Klimaschützer in der Defensive: Klimaschutz befindet sich insgesamt in der Defensive. Das (überlebens)wichtige Thema ist in den vergangenen Jahren durch gravierende Krisen in der Finanz- und Wirtschaftswelt überlagert und zeitweise richtiggehend in den Schatten gestellt worden. Das ganze Hirnschmalz musste zur Stabilisierung des Weltwirtschaftssystems, zur Rettung des Euro und zur Verhinderung von noch Schlimmerem eingesetzt werden. Wer in dieser Zeit mit Klimaschutz kam, erntete bestenfalls ein mitleidiges Lächeln: “Nicht jetzt, später”. “Der Klimawandel wartet nicht, bis sich die Verantwortlichen zusammengerauft haben.”

Klimaschützer in der Defensive

GÜNTHER STROBL, 7. November 2013, 17:18
  • Extremwetterereignisse (im Bild ein überschwemmtes Dorf in Sachsen-Anhalt) werden zunehmen, sagen Klimaforscher.
    foto: apa/jens wolf

    Extremwetterereignisse (im Bild ein überschwemmtes Dorf in Sachsen-Anhalt) werden zunehmen, sagen Klimaforscher.


Erwartungen an die ab Montag in Warschau tagende Weltklimakonferenz sind niedrig angesetzt

Warschau/Wien – Hoteliers und Caterer in Polens Hauptstadt Warschau reiben sich die Hände. Ab Montag können sie zwölf Tage lang aus dem Vollen schöpfen: voll belegte Hotels (mit überhöhten Preisen), Dinners sonder Zahl und jede Menge andere Veranstaltungen, die sich um das Hauptereignis, die UN-Weltklimakonferenz vom 11. bis 22. November, ranken. Allein Österreichs Delegation mit Umweltminister Nikolaus Berlakovich an der Spitze umfasst rund 30 Personen. Dass es mehr als Kongresstourismus werden wird, glauben die wenigsten.

Klimaschutz befindet sich insgesamt in der Defensive. Das (überlebens)wichtige Thema ist in den vergangenen Jahren durch gravierende Krisen in der Finanz- und Wirtschaftswelt überlagert und zeitweise richtiggehend in den Schatten gestellt worden. Das ganze Hirnschmalz musste zur Stabilisierung des Weltwirtschaftssystems, zur Rettung des Euro und zur Verhinderung von noch Schlimmerem eingesetzt werden. Wer in dieser Zeit mit Klimaschutz kam, erntete bestenfalls ein mitleidiges Lächeln: “Nicht jetzt, später”.

Auf später wird nach Dafürhalten von Leopold Haimberger vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien schon viel zu lange verwiesen. “Der Klimawandel wartet nicht, bis sich die Verantwortlichen zusammengerauft haben”, sagt Haimberger im Gespräch mit dem Standard. Viele kleine Schritte seien allemal besser als auf den einen großen Wurf zu warten, der vielleicht komme, vielleicht aber auch nicht.

Extremwetterlagen

Haimberger ist Mitautor des 5. Assessment Report des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). In dem Bericht des Weltklimarats, der Ende September erschienen ist, wird bis Ende des Jahrhunderts von einem deutlichen Anstieg der Extremwetterlagen ausgegangen.

In Europa werde die Lufttemperatur bis zum Jahr 2100 steigen, vor allem aber die Zahl besonders heißer Tage, warnen die Wissenschaftler. Eisdecken würden in Zukunft überall auf der Welt spürbar dünner werden.

Die Prognosen, die aufgrund der notwendigen Konsensfindung eher unter- als übertrieben sind, zeigen, dass akut Handlungsbedarf besteht. Dem stimmt auch Umweltminister Berlakovich zu. Dieser mäßigt seine Erwartungen an die bevorstehende Konferenz aber ebenfalls: “Es wird eine Knochenarbeit.”

UN-Konferenz in Polen

Das hängt auch damit zusammen, dass die UN-Konferenz der 192 Länder des Kioto-Protokolls in Polen stattfindet. Das Gastgeberland setzt in der Energieversorgung seit jeher stark auf Kohle und wälzt nebenbei auch noch Kernenergiepläne. Wenn es um die Verringerung der CO2-Emissionen ging, war Polen innerhalb der EU bisher immer das Land, das am meisten gebremst hat. “Es wird interessant sein zu beobachten, ob Polen eine zwischen den unterschiedlichen Standpunkten vermittelnde Position einnimmt, was es als Gastgeber eigentlich müsste, oder doch Eigeninteressen verfolgt”, sagt Berlakovich.

China, das mittlerweile zum weltgrößten Emittenten Klima schädigender Treibhausgase aufgestiegen ist, will einen Weltklimaschutzvertrag zumindest nicht verhindern. Ziel ist, einen solchen bis zur Weltklimakonferenz im Herbst 2015 in Paris unterschriftsreif zu haben. Welche Rolle China, aber auch die USA und Russland als weitere eminent wichtige Player im Klima-Puzzle spielen werden, muss sich erst weisen.

Die EU hat angekündigt, ihr Reduktionsziel von 20 auf 30 Prozent zu erhöhen, wenn sich andere Verursacherländer zu vergleichbaren Reduktionszielen verpflichten. In Warschau wird der Sack nicht zugemacht, aber zumindest die nächsten Schritte bis zur geplanten Vertragsunterzeichnung 2015 könnten fixiert werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 8.11.2013)

http://derstandard.at/1381371210308/Klimaschuetzer-in-der-Defensive

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