Wenige haben bisher realisiert, welche Kosten mit den Schäden des Klimawandels verbunden sein werden. Sonst würde man vermutlich anders agieren. In der “ungebildeten” Dritten Welt aber ist das Thema Klimawandel und seine Auswirkungen schon allgegenwärtig, weil die Menschen bereits starke Veränderungen in ihrem Umfeld erleben! Peter Niggli: “Das Staatensystem ist im Moment nicht fähig, sich auf etwas zu einigen, das die Emissionen wirksam reduzieren würde. Also geht alles so weiter. Die öffentliche Mobilisierung im Westen ist im Moment sehr gering. Anders im Süden. Wann immer ich in Entwicklungsländer reise, stelle ich fest, wie sehr der Klimawandel dort die Menschen beschäftigt. In der tiefsten Provinz erzählen sie, dass es früher mehr Wasser gab, der Regen früher kam, die Ernte besser wurde. Dort ist die Klimakrise in der Wahrnehmung der Menschen schon angekommen – sie steht nicht erst bevor.”

“Werden Zwei-Grad-Ziel so nicht schaffen”

11. November 2013, 17:26
  • Anders Levermann (40) vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ist einer der Leitautoren des UNO-Reports zum Klimawandel.
    foto: klemens karkow

    Anders Levermann (40) vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung ist einer der Leitautoren des UNO-Reports zum Klimawandel.

Anders Levermann ist in Sachen Begrenzung des Temperaturanstiegs pessimistisch. Mögliche Kosten seien nicht bewusst

Standard: Viele sind schockiert über die Zerstörungskraft des Taifuns Haiyan, der über die Philippinen hinweggezogen ist. Eine Folge des Klimawandels?

Levermann: Kein einziges Extremereignis lässt sich direkt auf den Klimawandel zurückführen. Physikalische Gesetze etwa aus der Thermodynamik lassen aber den Schluss zu, dass sich in einer wärmer werdenden Welt Extremereignisse häufen.

Standard: Lassen sich Ereignisse dieser Art statistisch vorhersagen?

Levermann: Ja. Kerry Emanuel vom MIT in Boston hat gezeigt, dass Hurrikane und Taifune bei einer sich erwärmenden Wasseroberfläche mehr Energie zur Verfügung haben, in der Gesamtheit werden die Hurrikane stärker, wenn die Temperatur steigt.

Standard: Die Staatengemeinschaft hat sich bei der Weltklimakonferenz 2010 in Cancún erstmals darauf verständigt, die globale Erwärmung auf zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen? Wie wahrscheinlich ist das Erreichen dieses Ziels bis 2100?

Levermann: Die bisher diskutierten Maßnahmen sind in keiner Weise ausreichend; ohne Kraftanstrengung marschieren wir in Richtung drei oder gar vier Grad plus.

Standard: In Warschau sitzen Vertreter von 192 Staaten zusammen, um ein verbindliches Weltklimaabkommen vorzubereiten. Es wäre schon ein Erfolg, wenn man sich auf einen Zeitplan einigen könnte. Ist das nicht ein Armutszeugnis?

Levermann: Es gibt große wirtschaftliche Interessen, die mit der Umstrukturierung der Energieversorgung einhergehen. Entscheidend ist, dass sich etwas bewegt.

Standard: Inwieweit sind Konferenzen das geeignete Mittel, den Klimawandel zu stoppen?

Levermann: Klimawandel ist ein globales Problem, ein Land allein kann am Gesamtausstoß wenig ändern. Deswegen ist eine internationale Verständigung nötig. Die Welt schaut auch gespannt auf die Energiewende in Deutschland – ein Indikator, ob man in einem Industrieland die Energieversorgung auf Erneuerbare umstellen kann. Das wäre dann auch interessant für große Länder wie China.

Standard: Die Finanzkrise hat gezeigt, wozu die Staatengemeinschaft fähig ist, wenn es hart auf hart geht?

Levermann: Wenige haben bisher realisiert, welche Kosten mit den Schäden des Klimawandels verbunden sein werden. Sonst würde man vermutlich anders agieren. (Günther Strobl, DER STANDARD, 12.11.2013)

Peter Niggli in den Räumen der WOZ: «Bewegungen verschwinden nie vollständig, sondern hinterlassen Kerne politisierter Leute, die Lust haben weiterzumachen. Logischerweise gehört auch die Kehrseite dazu: Enttäuschung und Demobilisierung.»
So ist die Weltlage. Wenn wir die Klimakrise nehmen: Das Staatensystem ist im Moment nicht fähig, sich auf etwas zu einigen, das die Emissionen wirksam reduzieren würde. Also geht alles so weiter. 2015 ist zwar eine Klimakonferenz vorgesehen, die ein verbindliches Abkommen hervorbringen soll. Aber vorderhand sieht es nicht danach aus, als käme eine Einigung zustande. Die öffentliche Mobilisierung im Westen ist im Moment sehr gering. Anders im Süden. Wann immer ich in Entwicklungsländer reise, stelle ich fest, wie sehr der Klimawandel dort die Menschen beschäftigt. In der tiefsten Provinz erzählen sie, dass es früher mehr Wasser gab, der Regen früher kam, die Ernte besser wurde. Dort ist die Klimakrise in der Wahrnehmung der Menschen schon angekommen – sie steht nicht erst bevor.
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