“Der Major, der den Krieg überlistete” Wie kann ein uralter Mann in einem Krisengebiet mehr erreichen, als die Armeen von 40 Staaten? In zwölf Jahren Terrorkrieg in Afghanistan und Pakistan scheint der Westen mit seinem gesellschaftlichen Aufbauprojekt gescheitert zu sein. Aber wenn Freiheit und Menschenrechte keinen Platz hätten im Hindukusch, dann dürfte es die Geschichte nicht geben, die Daniel-Dylan Böhmer in seinem Buch “Der Major, der den Krieg überlistete” erzählt – die Geschichte eines ehemaligen Kolonialkriegers, der mit über 90 Jahren Schulen in den Stammesgebieten an der afghanisch-pakistanischen Grenze leitet, von der Bevölkerung geachtet und beschützt, und mit erstaunlichem Erfolg: Seine Schüler schaffen es an internationale Eliteunis und sein Tal ist von Terror und Extremismus verschont geblieben.

Schönes Buch vom Krieg

Wie kann ein uralter Mann in einem Krisengebiet mehr erreichen, als die Armeen von 40 Staaten? In zwölf Jahren Terrorkrieg in Afghanistan und Pakistan scheint der Westen mit seinem gesellschaftlichen Aufbauprojekt gescheitert zu sein. Aber wenn Freiheit und Menschenrechte keinen Platz hätten im Hindukusch, dann dürfte es die Geschichte nicht geben, die Daniel-Dylan Böhmer in seinem Buch “Der Major, der den Krieg überlistete” erzählt – die Geschichte eines ehemaligen Kolonialkriegers, der mit über 90 Jahren Schulen in den Stammesgebieten an der afghanisch-pakistanischen Grenze leitet, von der Bevölkerung geachtet und beschützt, und mit erstaunlichem Erfolg: Seine Schüler schaffen es an internationale Eliteunis und sein Tal ist von Terror und Extremismus verschont geblieben. Drei Monate verbrachte unser Kollege im Grenzgebiet, um zu beobachten, wie dieser Pakt zwischen einem alten Briten und den Menschen des Hindukusch funktioniert, und um die historischen und kulturellen Hintergründe des Konflikts zu erkunden. So ist sein Buch einerseits eine literarische Reportage über ein einzigartiges Friedensexperiment, in der man viel über die Hintergründe und Ursachen des nicht enden wollenden Krieges erfährt. Andererseits ist es das Porträt eines langen, außergewöhnlichen Lebens.

Major Geoffrey Langlands, geboren 1917, wuchs als Waisenkind im Großbritannien der Wirtschaftskrise auf. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er zunächst als Kommandosoldat in Frankreich und wurde dann nach Asien versetzt, um Britisch-Indien zu verteidigen, das von den mitDeutschland verbündeten Japanern bedroht wurde. Als die Briten nach 1945 abzogen und ihre Kolonie in das muslimische Pakistan und das von Hindus dominierte Indien geteilt wurde, blieb er und half den Pakistanern beim Aufbau ihres Landes. Er ergriff wieder den Beruf, den er in Großbritannien erlernt hatte: Er wurde Lehrer, weil er erfahren hatte, dass man sich mit Bildung in jeder Lage durchschlagen kann. Und dass sie die beste Chance auf Freiheit ist. Der Major ging in den Hindukusch, als sich dort die Taliban formierten. Dort, an der Grenze zu Afghanistan, baute er eine Schule auf. Er überwand das Misstrauen der Bevölkerung und blieb trotzdem er selbst: mit Fünf-Uhr-Tee und Porridge, Anzug und Krawatte. Aber auch mit Ansichten, die man einem alten Offizier kaum zutrauen würde, die aber einen Teil seines Erfolgs erklären könnten: “‘Sie wissen ja, dass ich nicht viel von Zwang halte'”, sagt der Major an einer Stelle des Buches, “‘Disziplin ist mir nicht so wichtig. Was mir dagegen sehr wichtig ist, das ist Selbstdisziplin. Die Fähigkeit, das zu tun, was man sich vorgenommen hat. Das möchte ich den Kindern vermitteln. Aber dazu kann man sie nicht zwingen. Man muss ihnen nahebringen, dass Selbstdisziplin ihnen selbst dient. Dass sie ein Schatz ist.'”

Daniel-Dylan Böhmer: Der Major, der den Krieg überlistete. Insel,Berlin. 352 S., 21,95 €.

http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article122182227/Schoenes-Buch-vom-Krieg.html

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