die Libyer haben Grund, auf ein Wunder zu hoffen.

Von CHRISTOPH EHRHARDT

Vor ein paar Monaten sprach ein optimistischer Libyer noch von einem Wunder: dass ein Land, in dem es mehr Waffen als Menschen gebe, in dem Milizen herrschten und nicht das Gesetz, noch immer nicht im Chaos versunken sei. Doch Libyen ist seither immer weiter ins Chaos abgeglitten.

Als hätten sie auch den letzten Optimisten davon überzeugen wollen, haben die Milizionäre den letzten Beweis dafür geliefert, indem sie einen machtlosen Regierungschef verschleppten. Militante Islamisten treiben in den Sicherheitskräften ihr Unwesen, Terrorverdächtige können sich unbehelligt bewegen. Die Südgrenzen sind offen.

Dort haben Stammesmilizen das Sagen, die auf eigene Rechnung arbeiten – und derzeit keinen übermäßigen Wert darauf legen, dem Treiben der Schleuserbanden einen Riegel vorzuschieben, deren Opfer zu Tausenden im Mittelmeer ertrinken.

Im Süden haben sich Dschihadisten aus dem Norden Malis eingenistet. Das Land ist ein gut zugängliches Waffenlager, aus dem sich interessierte Käufer der ganzen Region bedienen. Nicht nur die Libyer haben allen Grund, auf ein Wunder zu hoffen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/afrika/libyen-offenes-waffenlager-12612503.html

LibyenAuf dem Weg zu einem gescheiterten Staat

25.10.2013 ·  Im Osten Libyens haben Anhänger der Föderalistenbewegung eine eigene Regierung gebildet. Die Regierung in Tripolis reagierte drauf nur mit einem Achselzucken. Der Staatszerfall in Libyen schreitet voran. Daran kann Europa kein Interesse haben.

Von RAINER HERMANN

26440151© APMilizen an der Macht: Die Regierung in Tripolis hat die Kontrolle über die libyschen Regionen nie gehabt – nun entgleiten sie ihr vollends.

Mit der Ausrufung einer Regierung für die Region Cyrenaika geht der Staatszerfall Libyens in eine weitere Runde. Eingesetzt hatten die zentrifugalen Kräfte in Libyen schon mit dem Aufstand gegen das Regime Gaddafi. Denn auch in Libyen hatten die Umwälzungen, welche die arabische Welt seit 2011 erschüttern, die lokalen Identitäten gestärkt. Seither bestehen in Libyen die drei historischen Regionen Cyrenaika im Osten, der Fezzan im Süden und Tripolitanien im Westen auf mehr Eigenständigkeit; in der Cyrenaika streben sogar viele nach Unabhängigkeit. Die Regionen sind einander fremd geblieben, jede fühlt sich ihrer Nachbarregion mehr verbunden als dem gemeinsamen „Staat“. Und in Libyen wiegt der Staatszerfall schwerer als in anderen Ländern, denn Gaddafi hatte ein Land hinterlassen, das mit nur wenigen und schwachen Institutionen ausgekommen war. Heute liegt die Macht nicht bei der Exekutive und nicht bei der Legislative, auch nicht bei den schwachen Sicherheitskräften.

Kampf der Milizen

Sondern die Macht liegt in den Händen zahlreicher Milizen. Von ihnen ist allerdings keine so stark, dass sie allein die Führung über das ganze Land übernehmen könnte. Sie sind aber populär. So hat sich die Zahl ihrer Mitglieder seit dem Sturz Gaddafis verzehnfacht, nicht zuletzt weil die Regierung den Milizionären zwar einen Sold zahlt, ohne aber Einfluss auf sie zu haben. Um mächtige Milizen wie die in Zintan oder Misrata haben sich regelrechte kleine Volkswirtschaften mit Monopolen für Waren und Handelswege entwickelt. Das verstärkt die zentrifugalen Kräfte weiter; militärische und wirtschaftliche Interessen verschmelzen.

Eine dieser Milizen – und nicht etwa Al Qaida – hatte jüngst den Ministerpräsidenten Zaidan entführt. Eine andere Miliz kämpfte ihn wieder frei. Zaidan ist fast zum Verhängnis geworden, dass er die Entführung des Al-Qaida-Führers Abu Anas al Libi, der in Tripolis in aller Öffentlichkeit lebte, durch amerikanische Einheiten gebilligt hatte. Als die Nato die Rebellen beim Sturz Gaddafis unterstützt hatte, fanden die Libyer das gut. Als nun die Amerikaner einen Terroristen aus Libyen holten, griffen sie zu den Waffen. Libyen nähert sich dem Status eines gescheiterten Staats. Auch deshalb gelangen viele afrikanische Flüchtlinge durch Libyen an die Mittelmeerküste, wo für sie die große Verheißung lockt: Lampedusa. Der Staatszerfall Libyens ist nicht im Interesse Europas.

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