SRI Lanka leitet Commonwealth: 40 000 tamilische Zivilisten sind in den letzten Jahren getötet worden v.a. von der Armee. Die singhalesischen Hardliner um Rajapakse lehnen eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse ab. Über vier Jahre nach Kriegsende wird noch immer jede Opposition brutal unterdrückt, Journalisten werden verfolgt und die demokratischen Institutionen des Landes unterhöhlt.

Sri Lanka

Gipfeltreffen wird zum PR-Desaster

Aufgefallen Heute, 06:00
Andrea Spalinger, Delhi

Am Freitag beginnt in Colombo das Gipfeltreffen des Commonwealth. Der Entscheid, die Veranstaltung in Sri Lanka abzuhalten, war kontrovers. Die 53 Mitgliedstaaten haben sich dazu verpflichtet, Demokratie und Menschenrechte zu respektieren – Werte, die die Regierung von Präsident Rajapakse in den letzten Jahren mit Füssen getreten hat. Laut einem Uno-Bericht sind in der letzten Phase des Bürgerkrieges 2009 rund 40 000 tamilische Zivilisten getötet worden, die meisten von ihnen bei Angriffen der Armee. Die singhalesischen Hardliner um Rajapakse lehnen eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse ab. Über vier Jahre nach Kriegsende wird noch immer jede Opposition brutal unterdrückt, Journalisten werden verfolgt und die demokratischen Institutionen des Landes unterhöhlt.

Die Zahl der Todesopfer während des Krieges wird auf 100.000 geschätzt.

 

Die Regierungschefs von Mauritius, Kanada und Indien haben deshalb beschlossen, den Gipfel zu boykottieren. Auch der britische Premierminister, David Cameron, stand unter Druck, entschied am Ende aber, dass es besser sei, Sri Lanka einzubinden, als es zu isolieren. Er versprach dem heimischen Publikum, in Colombo auch unbequeme Fragen aufzuwerfen. Doch Sri Lanka hat kein Interesse an einer Debatte über Kriegsverbrechen. Cameron sei eingeladen worden, um am Gipfel teilzunehmen, und nicht, um das Land zu kritisieren, verlautete aus Regierungskreisen. Der Präsident fügte später verärgert hinzu, die Rebellen hätten dreissig Jahre lang Zivilisten getötet. Seiner Regierung gebühre Respekt dafür, dass sie diesem Treiben ein Ende gesetzt habe.

Eine Veranstaltung, mit der Sri Lanka international wieder salonfähig zu werden hoffte, scheint in einem Public-Relations-Desaster zu enden. Das arrogante Gehabe ist typisch für Mahinda Rajapakse. Er hat sich in den letzten Jahren gegen jede Kritik verwahrt und ist damit durchgekommen. Für das Commonwealth könnte das Ganze allerdings höchst peinlich werden. Mit dem Gipfel übernimmt Sri Lanka für zwei Jahre dessen Vorsitz, und viele Mitglieder dürften bald bereuen, dass sie Colombo nicht früher die Stirn geboten haben.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/aufgefallen/gipfeltreffen-wird-zum-pr-desaster-1.18185785

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