“Mietwohnungen für Flüchtlinge”: Leverkusen hat vor gut zwölf Jahren ein dezentrales Modell an den Start geschickt, das Schule macht: Asylsuchenden Flüchtlingen wird ermöglicht, Privatwohnungen zu mieten. “Bei uns hat sich das Modell sehr bewährt. Die Leute sind besser und schneller integriert und das Ganze ist auch wirtschaftlicher für die Stadt”, sagt Stein. Derzeit leben 200 Menschen, die berechtigt sind, Asylbewerberleistungen zu beziehen, in Privatwohnungen über die Stadt verteilt.

LeverkusenSo leben Flüchtlinge in Leverkusen

VON LUDMILLA HAUSER – zuletzt aktualisiert: 31.10.2013

Leverkusen (RP). Stadtkämmerer und Ex-Sozialdezernent Stein spricht über das Erfolgsmodell “Mietwohnungen für Flüchtlinge”.

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Ein "Wohnwagen-Dorf" für Flüchtlinge in einer Leverkusener Fabrikhalle im Jahr 1988. Foto: Peter Seibel (Archiv)
Ein “Wohnwagen-Dorf” für Flüchtlinge in einer Leverkusener Fabrikhalle im Jahr 1988. Foto: Peter Seibel (Archiv)

Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne eine Meldung von Flüchtlingen, etwa aus Syrien, die über die italienische Insel Lampedusa den Weg nach Europa suchen. Das und Diskussionen um ein neues Flüchtlingsheim in Berlin Hellershof haben das Thema Asyl auf den Plan gerufen. Leverkusens Stadtkämmerer und früherer Sozialdezernent Frank Stein war jüngst gefragter Gesprächspartner für Fernsehen und Politmagazine zum Thema Unterbringung.

Denn Leverkusen hat vor gut zwölf Jahren ein dezentrales Modell an den Start geschickt, das Schule macht: Asylsuchenden Flüchtlingen wird ermöglicht, Privatwohnungen zu mieten. “Bei uns hat sich das Modell sehr bewährt. Die Leute sind besser und schneller integriert und das Ganze ist auch wirtschaftlicher für die Stadt”, sagt Stein.

Auslöser für das Modell war der “unakzeptable Zustand” bei der Flüchtlingsunterbringung ab den 90er Jahren. “Die Menschen mussten in abgewohnten Gebäuden leben, teils in Containern”, erzählt der ehemalige Sozialdezernent.

2005 schrieb der damalige Oberbürgermeister Ernst Küchler in einem Grußwort zum 15. Geburtstag des Leverkusener Flüchtlingsrates: “1990, das Jahr der Gründung des Flüchtlingsrats war geprägt von einem ansteigenden Zuzug von asylsuchenden Flüchtlingen. In städtischen Notunterkünften wohnten zeitweise bis zu 4200 Personen aus 40 verschiedenen Herkunftsländern und drei Kontinenten. Weil es an Notunterkünften mangelte, war es damals zeitweise sogar nötig, in einem Freibad vorübergehend Zelte aufzuschlagen.” Bis 1995 seien zudem über 300 Abschiebehäftlinge in Opladen betreut worden. Als Stein 2000 in Leverkusen die Arbeit aufnahm, war die Situation nicht besser: “Wir mussten uns entscheiden: Renovieren wir oder versuchen wir das Mietwohnungsmodell.”

Derzeit leben 200 Menschen, die berechtigt sind, Asylbewerberleistungen zu beziehen, in Privatwohnungen über die Stadt verteilt. Caritas und Flüchtlingsrat geben Hilfestellung. 318 leben im einzig verbliebenen städtischen Wohnheim an der Sandstraße in Opladen. Für 400 Menschen ist dort Platz. Stein betont: “Hätten wir das Mietwohnungskonzept nicht, wir hätten schon jetzt gewaltige Probleme, Leute unterzubringen.”

Die Stadt unterscheidet bei Flüchtlingen in diesen Gruppen:

– Asylbewerber, das sind die Menschen, die einen Antrag auf Anerkennung als Asylberechtigte oder auf Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nach der Genfer Konvention gestellt haben und der Stadt zugewiesen worden sind – derzeit 171.

– Abgelehnte Asylbewerber und Personen, “die aus anderen Gründen vollziehbar ausreisepflichtig, aber aktuell aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben werden können” – derzeit 166.

– Asylberechtigte, die als Flüchtlinge eingereist, im Laufe der Zeit aber vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als solche anerkannt worden sind. Außerdem die Menschen, die eine humanitäre Aufenthaltserlaubnis erhalten haben (z. B. wegen der Unmöglichkeit der Abschiebung) – derzeit 1070.

Letztere, erläutert Stein, bezögen mitunter keine staatlichen Leistungen mehr, sondern arbeiteten hier, seien völlig integriert, “sie haben aber eine Flüchtlingsgeschichte”.

Belastbare Prognosen, wie viele Flüchtlinge in der nächsten Zeit in Leverkusen zu erwarten seien, gebe es nicht, sagt der Dezernent. “Es spricht vieles dafür, dass Menschen aus Mazedonien und Serbien nach Deutschland einreisen und einen Asylantrag stellen, wodurch wir einen Zuzug haben könnten”, sagt er. Serbien sei auch im Moment im Opladener Wohnheim die am stärksten vertretene Nationalität, Syrer – Stichwort: Lampedusa – gebe es dort derzeit nur vier.

Für weitere Zuzüge von Flüchtlingen habe die Stadt sich vorbereitet. “Wir haben kleinere Immobilien ins Visier genommen.” Das Modell Mietwohnung soll auch weiter aufgehen.

http://www.rp-online.de/bergisches-land/leverkusen/nachrichten/so-leben-fluechtlinge-in-leverkusen-1.3783621

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