Nicht wenige der Asylsuchenden sind hochqualifiziert. Damit ihre Talente nicht brach liegen, engagieren sich Bürger in der Region. „Sie sind hochqualifiziert, kommen mit großen Plänen nach Deutschland – und sind verdammt zum Nichtstun“, sagt Peter Oppelt. Der Sozialarbeiter und seine Kolleginnen vom Internationalen Bund (IB) Hanau kennen Flüchtlinge mit sehr guten Schul- und Universitätsabschlüssen, einige haben sogar für die Vereinten Nationen gearbeitet. Im Main-Kinzig-Kreis lagen ihre Talente allerdings lange brach. Genau bei diesen Herausforderungen hilft das bundesweite Projekt „Bleib in Hessen“, an dem auch der IB teilnimmt, seit gut zwei Jahren. Das Programm wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. „Dank des Projekts wurden viele Erfolgsgeschichten geschrieben“, sagt Lucia Bleibel vom IB.

MAIN-KINZIG FLÜCHTLINGE
Damit Flüchtlinge ankommen

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Eine gute Beratung, so wie hier beim Verein „Netzwerk für Integration“ in Rödermark, hilft Flüchtlingen, in Deutschland Fuß zu fassen.  Foto: Sascha Rheker

Das Projekt „Bleib in Hessen“ ist vorerst gerettet. Es kümmert sich im Main-Kinzig-Kreis um Flüchtlinge. Nicht wenige der Asylsuchenden sind hochqualifiziert. Damit ihre Talente nicht brach liegen, engagieren sich Bürger in der Region.

MAIN-KINZIG. –

„Sie sind hochqualifiziert, kommen mit großen Plänen nach Deutschland – und sind verdammt zum Nichtstun“, sagt Peter Oppelt. Der Sozialarbeiter und seine Kolleginnen vom Internationalen Bund (IB) Hanau kennen Flüchtlinge mit sehr guten Schul- und Universitätsabschlüssen, einige haben sogar für die Vereinten Nationen gearbeitet. Im Main-Kinzig-Kreis lagen ihre Talente allerdings lange brach. In den ersten Monaten dürfen sie ohnehin nicht arbeiten, doch auch danach wird es für diejenigen, die eine Beschäftigung aufnehmen können, schwierig: Die Asylsuchenden müssen einen Sprachkurs ergattern, Deutsch lernen, Zeugnisse übersetzen sowie beglaubigen lassen und sich für deren Anerkennung einsetzen, Bewerbungen schreiben, sich auf Einstellungstests vorbereiten. Und nicht zuletzt hoffen, dass ihnen ein Arbeitgeber eine Chance gibt.

Projekt wird nicht ausgebaut

Genau bei diesen Herausforderungen hilft das bundesweite Projekt „Bleib in Hessen“, an dem auch der IB teilnimmt, seit gut zwei Jahren. Das Programm wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert. „Dank des Projekts wurden viele Erfolgsgeschichten geschrieben“, sagt Lucia Bleibel vom IB. Sie und ihre Mitstreiter berichten unter anderem von einem jungen Mann aus Afghanistan, dem sie zu einem Ausbildungsplatz bei einem namenhaften Unternehmen verhelfen konnten. In der „Bleib in Hessen“-Datenbank des IB stehen mehr als 100 Flüchtlinge aus dem gesamten Kreis, um die sich die Sozialarbeiter gekümmert haben.

Dennoch stand „Bleib in Hessen“ bis vor kurzem monatelang auf der Kippe, es drohte das Aus. Jetzt ist klar: Der Internationale Bund darf weitermachen, vorerst jedenfalls. Wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mitteilt, wurde das Projekt kürzlich bis zum 31. Dezember dieses Jahres verlängert. Ob es eine weitere Verlängerung bis 2014 gibt, werde zurzeit geprüft. Jedoch soll „Bleib in Hessen“ offenbar nicht ausgeweitet werden.

Dabei kommen immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland und in den Main-Kinzig-Kreis. Im Kreis waren Ende 2010 noch 520 Asylsuchende untergebracht. Derzeit sind es 1290, und bis Ende 2013 soll der Main-Kinzig-Kreis nach eigenen Angaben 85 weitere aufnehmen. Sie kommen aus rund 40 Ländern. 20 Prozent von ihnen sind aus Afghanistan, jeweils zehn Prozent aus Iran, Eritrea, Somalia und Pakistan.

In Hanau lebten vor drei Jahren 83 Flüchtlinge. Aktuell sind es 262, teilt die Brüder-Grimm-Stadt mit, und bis zum Jahresende soll die Stadt 16 weiteren Schutzsuchenden einen Zufluchtsort bieten. Die Erstaufnahme-Einrichtungen, etwa in Gießen, sind überfüllt. Und die Kommunen haben große Probleme, Unterkünfte zu finden. Kürzlich hat die Stadt Hanau einen Aufruf gestartet. Auch Nidderau, Schöneck sowie andere Städte und Gemeinden suchen händeringend nach Wohnraum.

Um den Flüchtlingen eine Perspektive zu bieten, geschieht bereits einiges im Main-Kinzig-Kreis. Sowohl die öffentliche Hand als auch engagierte Bürger haben Hilfsprojekte ins Leben gerufen. Im Kreis gibt es zum Beispiel Integrationslotsen, die auch Asylsuchenden zur Seite stehen, sowie das Projekt „Junge Migranten vor dem Schulabschluss“, das Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien ebenfalls den Einstieg in den Beruf erleichtern soll.

Das Frustpotenzial steigt

Dank der Initiativen fällt es vielen Flüchtlingen leichter, in der Region anzukommen. Doch es gibt noch viel zu viele, die auf der Strecke bleiben. Sie bekommen nicht genügend Hilfe, sei es beim Deutschlernen oder auf dem Arbeitsmarkt. Sowohl Sozialarbeiter als auch Ehrenamtliche berichten, dass das Frustpotenzial in einigen Unterkünften im Kreis steigt und sich teilweise in Konflikten entlädt.

„Wir dürfen diese Menschen nicht länger in Unterkünften in Industriegebieten versauern lassen, wir müssen ihnen eine Perspektive bieten“, sagt Oppelt. Er tritt dafür ein, Projekte wie „Bleib in Hessen“ auszubauen und fordert Planungssicherheit für die freien Träger. „Je schneller wir jemanden beraten können, desto leichter hat er es, Fuß zu fassen und nicht in Depressionen zu verfallen“, sagt Bleibel. Doch in Zeiten des „Kommunalen Schutzschirmes“, so Oppelt, werde es immer schwieriger, Zuschüsse für Projekte zu bekommen. Gleichzeitig „steigt die Nachfrage nach Angeboten wie ,Bleib in Hessen‘“.

Internet: www.bleibin.de.

http://www.fr-online.de/zuwanderung-in-rhein-main/main-kinzig-fluechtlinge-damit-fluechtlinge-ankommen,24933504,25112882.html

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