NGO: Können Weg des Goldes aus Kriegsgebiet im Kongo bis zu Argor-Heraeus nachweisen! Die in Tessin ansässige schweizerisch-deutsche Goldraffinerie Argor-Heraeus ist wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und Beihilfe zu Kriegsverbrechen ins Visier der Justiz geraten. Die Organisation Trial hat das Verfahren ins Rollen gebracht. Verkauf von Rohstoffen aus dem Kongo ist Motiv des Krieges und finanziert ihn: Millionen haben dafür mit ihrem Leben bezahlt, sind vertrieben oder auf der Flucht!

«Vielleicht ist etwas falsch mit dem Gesetz»

Interview: Michèle Widmer. Aktualisiert vor 37 Minuten 25 Kommentare

Gegen die Schweizer Goldraffinerie Argor-Heraeus wird wegen Geldwäscherei ermittelt. Bénédict de Moerloose, Anwalt der NGO Trial, sagt im Gespräch, welche Beweise vorliegen.

1/5Ein mitunter schmutziges Geschäft: Mine im Nordosten Kongos. (23. Februar 2009)
Bild: Reuters

Bénédict de Moerloose, bei der NGO Trial für den Fall Argor-Heraeus zuständig, gibt in Genf den Medien Auskunft. (Bild: Trial)

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Die Tessiner Goldraffinerie Argor-Heraeus ist wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und Beihilfe zu Kriegsverbrechen ins Visier der Justiz geraten. Die Organisation Trial hat das Verfahren ins Rollen gebracht. Wie sind Sie vorgegangen? 
Aufgrund unseres Verdachts haben wir bei der Bundesanwaltschaft einen Antrag auf Untersuchung gestellt. Begleitet wurde der Antrag von einem ausführlichen Dossier in dem die Vorwürfe gegen die Goldraffinerie detailliert erklärt und unsere Beweise dafür dargelegt werden. Kurz darauf reagierte die Bundesanwaltschaft mit einer Verfahrenseröffnung wegen Geldwäscherei und Beihilfe zu Kriegsverbrechen.

Die Goldraffinerie mit Sitz in Mendrisio soll im Jahr 2004 bis 2005 drei Tonnen im Kongo geplündertes Gold raffiniert haben. Was hat Sie zu den Vorwürfen veranlast?
Die Vorwürfe basieren auf Recherchen von UN-Experten für die Demokratische Republik Kongo. Federführend dabei war Kathi Austin, die sich seit bald 20 Jahren mit dem Thema beschäftigt.

Im Besitz welcher Beweise ist Trial?
Wir können den genauen Weg des Goldes aus den von Rebellen kontrollierten Minen im Kongo bis in die Schweiz in die Räumlichkeiten der Goldraffinerie in Mendrisio rekonstruieren. Dies anhand von uns vorliegenden Dokumenten. Damit können wir die illegale Herkunft des Goldes in der Schweiz beweisen. Zudem sind wir im Besitz der Import- und Exportbescheinigungen von Uganda sowie dem Frachtbrief der Emirates Shiping Line, die das Gold transportiert hat und die involvierten Parteien beim Namen nennt.

Eine Expertengruppe der UNO fordert seit Jahren Sanktionen gegen Agror-Heraeus, ist damit aber nicht durchgekommen.
Im Juli 2003 verhängte die UNO gegen den Kongo ein Waffenembargo. Im Mai 2005 entschied der Sicherheitsrat, gegen Embargobrecher Finanzsanktionen auszusprechen. Mit dem Handel mit Gold aus dem Kongo würde sich Argor-Heraeus indirekt mitschuldig am Krieg in der Region machen. Doch die Schweiz versucht, wie alle anderen Ländern auch, ihre Unternehmen vor solchen Sanktionen zu schützen. Die Lage heute ist eine andere. Wir diskutieren nicht mehr über ein Embargo, sondern über ein Vergehen gegen das schweizerische und internationale Recht. Das ist ein grosser Unterschied.

Argor-Heraeus weist die Vorwürfe vehement zurück. Was sagen Sie dazu? 
Damit vertritt das Unternehmen die Position, nichts von den blutigen Gefechten im Kongo und dem florierenden Handel mit illegalem Gold gewusst zu haben. Das ist für mich gelinde gesagt unvorstellbar. Im Oktober 2005 verweigerte das Unternehmen einer Expertengruppe genauere Dokumente über seinen Handel seit Jahresanfang zur Verfügung zu stellen. Sollte Argor-Heraeus nichts zu verbergen haben, frage ich mich wieso. Aber nun liegt der Ball bei der Justizbehörde. Sie muss den Fall analysieren.

Der Fall ruft viele Kritiker auf den Plan, die sagen, das Geldwäschereigesetz habe viele Lücken. Wie beurteilen Sie das? 
Laut der Edelmetallkontrollverordnung verpflichtet sich jedes Unternehmen, bei Zweifel an der Herkunft von Schmelzgut, diese besonders sorgfältig abzuklären. Kommt das Gold also wie im Fall von Argor-Heraeus aus dem Kongo, wäre es meiner Ansicht nach klar nötig abzuklären, woher der Rohstoff kommt. Sollten die Behörden die Herkunft Kongo nicht als Grund für sorgfältige Abklärungen der Herkunft ansehen, muss man sich fragen, ob vielleicht etwas falsch ist mit dem Gesetz.

Im ersten Halbjahr 2013 wurden 1600 Tonnen Gold aus der ganzen Welt in die Schweiz importiert. Was glauben Sie, wie viel davon ist illegaler Herkunft?
Das ist schwierig zu sagen. Offiziell gibt es dazu keine Informationen. Der einzige Weg, dies herauszufinden sind Nachforschungen wie in diesem aktuellen Fall.

http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Die-Firma-waere-am-Krieg-mitschuldig/story/30138551

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