Lampedusa symbolisiert derzeit wie kein anderer Flecken Erde das Drama, das viele Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa erleben. Die italienische Insel erreichte nach einer traumatischen Bootsfahrt auch Kwasi James Amoako. Mittlerweile lebt der Ghanaer in Lengerich. Erst den Bürgerkrieg in Libyen, dann die dramatische Überfahrt über das Mittelmeer nach Lampedusa. Jene Insel, die trauige Berühmtheit erlangt hat. Vor dem kleinen italienischen Fleckchen Erde sind bereits unzählige Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen. Zuletzt starben Anfang Oktober schätzungsweise über 360 Menschen, als ihr Boot unweit der Küste gekentert war. Zuvor hatte Papst Franziskus im Juli bei einem Besuch auf Lampedusa zu mehr Solidarität mit den Hilfesuchenden aufgerufen. Spätestens seit diesen beiden Ereignissen beschäftigt das Thema Medien und Politik auch hierzulande. In einer großen Halle sei er eines Tages gemeinsam mit Nigerianern, Senegalesen, Äthiopiern untergebracht worden. Bald darauf, es war mittlerweile Sommer 2011, habe man sie zum Meer gebracht und in kleine Boote gesetzt. Sie sollten verschwinden, egal wohin. Er habe Todesangst gehabt, erinnert sich Kwasi James Amoako. Aber er habe dennoch geglaubt, es sei besser, mit über 300 anderen Menschen in See zu stechen, als in dem von grauenhafter Gewalt erfüllten Staat zu bleiben.

Völlig überfüllt sind meist die Flüchtlingsboote, die auf dem Mittelmeer von Nordafrika gen Lampedusa unterwegs sind.

Völlig überfüllt sind meist die Flüchtlingsboote, die auf dem Mittelmeer von Nordafrika gen Lampedusa unterwegs sind. Foto: dpa

Lengerich –

Lampedusa symbolisiert derzeit wie kein anderer Flecken Erde das Drama, das viele Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa erleben. Die italienische Insel erreichte nach einer traumatischen Bootsfahrt auch Kwasi James Amoako. Mittlerweile lebt der Ghanaer in Lengerich.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

„Peaceful“, friedlich sei es in Lengerich, sagt Kwasi James Amoako. Das ist für den Ghanaer wohl das wichtigste. Hat er doch Schreckliches erlebt, bevor er im Frühjahr nach Deutschland kam. Erst den Bürgerkrieg in Libyen, dann die dramatische Überfahrt über das Mittelmeer nach Lampedusa.

Jene Insel, die trauige Berühmtheit erlangt hat. Vor dem kleinen italienischen Fleckchen Erde sind bereits unzählige Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen. Zuletzt starben Anfang Oktober schätzungsweise über 360 Menschen, als ihr Boot unweit der Küste gekentert war. Zuvor hatte Papst Franziskus im Juli bei einem Besuch auf Lampedusa zu mehr Solidarität mit den Hilfesuchenden aufgerufen. Spätestens seit diesen beiden Ereignissen beschäftigt das Thema Medien und Politik auch hierzulande.

Kwasi James Amoakos Flüchtlingsgeschichte beginnt weit davor, im Februar 2008.

Der 37-Jährige stammt aus der kleinen Stadt Sampa, direkt an der Grenze zur Elfenbeinküste. Er hat einen Bruder und sieben Schwestern. Seine Frau lebte mit den drei Kindern zuletzt schon länger von ihm getrennt. An einer Polytechnischen Schule hat er das Möbelbauen gelernt, ein kleines Stück Land sei seine Existenzgrundlage gewesen, sagt er.

Ein Verkehrsunfall in einem Nachbarort wurde ihm dann offenbar zum Verhängnis. Mit anderen Personen sei er auf dem Weg in ein Krankenhaus gewesen, als das Unglück geschah, rekapituliert er ruhig und sachlich die Ereignisse. Der „Chief“ jener Stadt habe dann Ärger gemacht und versucht ihn einzusperren. Außerdem habe er sein Land verloren. Aus großer Sorge vor noch mehr Problemen entschied er sich zu gehen.

Einen Monat lang sei er unterwegs gewesen nach Libyen. Ohne ausreichend Verpflegung, quer durch die Sahara. Zunächst hätten sie sich nur zu viert durchgeschlagen. Doch nach und nach seien auf dem Weg gen Norden immer mehr Flüchtlinge dazu gekommen. Nicht alle hätten den Weg durch die Wüste überstanden, viele seien umgekommen, erzählt Kwasi James Amoako. Er schaffte es, kam in die libysche Hauptstadt Tripolis, fand eine Arbeit.

Im Februar 2011 brach in dem nordafrikanischen Land der Bürgerkrieg aus. Auf Seiten von Muammar al-Gaddafi kämpften unter anderem Söldner aus Schwarzafrika. Für viele Rebellen und Zivilisten Grund genug, jeden Farbigen als Anhänger des Diktators zu betrachten. Viele wurden gefangen genommen, misshandelt und getötet. Gleichzeitig wütete der Konflikt mit Bombenangriffen, Kämpfen und schweren Zerstörungen. Kwasi James Amoako sagt, er habe heute noch Alpträume, die ihn in jene Zeit zurückholen.

In einer großen Halle sei er eines Tages gemeinsam mit Nigerianern, Senegalesen, Äthiopiern untergebracht worden. Bald darauf, es war mittlerweile Sommer 2011, habe man sie zum Meer gebracht und in kleine Boote gesetzt. Sie sollten verschwinden, egal wohin. Er habe Todesangst gehabt, erinnert sich Kwasi James Amoako. Aber er habe dennoch geglaubt, es sei besser, mit über 300 anderen Menschen in See zu stechen, als in dem von grauenhafter Gewalt erfüllten Staat zu bleiben.

An Bord seien Männer, Kinder, Frauen gewesen, „auch Schwangere“. Es habe weder etwas zu essen noch zu trinken gegeben. Mitten auf dem Meer sei dann die Maschine ausgefallen, weil kein Diesel mehr im Tank gewesen sei. Ihr kleines Schiff sei hilflos auf dem Meer getrieben. Etwa 20 seiner Leidensgenossen seien in dieser Zeit gestorben. Damit nicht genug: Kwasi James Amoako beteuert, er habe auch gesehen, wie ein anderes, ebenfalls überfülltes Flüchtlingsboot gesunken und dabei viele Menschen ertrunken seien.

Rettung kam schließlich aus der Luft. Eine Helikopterbesatzung habe sie nach zwei Tagen entdeckt. Marine oder Küstenwache, genau weiß es der Ghanaer nicht, sei dann aufgetaucht, die Überlebenden nach Lampedusa gebracht worden.

Nur vier Tage sei er auf der Insel geblieben, dann ging es weiter nach Mailand. Dort hätten ihm die italienischen Behörden später 500 Euro gegeben und in einen Zug gen Deutschland gesetzt. Eine Vorgehensweise, von der viele Flüchtlinge berichten.

Am 12. April kam er in der zentralen Aufnahmeeinrichtung in Hemer an; seit dem 2. Mai ist Kwasi James Amoako in Lengerich. Sein Asylverfahren läuft. Sein Wunsch: Er möchte in Frieden leben,

http://www.wn.de/Muensterland/Kreis-Steinfurt/Lengerich/Ghanaer-berichtet-ueber-seine-Odyssee-Trauma-Lampedusa

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