22 Lampedusa-Flüchtlinge haben in einer Frankfurter Kirche Obdach gefunden. Sie lebten unter einer Mainbrücke, bis ihnen eine evangelische Gemeinde ihre Türen öffnete! Aus der schnellen Hilfe soll dauerhaftes Engagement werden.

Spontane Hilfsaktion

Kirche nimmt Lampedusa-Flüchtlinge auf

Gemeinsames Abendessen im Kirchenraum (Bild: Gemeinde Cantate Domino Frankfurt)

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Gemeinsames Abendessen im Kirchenraum
Sie lebten unter einer Mainbrücke, bis ihnen eine evangelische Gemeinde ihre Türen öffnete: 22 Lampedusa-Flüchtlinge haben in einer Frankfurter Kirche Obdach gefunden. Aus der schnellen Hilfe soll dauerhaftes Engagement werden.

Fünf evangelische Gemeinden aus dem Frankfurter Norden hatten am Sonntagmorgen gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Doch anstatt nach dem Mittagessen wieder ihrer Wege zu gehen, wartete eine besondere Aufgabe auf die Gemeindemitglieder: Hilfe für 22 afrikanische Flüchtlinge, die unter Lebensgefahr über das Mittelmeer nach Lampedusa geflüchtet waren und seit Wochen unter der Frankfurter Untermainbrücke campierten. 

Die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gemeinden waren von jungen Afrikanern, die schon lange in Deutschland leben, um Unterstützung gebeten worden. “In einer spontanen Aktion haben wir beschlossen, die 22 jungen Leute hier aufzunehmen”, berichtet Pfarrerin Sabine Fröhlich. In ihrer Gemeinde Cantate Domino im Frankfurter Nordwesten haben die Flüchtlinge nun einstweilen Obdach gefunden.

Notunterkunft in Rekordzeit

Doch wie schafft man in kürzester Zeit eine Infrastruktur für solch eine große Gruppe? Ein Dach über dem Kopf ist das eine, doch viel mehr hatte die Gemeinde noch zur Mittagszeit nicht zu bieten. Über sämtliche Mailverteiler der fünf Gemeinden wurde ein Hilfeaufruf verschickt. Im sozialen Netzwerk Facebook verteilte sich die Nachricht in Windeseile. “Matratzen, Decken, Bettwäsche, warme Kleidung, wer kann helfen und zwar jetzt sofort?”, lautete die Ansage. 

“Die gemeinsame Aktion war überwältigend. Es hat eine unbeschreibliche Unterstützungswelle gegeben”, freut sich Sabine Fröhlich. Auf dem Parkplatz der Riedberggemeinde fanden sich in einem vorgegebenen Zeitfenster von nur 15 Minuten rund 20 Personen ein. Die zusammengetragenen Hilfsgüter füllten einen VW-Bus bis unters Dach.

Zuflucht auf Zeit

In der Gemeinde Cantate Domino können die Flüchtlinge allerdings nur vorübergehend bleiben. “Ihr Status ist so, dass sie nicht abgeschoben werden können, aber viele Fragen sind noch offen”, erklärte Fröhlich. Asyl haben die jungen Männer in Italien beantragt, einige von ihnen auch in Spanien. Von den dortigen Behörden sind sie mit Papieren ausgestattet worden, mit denen sie sich drei Monate lang innerhalb Europas frei bewegen können.

Pfarrerin Sabine Fröhlich und ihre Kollegen bemühen sich jetzt um eine langfristige Lösung und sichere Unterkunft für die 22 Männer. Doch die eigentliche Arbeit gehe noch weiter, betonte Fröhlich. “Wir wollen uns dafür einsetzen, dass diese jungen Männer hier eine Chance bekommen und ihr Leben nicht wieder unter der Brücke campierend oder Pfandflaschen suchend fristen müssen.”

“Auf einmal öffnet eine Kirche ihre Tür”

Pfarrer Ulrich Schaffert von der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde sagte zu hr-online: “Das kann jetzt nur eine Auffangstation sein, aber sicher ist auch, dass wir sie nicht mehr unter die Brücke zurückschicken.” 

Freude und Erleichterung herrschte am Montag bei der Gruppe junger Afrikaner, die die Hilfsaktion ins Rollen gebracht hatte. Sie alle leben seit Jahren in Deutschland, haben hier eine neue Heimat und Arbeit gefunden. Seit Wochen versuchen sie, ihren Landsleuten zu helfen, waren bei der Rechtsberatung und auf Ämtern. “Seit drei Monaten versuchen wir was zu bewegen aber nichts hat sich bewegt. Und auf einmal öffnet eine Kirche ihre Tür und viele Menschen kommen und helfen. Ich bin noch immer ganz geflasht”, freute sich Ola Olokun im Gespräch mit hr-online.

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