18 Euro Mindestlohn verlangen die Gewerkschaften in der Schweiz! Jetzt stimmen sie ab, ob künftig das höchste Gehalt in einem Unternehmen nicht mehr als das Zwölffache des niedrigsten betragen darf. Auch über den Mindestlohn wird im nächsten Jahr eine Volksabstimmung entscheiden! Erst im Frühjahr hatten die Schweizer weltweit für Schlagzeilen gesorgt, als sie per Volksabstimmung allzu gierigen Managern die Rote Karte zeigten: Mit deutlicher Mehrheit votierten sie für die “Abzocker-Initiative”, durch die Mitbestimmungsrechte von Kleinaktionären bei den Einkommen der Bosse gestärkt und allzu üble Gehaltsexzesse in den Chefetagen gar unter Strafe gestellt wurden. Noch vor einem Jahr war der Vorschlag im bürgerlichen Lager mit mitleidigem Lächeln bedacht worden. Die Jusos halt, die Träumer. Doch inzwischen halten sich bei Umfragen Befürworter und Gegner fast die Waage, denn immer noch sind viele Schweizern wütend über Millionen-Exzesse in Banken und Konzernen. Unabhängig vom Ausgang des Referendums stellen sich mittlere Unternehmen, deren Topmanager ohnehin kaum betroffen wären, schon auf den Fall ein, dass 2014 die Mindestlohn-Initiative durchkommt. Die Handelskette Lidl Schweiz etwa zahlt ihren 2300 Beschäftigten einen Monatslohn von mindestens 4000 Franken (3250 EUR).

 

Sozialismus in der Schweiz?

Die Mindestlohn-Diskussion hat in der Schweiz andere Dimensionen als hierzulande: 18 Euro verlangen die Gewerkschaften dort. Und zudem für Manager eine Einkommensbremse von 1:12.

DPA | 05.11.2013

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Armes Deutschland. Das denkt so mancher Schweizer angesichts der quälenden Mindestlohn-Debatten im großen Nachbarland. 8,50 EUR pro Stunde? Für so wenig Geld würde zwischen Matterhorn und Bodensee kaum jemand einen Finger krumm machen. Ein menschenwürdiger Stundenlohn – so die Ansage der Schweizer Gewerkschaften – beginnt bei 22 Franken. Das sind 18 EUR. Und die Entscheidung darüber wird nicht etwa von Politikern gefällt, sondern bei einem Referendum vom Volk.

Erst im Frühjahr hatten die Schweizer weltweit für Schlagzeilen gesorgt, als sie per Volksabstimmung allzu gierigen Managern die Rote Karte zeigten: Mit deutlicher Mehrheit votierten sie für die “Abzocker-Initiative”, durch die Mitbestimmungsrechte von Kleinaktionären bei den Einkommen der Bosse gestärkt und allzu üble Gehaltsexzesse in den Chefetagen gar unter Strafe gestellt wurden.

Bis dahin galt die Schweiz als Champion marktliberalen Wirtschaftens. Inzwischen aber verbreitet in ihren Konzernzentralen das Gespenst eines Umbaus der Wirtschafts- und Arbeitswelt in Richtung staatlicher Reglementierung Angst und Schrecken. Nach dem “Abzocker”-Referendum stehen zum Thema “Gerechtigkeit in einer modernen Gesellschaft” noch drei weitere Volksabstimmungen an.

Für die wohl spektakulärste sind die Eidgenossen zum 24. November an die Urnen gerufen worden. Bevor sie im nächsten Jahr über einen Mindestlohn von umgerechnet 18 EUR sowie eine Erbschaftssteuer für Millionäre befinden, geht es jetzt erstmal um Ja oder Nein zur “Initiative 1:12”. Demnach soll künftig das höchste Gehalt in einem Unternehmen nicht mehr als das Zwölffache des niedrigsten betragen dürfen. Das Monatseinkommen eines Spitzenmanagers dürfte dann also maximal dem Jahreseinkommen eines einfachen Angestellten entsprechen.

Der Abstimmungskampf über die Initiative der Schweizer Jungsozialisten ist voll entbrannt: “Wahnsinn, der Untergang der Schweiz”, warnt das Unternehmerlager. “Lohndiktat vom Staat? Nein”, steht auf Postern an allen Bahnhöfen. Auf anderen heißt es “Arbeitsplätze vernichten? 1:12 Nein”. Und damit jeder erkennt, welche Gefahr droht, prangen über dem “Nein” Hammer und Sichel, also die Symbole kommunistischer Gesellschaften.

Noch vor einem Jahr war der Vorschlag im bürgerlichen Lager mit mitleidigem Lächeln bedacht worden. Die Jusos halt, die Träumer. Doch inzwischen halten sich bei Umfragen Befürworter und Gegner fast die Waage, denn immer noch sind viele Schweizern wütend über Millionen-Exzesse in Banken und Konzernen. Die fahren inzwischen große Geschütze gegen 1:12 auf: Eine “Kriegserklärung gegen die Wirtschaft” sei das, schimpft der Präsident des Wirtschaftsnetzwerkes Succèsuisse, Ruedi Noser.

“Kein einziges ausländisches Unternehmen würde mehr in die Schweiz ziehen wollen”, malt Nestlé-Vizepräsident Andreas Koopmann den Teufel an die Wand. Der Logistik-Konzern Kühne+Nagel droht mit Abzug aus der Schweiz. “Ich sehe nicht, wie wir unsere Topmanager dann noch nach den heutigen Maßstäben bezahlen sollten”, sagt Klaus-Michael Kühne. Sein Vater hatte das Unternehmen 1969 in die Schweiz verlegt, nachdem in Deutschland die SPD an die Macht gekommen war.

Christian Levrat, Präsident der Schweizer Sozialdemokraten, hält das für Stimmungsmache. Das Land habe etliche Unternehmer, die bei den Bezügen Maß hielten. Auch bei Einführung von “1:12” würden genügend Führungskräfte “den Fortbestand des Erfolgsmodells Schweiz garantieren”, schreibt er.

Unabhängig vom Ausgang des Referendums stellen sich mittlere Unternehmen, deren Topmanager ohnehin kaum betroffen wären, schon auf den Fall ein, dass 2014 die Mindestlohn-Initiative durchkommt. Die Handelskette Lidl Schweiz etwa zahlt ihren 2300 Beschäftigten einen Monatslohn von mindestens 4000 Franken (3250 EUR).

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/wirtschaft/Sozialismus-in-der-Schweiz;art4325,2287187

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