Ghana: “Mache Politik, bis ich eine Million Dollar auf der Seite habe!” Diejenigen, die es in Afrika zu etwas gebracht haben, werden zum Patron (oder zur Matrone) und müssen für ihre Klientel sorgen. Es ist zu einfach, nur die Geldgier, den Nepotismus und die Korruption der Mächtigen anzuklagen. Hinter ihnen werden tausend Hände ausgestreckt, die sich jederzeit zu Fäusten ballen können. Und wie ist es im zivilisierten Europa? Dort gibt es vor allem nationalen statt Familienzusammenhalt! Und holen nicht auch dort die, die in Wirtschaft und Politik es zu etwas gebracht haben, aus anderen Ländern alles raus – an Rohstoffen, Waffenverkäufen – was rauszuholen ist, auch um ihre nationale Klientel zufriedenzustellen, weil sie sonst ihre Macht verlieren könnten? Auch hier in Europa gibt es diese nationale Patronage, auch hier ist sie Spiegelbild der Gesellschaft, die aber auch wesentlich von dieser Elite geprägt und gebildet wird. Auch hier will man nicht mit anderen teilen und wehrt etwa die Flüchtlinge ab, die uns kosten könnten. Bei uns sind es die vor allem nationalen Netzwerke von Anlegern, Gewerkschaften, Banken, von ihnen dominierte Think Tanks und Medien, die die Mächtigen drängen, für sie auch auf Kosten anderer Länder, der Natur, der globalen Zukunft, soviel Reichtum, wie möglich zu scheffeln! Ich sehe da keine große Differenz zur Situation in Afrika: Wenn ich will, dass die um mich rum, meinen Luxus akzeptieren oder hinnehmen, muss ich ihnen auch etwas abgeben! Einmal ist der Druck zum Plündern mehr ethnisch geprägt, einmal national! Der Menschenrechtskultur, die allen gleiche Rechte für menschenwürdiges Leben zuspricht, widerspricht Beides. Für Beides aber ist ein gesellschaftlicher Unterbau nötig, in Afrika das Zusammenwachsen zu einem Nationalstaat in der Gesellschaft, über Ethnie hinweg, in der Welt das Zusammenwachsen zu einer globalen Zivilgesellschaft, in der man die und den anderen als Menschen kennenlernt, als jemanden, der gleiche Bedürfnisse hat, fair behandelt zu werden! Am Aufbau dieser nationalen und globalen Vernetzung können wir alle mitmachen!

Der Druck zum Plündern

Auslandnachrichten Heute

David Signer ⋅ Die stellvertretende Kommunikationsministerin Ghanas, Victoria Hammah, ist letzte Woche entlassen worden, weil sie angeblich geäussert hatte, sie wolle so lange in der Politik bleiben, bis sie eine Million Dollar auf der Seite habe. «Wenn du Geld hast, kannst du die Leute kontrollieren», sagte sie in einer Aufnahme, die im Internet zirkulierte. Es heisst, Hammah habe eine Schlüsselrolle bei der Wahl im letzten Jahr gespielt, die Johan Mahama als Präsidenten von Ghana bestätigte, einem Land, das gerne als Vorzeigebeispiel für ein modernes Afrika dient. So weit nichts Neues unter der Sonne. Bei aller Empörung könnte man der Frau immerhin zugute halten, dass sie ehrlicher war als andere.

Tiefer blicken lässt, dass die ehemalige Fernsehmoderatorin schon vor ein paar Monaten gestanden hatte, es laste ein grosser Druck auf ihr, öffentliche Gelder zu entwenden, weil die Leute dächten, als Ministerin sei sie schliesslich reich. Diese Forderungen ihr gegenüber seien widerlich, sagte sie, und: «Korrupte Politiker sind der Spiegel einer korrupten Gesellschaft.» Hier trifft sie in der Tat einen wunden Punkt. In den afrikanischen Gesellschaften wird Solidarität grossgeschrieben. Besonders innerhalb der Verwandtschaft wird von denjenigen, denen es besser geht, erwartet, dass sie die andern unterstützen. Und weil die «Verwandtschaft» umso weiter reicht, je mehr zu holen ist, ist eigentlich nie genug da, um alle Begehrlichkeiten zu stillen. So umfasst die «Solidargemeinschaft» bald einmal nicht nur den eigenen Clan, sondern die eigene Stadt, die Ethnie, die ganze Region.

Diejenigen, die es zu etwas gebracht haben, werden zum Patron (oder zur Matrone) und müssen für ihre Klientel sorgen. All diese Bittsteller wissen durchaus, wie sie den «Ernährern» das Leben zur Hölle machen können, falls sie zu kurz kommen (und nach ihrem Gefühl kommen sie fast immer zu kurz). Insofern hat Victoria Hammah recht: Es ist zu einfach, nur die Geldgier, den Nepotismus und die Korruption der Mächtigen anzuklagen. Hinter ihnen werden tausend Hände ausgestreckt, die sich jederzeit zu Fäusten ballen können.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/der-druck-zum-pluendern-1.18183027

http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-24864436

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