Kinderlähmung schockt Syrien: Die Extremisten aus dem Ausland bringen aber nicht nur ihre tödliche Ideologie mit nach Syrien, sondern auch Kinderlähmung. Wie die Vereinten Nationen nun bestätigten, sind bisher zehn Kinder in der Provinz Deir al-Sur im Nordosten des Landes mit dem hoch ansteckenden Poliovirus infiziert worden. Bei weiteren zwölf Kindern stehen die Ergebnisse der Labortests noch aus. Gesundheitsexperten vermuten, dass das Virus von Kämpfern aus Pakistan, Afghanistan und Nigeria eingeschleppt wurde. Das sind die einzigen Länder der Welt, in denen Kinderlähmung immer noch endemisch ist. In Syrien gab es seit 1999 keinen Ausbruch von Polio mehr. Bis zum Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 wurden 91Prozent aller syrischen Kinder dagegen geimpft. Das Gesundheitssystem in Syrien ist heute infolge des Konflikts nahezu zusammengebrochen. 60 Prozent der Krankenhäuser und ein Drittel der Gesundheitszentren wurden zerstört oder beschädigt. Zahlreiche Krankenschwestern und Ärzte sind geflohen. In der aktuell betroffenen Provinz leben 65.000 Kinder unter fünf Jahren. Gerade Kleinkinder sind besonders anfällig für das Virus. Der überwiegende Teil der Stadt Deir al-Zor ist in der Hand von Regierungstruppen, auf dem Land haben die Rebellen die Kontrolle. Es gibt kaum fließend Wasser und Strom. Die hygienischen Verhältnisse sowie die Versorgungslage der Bevölkerung in der Provinzhauptstadt sind verheerend. Tag für Tag flüchten viele Tausend Menschen in die Nachbarländer Syriens und könnten das Virus dorthin exportieren. Der Libanon, Jordanien, die Türkei und der Irak haben bisher insgesamt zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Darunter sind mehr als eine Million Kinder.

Kinderlähmung schockt Syrien

Das Virus wurde offenbar von Extremisten eingeschleppt. Der Staat impft seit Beginn des Bürgerkriegs nicht mehr, nun wächst die Angst vor einer regionalen Epidemie

Von Alfred Hackensberger

Sie stammen aus Asien und Afrika und kämpfen auf der Seite radikaler Islamisten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Die Extremisten aus dem Ausland bringen aber nicht nur ihre tödliche Ideologie mit nach Syrien, sondern auch Kinderlähmung. Wie die Vereinten Nationen nun bestätigten, sind bisher zehn Kinder in der Provinz Deir al-Sur im Nordosten des Landes mit dem hoch ansteckenden Poliovirus infiziert worden. Bei weiteren zwölf Kindern stehen die Ergebnisse der Labortests noch aus. Gesundheitsexperten vermuten, dass das Virus von Kämpfern aus Pakistan, Afghanistan und Nigeria eingeschleppt wurde. Das sind die einzigen Länder der Welt, in denen Kinderlähmung immer noch endemisch ist.

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In Syrien gab es seit 1999 keinen Ausbruch von Polio mehr. Bis zum Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 wurden 91Prozent aller syrischen Kinder dagegen geimpft. Das Gesundheitssystem in Syrien ist heute infolge des Konflikts nahezu zusammengebrochen. 60 Prozent der Krankenhäuser und ein Drittel der Gesundheitszentren wurden zerstört oder beschädigt. Zahlreiche Krankenschwestern und Ärzte sind geflohen. Viele Gebiete sind aufgrund der Kämpfe selbst für unabhängige, internationale Hilfsorganisationen zeitweise nicht zu erreichen.

In der aktuell betroffenen Provinz leben 65.000 Kinder unter fünf Jahren. Gerade Kleinkinder sind besonders anfällig für das Virus. Der überwiegende Teil der Stadt Deir al-Zor ist in der Hand von Regierungstruppen, auf dem Land haben die Rebellen die Kontrolle. Es gibt kaum fließend Wasser und Strom. Die hygienischen Verhältnisse sowie die Versorgungslage der Bevölkerung in der Provinzhauptstadt sind verheerend. In vielen anderen Orten Syriens ist die Situation vergleichbar schlecht. Das sind ideale Bedingungen für die weitere Verbreitung des gefährlichen Virus. Eine Epidemie der Kinderlähmung käme, gerade in Kriegszeiten, einer Katastrophe gleich und könnte die gesamte Region erfassen.

Tag für Tag flüchten viele Tausend Menschen in die Nachbarländer Syriens und könnten das Virus dorthin exportieren. Der Libanon, Jordanien, die Türkei und der Irak haben bisher insgesamt zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Darunter sind mehr als eine Million Kinder. Die Ausbreitung könnte auch das an Syrien angrenzende Israel erfassen oder auch Ägypten, wohin ebenfalls Tausende Syrer geflohen sind. “Der Schutz vor Kinderlähmung und anderen gefährlichen Krankheiten hat nicht nur dringende Priorität für alle Kinder in Syrien”, sagte Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake bei dem Besuch eines Gesundheitszentrums in Damaskus, “sondern auch für die gesamte Welt.”

Trotz des Bürgerkriegs konnte Unicef in diesem Jahr bereits mehr als eine Million Kinder in Syrien gegen Polio sowie Masern, Mumps und Röteln impfen. “Aber mindestens 500.000 Kinder in Syrien haben wegen des Konflikts keinen Impfschutz erhalten”, erklärte Lake. “Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Kinder auch in den schwer zugänglichen Orten zu erreichen.” 1,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren erhalten durch Unicef und Partner in den kommenden Wochen eine Schluckimpfung. Die für November geplante Impfkampagne wurde wegen des Ausbruchs der Krankheit auf Oktober vorgezogen. Auch in den syrischen Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak, Türkei und Ägypten haben breite Impfkampagnen begonnen oder werden gerade vorbereitet. Unicef hilft bei der Logistik, stellt mehrere Millionen Dosen Impfstoff zur Verfügung und immunisiert Flüchtlingskinder in den Camps und Notunterkünften.

Ungeachtet des Polioausbruchs gehen die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen im ganzen Land weiter. Schätzungsweise 115.000 Menschen wurden seit Beginn des Bürgerkriegs getötet. Lakhdar Brahimi, der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, warnte bei seinem Besuch in Damaskus am Mittwoch vor einer “Somalisierung” des Konflikts. Er traf in der syrischen Hauptstadt auch Assad, um Richtlinien für neue Friedensverhandlungen in Genf zu besprechen. Die Konferenz ist für den 23. November anberaumt. Brahimi soll dem Präsidenten versichert haben, er könne ein Teil des “neuen Syriens” sein. Allerdings betonte der UN-Gesandte gleichzeitig, der Präsident müsste seine Macht an eine Übergangsregierung abgeben.

Im Gegensatz zu den Rebellen, von denen der überwiegende Teil die Verhandlungen in Genf vehement ablehnt, hat die syrische Regierung bereits ihre Teilnahme zugesichert. Wie groß jedoch die Bereitschaft ist, substanzielle Zugeständnisse zu machen, ist unklar. Am Dienstag wurde der stellvertretende Premierminister Kadri Schamil entlassen. Er gehört zu einer Gruppe innerhalb der Regierung, die ganz offen für Reformen eintritt. Schamil hatte sich in Genf mehrfach mit Vertretern Russlands und der USA getroffen, darunter auch Robert Ford, US-Botschafter in Syrien. Als Grund für die Entlassung des Vizepremiers gab das Regime zu lange Aufenthalte im Ausland, Vernachlässigung seiner Pflichten und Verhandlungen an, die “ohne Koordinierung mit der Regierung” geführt worden seien. Trotzdem wolle Schamil, wie er versicherte, ein Teil der “patriotischen Opposition” bleiben. Sie trete für einen Wandel mit friedlichen Mitteln ein und würde die korrupten Leute auf beiden Seiten kritisieren, die den Krieg nur verlängerten.

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article121387408/Kinderlaehmung-schockt-Syrien.html

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