Die US-Armee in Stuttgart soll an der Steuerung von Drohnenangriffen in Echtzeit beteiligt sein und auch Tötungsbefehle erteilen. Ohne diese Einrichtungen in Deutschland könnten Drohnenangriffe nicht ausgeführt werden! Amerikas «geheimer Krieg» in Deutschland WIRD ENTHÜLLT!

Amerikas «geheimer Krieg» in Deutschland

Von Martin Wilhelm. Aktualisiert um 14:18 22 Kommentare

Bewachte Hinterhöfe und unscheinbare Bürotüren: Deutsche Medien haben zwei Jahre lang heimliche Aktivitäten der USA recherchiert. Diese sollen von Stuttgart aus tödliche Drohnenangriffe in Afrika steuern.

1/8Rund 66’000 US-Soldaten sind aktuell in Deutschland stationiert: Ein Angehöriger der US-Luftwaffe während einer Gedenkzeremonie auf dem Stützpunkt Ramstein.
Bild: Reuters

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Die Präsenz amerikanischer Streitkräfte in Deutschland ist kein Geheimnis: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind ununterbrochen US-Soldaten auf süd- und mitteldeutschem Gebiet stationiert. Bislang nicht bekannt war aber, in welchem Ausmass in Deutschland stationierte Einheiten von Militär und Geheimdiensten in den amerikanischen Krieg gegen den Terror involviert waren: das Aufspüren, Überwachen und gezielte Töten mutmasslicher Terroristen.

Ein Team von deutschen Journalisten hat vor rund zwei Jahren eine gross angelegte Recherche zu geheimen Aktivitäten der Amerikaner in Deutschland begonnen. Nun wollen die «Süddeutsche Zeitung» (SZ) und derNorddeutsche Rundfunk (NDR) ihre Erkenntnisse unter dem Titel «Der geheime Krieg» nach und nach veröffentlichen – in Fernseh- und Radiosendungen, Zeitungsartikeln und in einem Buch namens «Geheimer Krieg – wie von Deutschland aus der Kampf gegen den Terror gesteuert wird». Hinzu kommt die InternetseiteGeheimerkrieg.de, auf der alle aufgedeckten US-Aktivitäten auf einer Karte verzeichnet werden.

Wie im Raumschiff Enterprise

Die vielleicht brisanteste Enthüllung ist dieVerstrickung amerikanischer Einrichtungen in den Drohnenkrieg in Afrika: Die Amerikaner leiten laut den Rechercheuren Drohnenangriffe, bei denen beispielsweise mit einer in Djibouti stationierten Drohne Angriffe gegen mutmassliche Terroristen in Somalia geflogen werden. Das Regionalkommando der US-Armee für Afrika (Africom) in Stuttgart soll an der Steuerung von Drohnenangriffen in Echtzeit beteiligt sein und auch Tötungsbefehle erteilen. Ohne diese Einrichtungen in Deutschland könnten Drohnenangriffe nicht ausgeführt werden, heisst es laut NDR in einem internen Papier der Amerikaner. «Die sitzen da wie im Raumschiff Enterprise», ergänzt ein ehemaliger deutscher Offizier im Fernsehbeitrag.

Die Beiträge von SZ und NDR dokumentieren auch die Arbeitsweise der Journalisten. Bei ihren Recherchen stiessen diese an den meisten Orten auf Stahltore, Stacheldrahtzäune und Sicherheitsmänner. Als sie vor dem geheimen Dagger-Komplex in Griesheim filmten, in dem mutmasslich Einheiten der NSA stationiert sind, sei ein Wachmann aus seinem Häuschen gesprungen und habe die Journalisten fotografiert. Kurz darauf habe einer von ihnen einen Anruf auf das Mobiltelefon erhalten: «Guten Tag, Polizei Griesheim. Die Amerikaner haben Angst, dass hier spioniert wird.»

Abruptes Ende der PR-Führung

Offener zeigte sich vordergründig das amerikanische Militär: Die Journalisten erhielten eine Führung am Standort des Afrika-Kommandos in Stuttgart – die allerdings ein abruptes Ende gefunden habe, als die Reporter nach den tödlichen Drohnenangriffen gefragt hätten. Einzig ein Mittagessen in der Kantine hätten sie danach noch erhalten.

Zum amerikanischen Kampf gegen den Terror auf deutschem Boden gehört gemäss den Berichten auch die Stationierung amerikanischer Beamter des Ministeriums für Innere Sicherheit auf dem Flughafen von Frankfurt. Auf der Suche nach deren Büros hätten sie tagelang an Bürotüren geklopft, berichten die Journalisten, um am Ende ein verlassenes Zimmer mit einem Tisch und ein paar Aktenschränken zu finden – die US-Beamten seien offenbar schon ausgezogen gewesen.

Auch andernorts in Frankfurt ermittelten die Journalisten: Sie beobachteten von einem Hotel und von der Strasse aus ein von Polizisten mit Maschinenpistolen bewachtes Grundstück mit Flachbauten – angeblich die grösste CIA-Logistikzentrale in Europa, wo die Geheimgefängnisse für Terrorverdächtige nach dem 11. September 2001 geplant worden seien.

IT statt Atombomben

Welche weiteren Aktivitäten und Details zu den einzelnen, teilweise geheimen US-Einrichtungen die beiden Medien bekannt machen werden, ist nicht bekannt. Das Material enthalte «manche Enthüllungen», sagte einer der beteiligten Journalisten, der bekannte Rechercheur Hans Leyendecker von der SZ. Die Recherchen des Journalistenteams wurden offenbar von den Enthüllungen Edward Snowdens eingeholt. Das Rechercheprojekt sei schon lange vor dessen Auftritten begonnen worden, sagte der ebenfalls bekannte investigative Journalist John Goetz vom NDR der Nachrichtenagentur AFP. Ursprünglich sei es darum gegangen, über US-Basen und weitere Einrichtungen zu berichten, die vor der Öffentlichkeit abgeschirmt würden.

Die amerikanischen Streitkräfte sind seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland präsent. Heute unterhalten sie rund vierzig Stützpunkte, darunter den erwähnten in Stuttgart sowie eine grosse Luftwaffenbasis in Ramstein. Hinzu kommen weitere Kampfjet- und Helikopterstützpunkte, Logistikbasen und Kommandoeinrichtungen.

Ihren Anfang hatten die Stützpunkte in der Besatzung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits in den 50er-Jahren gewann aber die Stationierung von Truppen im Rahmen der Militärallianz Nato an Bedeutung. Umstritten war insbesondere die Stationierung von Atombomben und Mittelstreckenraketen. Nach dem Ende des Kalten Kriegs und der Wiedervereinigung Deutschlands reduzierten die Amerikaner ihr nukleares Arsenal von mutmasslich über zweihundert Atombomben auf aktuell noch geschätzte zwanzig. Auch die Truppenstärke wurde seit 1991 drastisch zurückgefahren: Während damals noch 200’000 amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert waren, sind es heute noch etwa 66’000, von denen teilweise aber ein grosser Teil im Ausland im Einsatz ist, so etwa im Irakkrieg.

Neben der Abrüstung bei den konventionellen Streitkräften blieb die gleichzeitige Aufrüstung der Amerikaner bei den informatikgestützten Überwachungsaktivitäten und dem transnationalen Drohnenkrieg offenbar für die breite Öffentlichkeit lange unbemerkt. Die deutschen Journalisten gehen allerdings davon aus, dass die deutsche Regierung über die amerikanischen Aktivitäten zu weiten Teilen im Bilde sei.

Die Fortschritte der Technik sind allerdings auch zu einem gewissen Teil zumindest den Medien zugutegekommen: Die knapp 30 Journalisten setzten neben traditioneller Recherche via Informationen auch auf neue Methoden: So hätten sie unter Mithilfe vonspezialisierten Datenjournalisten amerikanische Datenbanken nach Aufträgen der US-Regierung an deutsche Firmen durchsucht, um Aufschlüsse über Standorte, Infrastruktur und Lieferanten zu erhalten.

Schliesslich setzten die Journalisten auch eine Drohne ein, um sich die US-Botschaft in Berlin und eine Luftwaffenbasis in Grafenwöhr genauer anzusehen. Ob die Drohnenflüge wichtige Erkenntnisse lieferten, ist nicht bekannt. Zumindest lieferten sie dem Fernsehen aber eher humoristische Bilder – getreu dem Motto: «Jetzt spionieren wir!»

http://bazonline.ch/ausland/europa/Amerikas-geheimer-Krieg-in-Deutschland/story/27685634

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