Industrialisierungsprozesse in Afrika erfordern anspruchsvolle Strategien: Jedes Land muss seine Wege suchen für industrielles Wachstum, und den Wechsel von einseitiger Rohstoffausbeutung und billigen Arbeitskräftefonds hin zu eigenen Wertschöpfungsketten und höherer Produktivität, d.h. mit Schaffung effektiver Strukturen mit Verbesserung der Steuerung der Wirtschaft, mit Förderung des Unternehmergeistes und Konzentration auf den Mittelstand und die Kleinbetriebe.

Industrialisierungsprozesse in Afrika erfordern anspruchsvolle Strategien

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19.11.2013

Dipl.oec. Gerd Eckert zum Internationalen Tag der Industrialisierung Afrikas am 20.November 2013
Die Herausforderungen für die afrikanischen Staaten zur Bewältigung der in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklungen gestellten Industrialisierungsziele,  sollten die Aufmerksamkeit der deutschen Wirtschaft wecken. Die deutschen Unternehmen aus Industrie und Landwirtschaft haben die Chance, mit gezielten Beteiligungen in diesen Industrialisierungsprozessen mitzuwirken und sie zu beschleunigen.

Die UN –ECA und die AU plädieren für internationale Unterstützung zur intensiveren Industrialisierung in Afrika . Das heißt auch, dass die afrikanischen Staaten selbst ihre Industrialisierungspolitik überdenken und ihre perspektivisch ausgerichtete Strategie entwickeln. Darin liegt der Ausgangspunkt für die angestrebten Wachstumsziele.

Zutreffend ist hier die These von US-Präsident Obama, die er bei seinem Afrikabesuch im Juni 2013 aussprach: “Afrika muss von den Afrikanern selbst aufgebaut werden! Unser Job besteht darin, als Partner zur Verfügung zu stehen! ”

Den afrikanischen Politikern und Ökonomen sollten dafür die Lehren aus der indischen Entwicklung zu denken geben. Indien, einer der heutigen Investoren aus der BRIKS-Staaten Gruppe in Afrika hatte in den Jahren 2003 bis 2011 ein Wirtschaftswachstum von 200 % , basierend auf ausländischer Finanzierungshilfe. Mit der schweren Wirtschaftskrise schrumpfte das Wachstum auf 4,4 %. Der Einbruch wird mit fatalen Fehlern Indiens begründet, statt auf den weiteren Ausbau der Industrie zu setzen, spezialisierte man sich auf Call Center und PC-Programme für Europa und USA. Aber heute baut Indien in Benin ein Traktoren-Montagewerk!

Wachstum mit neuen Wirtschaftsstrukturen
Jedes Land muss seine Wege suchen für industrielles Wachstum, und den Wechsel von einseitiger Rohstoffausbeutung und billigen Arbeitskräftefonds hin zu eigenen Wertschöpfungsketten und höherer Produktivität, d.h. mit Schaffung effektiver Strukturen mit Verbesserung der Steuerung der Wirtschaft, mit Förderung des Unternehmergeistes und Konzentration auf den Mittelstand und die Kleinbetriebe.
Die Teilnehmer der Jahrestagung der ECA und AU-Organisation zur Industrialisierung für ein “Emerging Afrika “stellten fest, dass die Beschleunigung der afrikanischen Industrialisierung der Weg ist, um das erreichte Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten und zu erhöhen.

Finanzierungen
Die Größenordnung der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ist 2011 um mehr als 40 % auf 39 Mrd. Dollar gestiegen (2012 = 38,6 Mrd.). Diese sind aber überwiegend in ressourcenreiche Bergbauländer geflossen  Tansania,Uganda). In der Rolle als Kapitalgeber sind auch Schwellenländer wie Indien, Rep.Korea, Südafrika und Mauritius vorzufinden.

In einer Analyse zum UNCTAD–Report werden afrikaweit rund 90 % der FDI an sogenannte Greenfield Projekte vergeben. Industrialisierungswirkungen zeigen z.B. folgende Projekte :
Senegal: Energie 597 Mio US$, Bauwirtschaft 596 Mio US$
Mosambik: Energie 504 Mio $
Tansania: Erneuerbare Energie 321 US$

Andere Großprojekte beeindrucken mit ihrer Wirkung als infrastrukturelle und industrielle Basis der Länder und Regionen:
Nigeria: Power Projekt Sichydro Cnoee – China, 1 Mrd. US$
Westafrika: Highwayprojekt (Nigeria, Benin, Togo, Ghana, Côte d’Ivoire)
Westafrika: High  Speed Rail Proj. (1.178 km, Nigeria-Benin-Togo-Ghana-Côte d’Ivoire)
Ghana: Binnenschifffahrtsprojekt Volta Lacke (314 Mio US$), in Verhandlung mit China

Die globalen Weltmarktbedingungen erfordern, dass die Industrialisierungsprozesse beschleunigt werden, damit die afrikanischen Länder ihre Positionen ausweiten und mitbestimmen. Die innerafrikanischen Integrationen sind eine wichtige Aufgabe, die von der NEPAD verfolgt wird, weil sich kein Land allein, isoliert wirkungsvoll behaupten wird.
Hier sei auch angesprochen, dass länderübergreifende Großprojekte der Infrastruktur, wie Bahnsysteme, Straßenbau, Schifffahrtsobjekte  bereits erörtert sind und im Sinne der Industrialisierungsziele des Kontinents breite Aktivitäten erfordern.

Verbreitete Verarbeitungsstrukturen
Einen wichtigen Aspekt industrieller Entwicklung in jedem einzelnen Land setzte die Konferenz der Industrieminister der Afrikanischen Union im Juni 2013 zum Schwerpunkt “Manufacturing Industry”. Ziel ist dabei die Diversifizierung der Produktion, Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze; Energieproduktion für die industrielle Entwicklung und der Technologietransfer.
Die verstärkte Förderung für mittelständische Unternehmensgründungen und Handwerksbetriebe bietet interessante Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit für deutsche Unternehmen.
Einzubeziehen sind auch gefragte Technologien für den Agrarbereich, um – verbunden mit dem erweiterten Anbau – die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte auszubauen. Damit muss künftig die Produktivität  der Agrarwirtschaft erhöht werden mit der Förderung des Kleinbauerntums .

Der Focus auf die Industrialisierung Afrikas ist eine echte Herausforderung für die deutsche Wirtschaft, und es bietet sich an, mit den Vertretern der Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen der deutschen Wirtschaft in eine konstruktive Diskussion zu treten und den positiven Ruf der deutschen Industrie in Afrika als Chance zu sehen.

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